Klinik-Management

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Keine Panik: Die Krankenhäuser bemühen sich, beim Thema Schweinegrippe die Wogen zu glätten - bleiben aber wachsam. Die Häuser haben sich für alle möglichen Szenarien gerüstet.

Von Christian Beneker

"Wir werden gegebenenfalls infizierte Kinder im Klinikum Bremen Mitte behandeln und infizierte Erwachsene im Klinikum Bremen Ost", sagt Professor Dieter Ukena, Chefarzt der Pneumologie im Klinikum Bremen Ost.

Die Bremer Klinik-Holding plant mit einem zehnköpfigen Arbeitskreis aus Hygiene-Fachleuten, Laborärzten, Pflegenden und "Ärzten von der Aufnahme bis zur Pneumologie", sagt Ukena. "Wir haben alle möglichen Szenarien durchgespielt und sind gut gerüstet", so der Pneumologe.

Im Klinikum Bremen Ost (KBO) würde im Ernstfall eigens eine Station freigeräumt. In der Aufnahme werden Patienten mit Verdacht auf H1N1 von den übrigen Patienten getrennt. "Aber seit Mai haben wir gerade mal insgesamt um die zehn Patienten mit H1N1 aufgenommen. Eigentlich sind wir schon seit Monaten dabei, das Thema zu deeskalieren", sagt Ukena. Die Morbidität sei einfach zu gering.

Die meisten Klinikleitungen bleiben eher gelassen

In Absprache mit dem Bremer Gesundheitsamt will man den Klinikmitarbeitern die Impfung anbieten, aber niemanden verpflichten. "Die Kollegen sollen dann entweder mit Mundschutz arbeiten oder zuhause bleiben", so Ukena.

In der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) heißt es ebenfalls: "Wir sehen die Schweinegrippe gelassen." Das sagte der Immunologe Dr. Reinhold E. Schmidt zur "Ärzte Zeitung". "Mit 5000 bis 9000 Übersterblichkeit liegt die H1N1 Influenza noch unter den ansonsten in Grippewellen erreichten Werten von 15  000 bis 30 000."

In Hannover sollen die Mitarbeiter in den nächsten zwei bis vier Wochen geimpft werden, sagt Schmidt. Das Robert Koch Institut "schwärzt die Situation", meint der Arzt, der die Gefährdung durch die Schweinegrippe wie die Bremer Kollegen eher als gering ansieht. "Das habe ich auch im Landeskabinett so vertreten, wissend, dass etwa Mutationen des Virus oder schwerere Verläufe vieles verändern würden."

In der Berliner Charité hält man sich an die Einrichtungen der Infektiologie, die ohnehin vorhanden sind, erklärt der Infektiologe Dr. Frank Bergmann der "Ärzte Zeitung". "An den Standorten Mitte, Benjamin Franklin und dem Virchow-Krankenhaus haben wir sogar mit Unterdruckschleusen ausgerüstete Zimmer, die bei H1N1-Patienten noch nicht einmal nötig wären." Per Intranet werden die Mitarbeiter aller Standorte zum Thema Schweinegrippe auf dem Laufenden gehalten.

Täglich ein bis drei Neuinfektionen in Berlin

In der Aufnahme der Kliniken erhalten mögliche H1N1-Patienten einen Fragebogen, um den aufnehmenden Ärzten erste Hinweise zu geben. Große Plakate fordern die Patienten dazu auf, bei Fieber einen Mundschutz zu tragen. "Insgesamt ist aber der Osten noch weniger als Westdeutschland betroffen", erklärt Bergmann, "wir zählen derzeit täglich ein bis drei Neuinfektionen in Berlin. Die Tendenz ist rückläufig."

In Berlin wurden bisher insgesamt 440 H1N1-Patienten gezählt, "acht bis 14 Prozent von ihnen müssen in einem Krankenhaus behandelt werden", sagt Bergmann, "und dann auch meistens nur, weil weitere Erkrankungen vorliegen".

Ob die Mitarbeiter der Charité geimpft werden, sei noch nicht entschieden. Wenn die Tests des Impfstoffes abgeschlossen sind, werden darüber der Betriebsarzt und die Klinikleitungen entscheiden, heißt es. Bergmann: "Wir versuchen, weiterhin die Balance zu halten zwischen Hysterie und Gleichgütigkeit."

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