Südwesten

Kassen vermissen Steuerung der Klinikplanung

Qualitätskriterien in der Krankenhausplanung: Bei einer Anhörung im baden-württembergischen Landtag wurde die politische Sprengkraft des Themas deutlich.

Veröffentlicht:

STUTTGART. Bis zu einer Krankenhausplanung, die verbindliche Qualitätskriterien enthält, ist es in Baden-Württemberg ein weiter und konfliktreicher Weg. Das wurde am Donnerstag bei einer Anhörung im Sozialausschuss des Landtags deutlich.

Die Ausschussvorsitzende Bärbl Mielich (Grüne) betonte, die Anhörung werde nur der "Startschuss für eine intensive Debatte" sein. Wichtig sei aus ihrer Sicht, Konzepte "über die Sektorengrenze" hinaus zu entwickeln: "Die Krankenhausplanung muss zu einer Gesundheitsplanung werden", so Mielich.

Für das Sozialministerium betonte Markus Schmidt, Referatsleiter Krankenhauswesen, Baden-Württemberg weise im Vergleich mit anderen Bundesländern eine "sehr sparsame Ausstattung mit Planbetten auf".

Auch bei der personellen Ausstattung befinde sich der Südwesten im Bundesvergleich im Mittelfeld. Seit dem Jahr 2004 sind rund 7200 Betten weggefallen, vorgehalten wurden im vergangenen Jahr noch rund 54.500.

Auf eine Anfrage der FDP-Fraktion hin erklärte das Sozialministerium noch 2013, angesichts früherer Strukturanpassungen gebe es im Südwesten eine "gut ausgebaute und hochstehende Krankenhausversorgung".

Ins gleiche Horn bliesen bei der Anhörung die Vertreter von kommunalen Spitzenverbänden und der Landes-Krankenhausgesellschaft: Kommunale Träger seien dem Allgemeinwohl verpflichtet und daher unverzichtbar, meinte der Heilbronner Landrat Detlef Piepenburg.

AOK-Chef kritisiert "Schulterklopfen"

"Die Weiterentwicklung muss auf dem Erreichten aufbauen", forderte Thomas Reumann, Vorstandschef der Landeskrankenhausgesellschaft. Aus seiner Sicht müsse eine qualitätsorientierte Planung um eine "patientenorientierte Planung" ergänzt werden.

Kassenvertreter sorgten im Landtag für Biss in der Anhörung. Er habe den Eindruck, "Schulterklopfen" ersetze die Analyse, eröffnete AOK-Vorstandschef Dr. Christopher Hermann sein Statement.

Er vermisst eine "aktive Krankenhausplanung", die sich nicht auf das "notarielle Abnicken" dessen beschränkte, was Klinikträger an Angeboten machen. Der Krankenhausplan aus dem Jahr 2010 habe den Strukturwandel nicht begleitet.

Hermanns Beispiel: 115 Kliniken im Südwesten böten Hüft- und Kniegelenk-Endoprothetik an - darunter sei ein Haus mit drei Eingriffen im Jahr. Das grenze an "Körperverletzung", ätzte Hermann.

Ähnlich kritisch zeigte sich Walter Scheller vom Ersatzkassenverband. Er forderte Behandlungsqualität müsse Vorrang vor der wohnortnahen Versorgung haben. Es dürfe nicht länger das Motto gelten: "Wer will, der darf", sagte Scheller.

Nur ein Drittel der Fallzahlsteigerungen in Baden-Württemberg lasse sich auf den demografischen Wandel zurückführen, beklagte der Ersatzkassen-Verbandschef. Demgegenüber hatte Thomas Reumann für die Krankenhausgesellschaft erklärt, die Fallzahlentwicklung zeige keine "Auffälligkeiten". (fst)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Vergiftetes Lob für Qualität

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Medizinische Hochschule Hannover zeigte Mediziner an

Klinik-Arzt wegen Mordverdachts in U-Haft

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Dr. med. Gerhard M. Sontheimer (ANregiomed, Region Ansbach) und Holger Baumann (Kliniken der Stadt Köln, v.l.) haben in der Praxis gute Erfahrungen mit Systempartnerschaften gemacht.

© Philips

Mehr Spielraum für moderne Prozesse in der Klinik

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Philips GmbH Market DACH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Versteckte Zucker

Wie Fruktose den Nieren schadet

Lesetipps
Urinprobe für Harnsäuretests im Labor zur Feststellung von Anomalien im Urin.

© kittisak / stock.adobe.com

Treat-to-Target-Strategie

Gicht: Mit der Harnsäure sinkt auch das kardiovaskuläre Risiko