Anlagen-Kolumne

Inflationsängste lassen sich derzeit nicht begründen

Die Zeichen stehen vorerst nicht auf Inflation im Zuge der Corona-Pandemie. Das ist zumindest für Anleger eine gute Nachricht.

Von Richard Haimann Veröffentlicht: 08.05.2020, 09:50 Uhr

Mehr als 2000 Milliarden Euro bringen EU, Mitgliedstaaten, Europäische Investitionsbank und Euro-Rettungsschirm ESM auf, um Firmen und Länder in der Corona-Krise zu stützen. A lles finanziert über Anleihen, die größtenteils von der Europäischen Zentralbank (EZB) aufgenommen werden.

Angesichts der Summen überrascht es nicht, dass manche Anleger die Angst befällt, mit den massiven Interventionen werde die Inflation zurückkehren.

Quantitätstheorie entwickelt

Doch ist diese Furcht wirklich berechtigt? Bei einer Inflation sinkt die Kaufkraft des Geldes, weil die Preise der Waren stärker steigen als die Löhne und die Zinsen auf Sparguthaben. Ökonomen haben frühere Phasen hoher Teuerung detailliert untersucht.

Aus ihren Erkenntnissen haben sie die sogenannte Quantitätstheorie entwickelt. Danach müssen drei Kriterien erfüllt sein, damit die Teuerung massiv steigt: Geldmenge und Umlaufgeschwindigkeit des Geldes müssen zunehmen, zugleich aber die reale Warenproduktion sinken.

Dies scheint derzeit aber nicht gegeben: Zwar mussten Unternehmen ihre Produktion drosseln, weil mit den Ausgangsbeschränkungen in vielen Ländern die Lieferketten unterbrochen wurden. Doch inzwischen fahren die Firmen die Fertigung wieder hoch. Das von den Staaten in die Wirtschaft gepumpte Kapital erhöht nicht die Geldmenge, sondern ist ein Substitut für Zahlungsausfälle.

Inflationsrate gesunken

Staatskredite lassen Firmen nur überleben, mehren aber nicht deren Gewinne. Das Kurzarbeitergeld ersetzt nur einen Teil der Löhne, die Unternehmen derzeit nicht zahlen können. Da zudem Menschen aus Sorge vor der Zukunft nun sparen, verringert sich die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes.

Die Folgen zeigt der Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamtes. Danach fiel die Inflationsrate in Deutschland von 1,4 Prozent im März auf 0,8 Prozent im April. Damit die Wirtschaft floriert, Unternehmen investieren und Verbraucher konsumieren, müsste die Teuerung nach Meinung der EZB jedoch wenigstens um zwei Prozent liegen.

Übrigens: Profiinvestoren erwarten keine hohe Inflation. Der Preis des Goldes, die klassische Fluchtwährung in Phasen drohender Teuerung, ist in den zweit Monaten seit dem Corona-Crash um nicht einmal vier Prozent gestiegen.

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