Anlagen-Kolumne

Kurzfristige Vermögensplanung bitte nur im Wettbüro!

Wer kurzfristig in Aktien anlegt, der zockt - zumindest, was die Sicherheit des Invests angeht. Die längerfristig orientierte Anlagestrategie minimiert eher die Risiken.

Von Gottfried Urban Veröffentlicht: 22.03.2010, 05:00 Uhr

Schon seit Menschengedenken bemühen wir Heerscharen von Sehern, Auguren und Priestern, um in die Zukunft zu blicken. Die Ergebnisse fielen meist ernüchternd aus. Für Anleger ist das ganz ähnlich. Gerade kurzfristige Börsen- oder Wechselkursprognosen sind zum Scheitern verurteilt. Steht die Veröffentlichung von Prognosen zur Konjunktur- oder Börsenentwicklung an, starrt alle Welt auf die Wirtschaftsforschungsinstitute und Notenbanken. Dabei sind sich Experten, Analysten und Investoren schon bei der Interpretation von handfesten Wirtschaftsdaten häufig nicht einig.

Wer seine strategische Vermögensplanung auf kurzfristige Prognosen aufbaut, gehört ins Wettbüro. Denn schon in fünf Minuten kann die Welt anders aussehen, etwa weil Naturkatastrophen zu Ernteausfällen führen oder außenpolitische Spannungen die Preise für Öl und Gas in die Höhe schnellen lassen. Unsicherheit regiert die Welt, und bei zunehmender Gleichgerichtetheit von Handelsaktivitäten nehmen die Marktausschläge unweigerlich zu.

Die gute Nachricht ist: Mit dem Wissen um langfristige, verlässliche Trends kann man lernen, Marktschwankungen zu akzeptieren. Treibende Faktoren hinter solchen Trends sind die demografische Entwicklung, der technische Fortschritt, aber auch die Ausstattung eines Wirtschaftsraums mit natürlichen Ressourcen und die Investitionen in Gesundheit, Bildung und öffentliche Infrastruktur.

Was also tun? Meist laufen Aktienmärkte in Konjunktur-Hochphasen weit über den langfristigen Trendkanal hinaus. Aktienfonds oder -pakete kauft man aber nicht in Boomphasen, sondern in schlechten Zeiten. Trotz noch nicht eindeutiger Konjunktursignale sollte man jetzt substanzstarke Dividendenaktien kaufen. Es scheint fast verrückt, wenn man gerade dann kaufen soll, wenn jeder davor warnt. Gemeinsam falsch zu liegen ist eben schöner, als sich eine eigene Meinung zuzutrauen.

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