Statistisches Bundesamt

Beschäftigung im Gesundheitswesen nimmt wieder deutlicher zu

Mit 6,2 Millionen Arbeitsplätzen – sozialversicherungspflichtig und selbstständig – ist das Gesundheitswesen ein Job-Gigant. Und nach zwischenzeitlicher Flaute stehen die Zeichen jetzt wieder auf Zuwachs.

Veröffentlicht:
Die Medizin ist weiblich: Dreiviertel der Beschäftigten in Gesundheitsberufen sind Frauen. In Arztpraxen ist deren Anteil mit knapp 82 Prozent noch höher.

Die Medizin ist weiblich: Dreiviertel der Beschäftigten in Gesundheitsberufen sind Frauen. In Arztpraxen ist deren Anteil mit knapp 82 Prozent noch höher.

© Tatjana Balzer / stock.adobe.com

Wiesbaden/Berlin. 2024 hat die Beschäftigung im Gesundheitswesen erstmals seit dem Pandemiejahr 2021 wieder nennenswert zugelegt. Wie das Statistische Bundesamt am Dienstag meldet, waren zum Ende des Berichtsjahrs deutschlandweit 4,6 Millionen Frauen und 1,6 Millionen Männer in Gesundheitsberufen tätig – in Summe mit rund 6,2 Millionen 1,7 Prozent mehr als im Vorjahr; die Zahl umfasst sozialversicherungspflichtig Beschäftigte ebenso wie Selbstständige und entspricht den amtlichen Angaben zufolge 4,4 Millionen Vollzeitäquivalenten.

Personalzuwachs habe es sowohl in stationären als auch in und ambulanten Einrichtungen gegeben – wenngleich unterschiedlich stark: In Kliniken und Pflegeheimen um 3,0 Prozent auf etwas mehr als 2,2 Millionen Beschäftigte, in ärztlichen und therapeutischen Praxen, ambulanten Pflegediensten und Apotheken um 1,3 Prozent auf rund 2,5 Millionen. Die übrigen Arbeitsplätze entfallen auf Pharma-, Medtech- und Vorleistungsindustrie, Verwaltung und Großhandel. Für humanärztliche Praxen weist Destatis zu Ende 2024 rund 736.000 Beschäftigte (600.000 Frauen, 136.000 Männer) aus und damit einen unterdurchschnittlichen Zuwachs um 0,5 Prozent.

Kein Bedürfnis, mehr zu arbeiten

Forderungen, den Fachkräftemangel durch Mehrarbeit auszugleichen, finden auch bei Angehörigen der Gesundheitsberufe wenig Gegenliebe. Wie aus einer aktuellen Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Fraktion hervorgeht, wünschten sich zuletzt (2023) bundesweit 56,5 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten eine kürzere Wochenarbeitszeit, als sie arbeitsvertraglich zu leisten hatten. Unter den medizinischen und nicht-medizinischen Gesundheitsberufen sagten das mit 57 Prozent genauso viele. 35,5 Prozent aller Angestellten wollten ihre aktuelle Wochenarbeitszeit beibehalten (Gesundheitsberufe: 34,2 Prozent) und lediglich 7,9 Prozent der abhängig Beschäftigten hätten wöchentlich gerne länger zu tun (Gesundheitsberufe: 8,8 Prozent).

In der Hauptsache gefragt hatten die Abgeordneten der Linken aber nach den zu erwartenden, auch gesundheitlichen Auswirkungen der geplanten Umstellung von täglicher zu wöchentlicher Höchstarbeitszeit; im Koalitionsvertrag ist das angekündigt. Zu dieser Fragestellung bleibt die Regierung jedoch vage. Nach derzeitigem arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisstand, lasse sich „keine einheitliche, für alle Beschäftigtengruppen gültige maximale tägliche Arbeitszeit benennen, ab der Gesundheitsrisiken eindeutig und verlässlich einsetzen“. Die wissenschaftliche Studienlage sei „heterogen und kontextabhängig“.

Gesetzliche Wochenarbeitszeit ante portas

Schließlich hänge vieles „von der konkreten Ausgestaltung der Regelung ab, welche dem Gesetzgebungsverfahren vorbehalten bleibt“, heißt es wiederholt. Allerdings bekräftigt die Bundesregierung, dass „die Ermöglichung einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit nicht der Ausweitung der Arbeitszeit dient“. Vielmehr solle dadurch nur „den Sozialpartnern und den Arbeitsvertragsparteien ein größerer Gestaltungsspielraum bei der Verteilung der Arbeitszeit eingeräumt werden“.

Zum Stand des Reformvorhaben heißt es, zwischen Juli und Oktober vorigen Jahres seien „in mehreren konstruktiven Sitzungen“ die unterschiedlichen Aspekte des Themas „mit den Sozialpartnern beleuchtet und die verschiedenen Standpunkte dargelegt und diskutiert“ worden. Zu konkreten Inhalten der Gespräche habe man Vertraulichkeit vereinbart. „Die aus dem Austausch mit den Sozialpartnern gewonnenen Erkenntnisse werden derzeit eingehend ausgewertet, Umsetzungsmöglichkeiten geprüft und konkrete Regelungsvorschläge erarbeitet.“

Beschäftigten in der ambulanten und stationären Versorgung könnte die Umstellung der täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit – und damit etwa die Chance zur 4-Tage-Woche – entgegenkommen: Hier waren 2023 laut Arbeitszeitbefragung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) 12,5 Prozent der Beschäftigten ohnehin schon überlange tatsächliche Arbeitszeiten gewohnt (mehr als 48 Stunden pro Woche). Von langen Arbeitszeiten (40 bis 48 Stunden pro Woche) berichteten 31 Prozent. (cw)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

„ÄrzteTag“-Podcast

Wie ticken Menschen mit Autismus, Professorin Freitag?

Das könnte Sie auch interessieren
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Wissenschaft in Medizin übertragen

© Regeneron

Forschung und Entwicklung

Wissenschaft in Medizin übertragen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Regeneron GmbH, München

Ist das AMNOG bereit für HIV-Innovationen?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
Arzneiforschung: Von Innovationen profitieren nicht nur Patienten, sondern immer auch die Gesellschaft als Ganzes.

© HockleyMedia24 / peopleimages.com / stock.adobe.com

Nutzenbewertung

Arznei-Innovationen: Investition mit doppeltem Nutzen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa)
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

„ÄrzteTag“-Podcast

Wie ticken Menschen mit Autismus, Professorin Freitag?

Lesetipps
Ein Impfbuch.

© Axel Bueckert / stock.adobe.com

Robert Koch-Institut

Impfkalender für 2026: Die Neuerungen im Überblick

Ein Mann sitzt vor einem Laptop und hat die Website von ChatGPT geöffnet.

© Frank Rumpenhorst/dpa

KI verweigert Assistenz beim Suizid

Fallbeispiel: ChatGPT empfahl ärztliche Hilfe bei Psychose

Männer spielen Beachvolleyball

© LuneVA/peopleimages.com / stock.adobe.com

Interview mit Physiotherapeutin

Bewegung bei Nackenschmerzen: Welcher Sport ist der richtige?