Lob und Kritik für Empfehlungsportal

KASSEL (pei). Mit rund 1000 Einträgen hat die Web-Plattform www.patienten-empfehlen-aerzte.de derzeit noch nicht viel Inhalt zu bieten. Karsten Richter, Geschäftsführer des Betreibers Almiro Gesundheitsinformationen, ist dennoch zuversichtlich, dass sich das Projekt in einem Jahr trägt. Kollegen sind geteilter Meinung über die Website.

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Basis der Plattform ist eine Datenbank mit 160 000 Niedergelassenen in Deutschland. Die registrierten Nutzer sollen, so die Idee, ihre Ärzte bewerten. In den Kategorien Räumlichkeiten, Freundlichkeit, Wartezeit und Behandlung können sie einen bis fünf Punkte vergeben. Dazu können sie Anmerkungen formulieren.

Der Zugang zur Plattform ist sowohl für Patienten als auch für Ärzte kostenlos. Ärzte können ergänzende Daten zu ihrem Profil schicken, etwa ihre Sprechzeiten oder Angaben zu besonderen Behandlungsmethoden, und einen Flyer zur Auslage in ihren Praxen herunterladen. Geld verdienen will das Unternehmen durch Werbung auf der Website.

Können Ärzte Kollegen über die Website denunzieren?

Dass Bewertungen fingiert werden können, ist die Schwachstelle der Website und hat Kritiker auf den Plan gerufen. "Hier ist einseitiges Denunziantentum - wenn geschickt gemacht - ungehindert möglich", schreibt ein Kollege. Er könne bei einem "Großeinsatz meiner Neffen und Nichten, meiner Arzthelferinnen und meiner Töchter und meines Steuerberaterbüros" binnen 24 Stunden Hunderte E-Mail-Adressen generieren und "Arztkollegen hochloben und andere brutalst verunglimpfen".

Die Angabe einer Mail-Adresse ist Pflicht bei der Abgabe einer Bewertungen. Karsten Richter von Almiro ist klar, dass Manipulationen nicht auszuschließen sind. Er glaubt aber, dass sich nicht viele Menschen die Mühe machen werden, da dies mit Zeitaufwand verbunden ist. Auch würden sich fingierte Bewertungen bei steigenden Nutzerzahlen durch die echten Bewertungen nivellieren. Zudem würden die Einträge technisch automatisiert und redaktionell beobachtet. Kommentare zur fachlichen Qualifikation werden Richter zufolge entfernt, etwa wenn jemand schreibt, der Arzt habe die "falsche Kortisonsalbe" verschrieben.

Ärzte haben keinen Anspruch auf Löschung eines Beitrags

Bei Patienten sieht er wenig Motivation, falsche Bewertungen abzugeben. Das zeige der hohe Anteil positiver Kommentare unter den Einträgen. Die Bewertungen könnten auch unvorteilhaft ausfallen. So ist über eine Augenärztin zu lesen: "Wartezeit sehr lange, obwohl kaum Patienten vorhanden waren und jeder Patient schnell abgefertigt wird. Abfertigen ist das richtige Wort: keine tief gehende Augenkontrolle, keine Augendruckmessung, keine Netzhautkontrolle ... nichts, alles nur mit neuem Termin ... mich sieht die nie wieder". Einen Anspruch darauf, aus der Liste entfernt zu werden, hat die betroffene Ärztin laut Richter nicht. Es würden allenfalls die ergänzenden Daten gelöscht, Name, Anschrift und Fachgebiet bleiben in der Datenbank.

Hausarzt Dr. Dirk Wiechert, der im niedersächsischen Ritterhude eine Privatpraxis betreibt, hat dagegen auf seiner Homepage einen Link zu der Plattform gesetzt. "Ich finde die Website gut, weil die Nutzer Informationen von anderen Leuten bekommen können, die sie nicht kennen." Die Punktebewertung hält er für "pille-palle", viel aussagekräftiger seien die Anmerkungen der Patienten.

Die Plattform im Internet: www.patienten-empfehlen-aerzte.de



STICHWORT

Arztbewertungen im Internet

Das Angebot an Arztbewertungen im Internet wächst. Auf Websites wie Imedo, Helpster, Arztspiegel oder Topmedic haben Patienten auf vielen Portalen die Möglichkeit, Arztpraxen zu beurteilen.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) rät Ärzten bei Ruf schädigenden Beurteilungen oder Kampagnen, Kontakt mit dem Provider aufzunehmen. KBV-Sprecher Dr. Roland Stahl weist auf die Manipulationsgefahr hin. Die Bewertungen seien immer subjektiv und könnten gesteuert werden.

Die Portale im Internet: www.imedo.de, www.helpster.de, www.arztspiegel.de, www.topmedic.de

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Mundpropaganda ist die beste Werbung

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