Nach der Einigung auf die Pauschalen bei den neuen Kartenlesegeräten für die elektronische Gesundheitskarte sollen in der Region Nordrhein jetzt Nägel mit Köpfen gemacht werden. Mitte kommenden Jahres wollen die Krankenkassen die neuen Karten an ihre Versicherten verschicken.

Von Philipp Grätzel von Grätz

Im ersten und zweiten Quartal 2009 sollen 17 500 niedergelassene Ärzte im Einzugsbereich der KV Nordrhein mit den neuen Kartenlesegeräten ausgestattet werden. Damit wäre die Kernvoraussetzung für die flächendeckende Einführung der elektronischen Gesundheitskarte ("Rollout") erfüllt.

Die Zeit drängt. Die jetzt - wie berichtet - von den Spitzenverbänden der Ärzte und Krankenkassen ausgehandelten Pauschalen in Höhe von 430 Euro für ein Kartenlesegerät für die Praxis, 375 Euro für ein Mobilgerät pro Praxis und 215 Euro für die Installation der Lesegeräte sind befristet bis zum 30. Juni 2009. "Diese Frist wollen und werden wir im Interesse unserer Mitglieder einhalten", sagte der IT-Experte der KV Nordrhein, Dr. Gilbert Mohr, bei der Medica in Düsseldorf. Später könnten die Pauschalen geringer ausfallen, weil dann mehr Lesegeräte zugelassen sind, was vermutlich auf die Preise drückt.

Derzeit gibt es zwei zugelassene Kartenlesegeräte für die Arztpraxis und ein zugelassenes Mobilgerät für den Notdienst oder für Hausbesuche. "Fünf weitere Geräte stehen kurz vor der Zulassung", sagte der Telematikexperte Jürgen Sembritzki vom Zentrum für Telematik im Gesundheitswesen (ztg) in Krefeld. "Es entsteht hier ein Markt mit konkurrierenden Angeboten, und das wollten wir auch erreichen", so Sembritzki.

Wie geht es jetzt weiter? "In Nordrhein werden wir im Januar und Februar 2009 große Informationsveranstaltungen für unsere Ärzte machen", kündigte Mohr an. Zusätzlich wird Anfang des Jahres Informationsmaterial für die Ärzte zusammengestellt. "Darin werden Informationen zu den einzelnen Lesegeräten stehen, aber auch die Details zum Ablauf der Kostenerstattung", so Mohr.

Seitens der Praxis-EDV sollte es keine Probleme geben: "Eine Vielzahl von Praxis-EDV-Systemen sind umgestellt und können schon heute mit den neuen Terminals umgehen", sagte Dr. Markus Gundlach, Projektleiter für den Basisrollout bei der Betreiberorganisation gematik.

Wenn nun der Rollout der Kartenlesegeräte in Nordrhein tatsächlich bis Ende Juni 2009 abgeschlossen ist, werden die Krankenkassen aktiv: Sie werden ihren Versicherten in Nordrhein die neuen Karten zuschicken, während parallel dazu in den angrenzenden KV-Regionen die Lesegeräte an Ärzte ausgegeben werden.

"Klar ist, dass wir erst dann Gesundheitskarten verschicken werden, wenn wir sicher sind, dass wir sie später nicht mehr austauschen müssen", sagte der Telematikbeauftragte der Techniker Krankenkasse in Nordrhein, Heiner Vogelsang. Der Knackpunkt hier ist die so genannte Online-Fähigkeit der Karten. Zwar ist die flächendeckende Einführung der Karte zunächst eine Offline-Einführung. Die Arztpraxen sollen zügig aber auch online gehen können. Denn erst in einer Online-Welt können Versichertendaten aktualisiert, elektronische Rezepte verschickt oder elektronische Patientenakten genutzt werden.

Es hapert an der Onlinefähigkeit der Karten.

Damit das klappt, müssen die ausgegebenen Karten technisch für den Online-Einsatz vorbereitet sein, um nicht zu riskieren, dass Investitionen im dreistelligen Millionenbereich in den Sand gesetzt werden. Diese Online-Fähigkeit der neuen Karten ist bisher noch nicht gewährleistet.

Aber es werden Fortschritte gemacht. So haben die Krankenkassen die Initiative ProOnline-VSDD gegründet, bei der die Online-Fähigkeit der Gesundheitskarten getestet wird. Wenn das funktioniert, steht einer flächendeckenden Ausgabe der Karten technisch nichts mehr im Weg.

Online wird es für die meisten Arztpraxen freilich so schnell trotzdem nicht gehen. Ab Mitte 2009 - so der aktuelle Plan - sollen zunächst einmal die sieben Testregionen erste Gehversuche in der Online-Welt unternehmen. Bevor es mit der automatischen Aktualisierung der Versichertenstammdaten oder mit anderen Online-Anwendungen in die Fläche geht, müssen die Ärzte dann zunächst einen erneuten Geräte-Rollout über sich ergehen lassen.

Denn online wird die Arztpraxis bei der Gesundheitskarte nur mit einem Konnektor gehen, der eine sichere Verbindung zur Infrastruktur herstellt. Derzeit spricht einiges dafür, dass die Online-Anbindung für Ärzte zunächst freiwillig bleibt. Das fordert zumindest die Bundesärztekammer, und aus dem Bundesgesundheitsministerium wurde in diesem Punkt Zustimmung signalisiert

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