Versorgungsdaten
Zi-Auswertung: Arzneimittelengpässe sind großes Problem für die Patientenversorgung
Mehr als 1.500 Lieferengpässe bei Medikamenten wurden 2025 erfasst. Manche Präparate lassen sich von Ärztinnen und Ärzten kaum noch ausgleichen. Besonders stark betroffen waren Psychopharmaka.
Veröffentlicht:
Lieferengpässe sorgen dafür, dass es in Deutschland an immer mehr Arzneimitteln fehlt.
© virtua73 / stock.adobe.com
Berlin. Lieferengpässe bei Arzneimitteln sind seit einigen Jahren ein relevantes Versorgungsproblem in Deutschland. 2025 sind insgesamt 1.514 Lieferengpassmeldungen zu 1.041 Lieferengpässen erfasst worden. Dies zeigt eine aktuelle Auswertung der vertragsärztlichen Arzneiverordnungsdaten für die beiden Jahre 2024 und 2025 sowie ein Abgleich mit den Lieferengpassmeldungen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), die das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) am Mittwoch veröffentlicht hat.
Besonders stark betroffen waren Psychopharmaka. Innerhalb dieser Gruppe fallen Antipsychotika mit 173 Meldungen, davon 151 verschiedene Pharmazentralnummern (PZN) und einer durchschnittlichen Engpassdauer von 230 Tagen sowie Antidepressiva (130 Meldungen, 126 PZN, Ø 107 Tage) durch eine Kombination aus sehr hoher Meldehäufigkeit und langen Engpassdauern als besonders problematisch auf. Die betroffenen Präparate hätten einen relevanten Anteil an der Versorgung erkrankter Patientinnen und Patienten, heißt es in der ZI-Mitteilung.
Engpass kann therapiegefährdend sein
So haben 2024 rund eine Million Erkrankte ein entsprechendes Psychopharmakon erhalten. Bei diesen Wirkstoffen könne ein Lieferengpass therapiegefährdend sein, da ein Wechsel des Wirkstoffes nicht ohne weiteres möglich ist. Aber auch andere versorgungsrelevante Wirkstoffe hatten empfindliche Lieferengpässe zu verzeichnen: Lieferverzögerungen bei Lipidsenkern (89 Meldungen, 80 PZN, Ø 156 Tage, 2 Mio. Pat.) und Antibiotika (85 Meldungen, 78 PZN, Ø 122 Tage, 2,2 Mio. Pat.) betrafen potenziell über vier Millionen Patientinnen und Patienten.
Dies zeigt eine aktuelle Auswertung der vertragsärztlichen Arzneiverordnungsdaten für die beiden Jahre 2024 und 2025 sowie ein Abgleich mit den Lieferengpassmeldungen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), die das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) heute veröffentlicht hat. Von einem Lieferengpass spricht man gemäß BfArM, wenn ein Medikament länger als zwei Wochen nicht oder nur eingeschränkt verfügbar ist.
„Leitliniengerechte Auswahl nicht mehr möglich“
„Fehlen mehrere antibiotische Wirkstoffe oder Darreichungsformen gleichzeitig, können Ärztinnen und Ärzte nicht mehr primär leitliniengerecht auswählen, sondern müssen ihre Therapie an der aktuellen Verfügbarkeit ausrichten. Das kann die Versorgungsqualität reduzieren und Resistenzen begünstigen“, warnte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried.
Weitere stark betroffene Arzneimittelgruppen waren laut Zi-Analyse der bronchienerweiternde Wirkstoff Salbutamol und Antiepileptika. Hier war ein vergleichsweise großer Anteil der verfügbaren Präparate betroffen (Salbutamol: 22 Meldungen, ≈ 9,7 Prozent; Antiepileptika: 58 Meldungen, ≈ 6,8 Prozent).
Sonderregeln für Antibiotika
„Das ist versorgungsrelevant, weil in beiden Fällen Ausweichmöglichkeiten je nach Darreichungsform bzw. Wirkstoff oft eingeschränkt sind. Bei Salbutamol ist der anhaltende Versorgungsmangel unter anderem durch Notfallimporte abgefedert worden, zeitweise auch mit Beständen aus dem Ausland. Anderssprachige Packungsbeschriftungen können bei Patientinnen und Patienten allerdings für Verunsicherung sorgen und das Vertrauen in die Arzneimittelversorgung beeinträchtigen“, so von Stillfried weiter.
Erst vor wenigen Tagen hatte das Bundesgesundheitsministerium (BMG) bekannt gegeben, dass bei bestimmten Antibiotika wegen drohender kritischer Lieferengpässe vorübergehend Sonderregeln zur Absicherung der Versorgung greifen sollten. Konkret sei das bei zu spritzenden Arzneimitteln mit dem Wirkstoff Benzylpenicillin-Benzathin der Fall. Diese Feststellung erlaube nun befristet Abweichungen von Vorgaben, um ein leichteres Ausweichen auf importierte Produkte zu ermöglichen. Ein zentraler Grund für immer wieder auftretende Lieferengpässe bei zum Teil versorgungssensiblen Arzneimitteln sei die starke Konzentration der Arznei- und Hilfsstoffproduktion weltweit auf einige wenige Hersteller, vorwiegend in China und Indien, machte der Zi-Vorstandsvorsitzende deutlich. (kaha)




