Zukunftsbranche Gesundheit

König Patient - in Deutschland eine durchaus reelle Vision

Ist ein Krankenversicherter gesund, hat er andere Interessen, als wenn er krank ist. Wer vorher Beiträge sparen wollte, möchte nun als König Kunde behandelt werden.

Von Uwe K. Preusker Veröffentlicht:

König Kunde - das ist ein viel genutzter Begriff, der deutlich macht, dass der Kunde in den meisten Wirtschaftsbranchen das Maß der Dinge ist. Was dem Kunden nicht gefällt, kauft er nicht - der Produzent muss sein Produkt oder seine Dienstleistung nach den Kundenwünschen anpassen. Oder er scheitert. Funktioniert das auch in der Gesundheitsbranche? Nicht so einfach, denn der Kunde tritt hier einmal als Versicherter auf, ein anderes Mal als Patient -mit ganz unterschiedlichen Präferenzen.

Dr. Uwe K. Preusker

Der Publizist ist seit über drei Jahrzehnten im Gesundheitswesen aktiv. Er gilt als einer der versiertesten Kenner der Gesundheitsbranche.

Das ist einer der Gründe, weshalb man vom Gesundheitsmarkt als einem unvollkommenen Markt spricht: Der Versicherte hat ein hohes Interesse an niedrigen Krankenversicherungsbeiträgen. Und wenn - wie in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) - noch ein guter Teil der Krankenversicherungsbeiträge vom Arbeitgeber gezahlt wird, hat auch dieser ein manifestes Interesse an niedrigen Beiträgen, um seine Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Wäre es möglich, einen Versicherungsschutz gegen Krankheit ganz zu umgehen, würden dies vor allem Jüngere und Risikogeneigte sicher auch tun.

Anders sieht es aus, wenn der Kunde in der Gesundheitsbranche zum Patienten wird: In dieser Rolle hat er plötzlich ein grundlegend gewandeltes Interesse: Er möchte gesund werden oder seine Leiden oder chronische Krankheit so gut wie möglich gelindert wissen - um welchen Preis auch immer.

Doch so einmalig, wie es auf den ersten Blick erscheint, ist diese Rolle gar nicht. In der Versicherungsbranche ist dieses Phänomen sozusagen der Alltag. Nehmen wir das Beispiel Kfz-Haftpflichtversicherung: Wenn es keine gesetzlich geregelte Pflicht zum Abschluss dieser Versicherung gäbe, würden viele Autofahrer darauf verzichten - vor allem diejenigen, die meinen, sie würden so gut Auto fahren, dass sie nie in einen Unfall verwickelt würden. Andere, weniger risikogeneigte Autofahrer würden dagegen eine Versicherung abschließen.

Im Schadensfall dagegen will jeder Betroffene seinen Schaden so gut wie möglich ausgeglichen wissen.

Im Unterschied zur Krankenversicherung, für die es ja seit Kurzem in Deutschland auch eine Pflicht gibt, kann der Autofahrer aber seinen Haftpflichtversicherer frei wählen und die Versicherung über einen Mindestschutz hinaus frei gestalten - eine Möglichkeit, die der Krankenversicherte nicht oder nur in Ansätzen hat. Dagegen steht vor allem, dass es keine Definition eines Grundschutzes gibt, den jeder in Deutschland abschließen müsste. Das, was die heutige GKV absichert, sei der Grundschutz, so die Argumentation. Doch Nachbarländer zeigen, dass es durchaus anders geht.

Ein Bereich, in dem aus dem Patienten wirklich der "König Kunde" werden könnte, ist die Qualität. Auch hier gab es lange Zeit das Argument, die medizinische Qualität einer Diagnose oder Behandlung lasse sich nicht messen. Dennoch gibt es mittlerweile viele gute Ansätze, Qualität nicht nur zu messen, sondern diese Ergebnisse für den Versicherten/Patienten aufzubereiten. Was hier fehlt, ist die Durchgängigkeit solcher Ansätze und die Entwicklung von Darstellungsformen, die die Qualität für den interessierten Laien wirklich transparent machen.

Das Beispiel zeigt: "König Patient" ist zwar noch eine Vision, doch es ist sozusagen eine reelle Vision. Es lohnt sich, sie ernsthaft und systematisch weiter zu verfolgen!

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