Kommentar zur VmF-Forderung

MFA-Tarifgehälter sind nicht alles für die Chefs

Die Tarifverhandlungen für die MFA beginnen am Dienstag – mit auf den ersten Blick hohen Forderungen. Es geht auch um die Konkurrenz mit zahlungskräftigeren Arbeitgebern.

Von Matthias WallenfelsMatthias Wallenfels Veröffentlicht:

Sie sind fast in Vergessenheit geraten bei all dem Tohuwabohu um COVID-19: Demografiewandel und Fachkräftemangel. Verging in der Vor-Corona-Zeit kaum ein Tag, an dem nicht eine weitere alarmierende Studie das Licht der Welt erblickte, in der Arbeitgeber angesichts der alternden Gesellschaft zu raschem Handeln und zum Halten ihrer Fachkräfte aufgefordert wurden, um ihr Unternehmen langfristig über Wasser halten zu können, so dreht sich jetzt alles um corona-bedingtes Kurzarbeitergeld, Entschädigungen etc.

Da das Gros der Haus- und Facharztpraxen im Vergleich zu anderen Branchen relativ unbeschadet durch das bisherige Pandemiegeschehen gekommen ist, dürfte es jetzt auch nicht für Unruhe sorgen, dass am Dienstag die Tarifverhandlungen für die Medizinischen Fachangestellten (MFA) beginnen – schließlich läuft der gegenwärtige Tarifvertrag aus 2019 Ende dieses Jahres aus.

In jeder Krise steckt auch eine Chance

Es ist – das zeigen die Tarifverhandlungen der meisten Branchen – üblich, mit hohen Forderungen einzusteigen und sich dann entweder über die Prozenthöhe und/oder die Laufzeit des neuen Tarifvertrages anzunähern. Die vom Verband der medizinischen Fachberufe (VmF) als Tarifpartei der MFA öffentlichkeitswirksam im Vorfeld der Verhandlungen verkündeten Forderungen nach 150 Euro monatlich mehr für MFA in der Tätigkeitsgruppe 1 mag horrend klingen.

Ein zusätzlicher Obolus könnte aber ein probates Mittel sein, um MFA, die nicht selten sogar in der eigenen Praxis ausgebildet wurden, weiter bei der Stange zu halten – und zwar als attraktiver Arbeitgeber. Der Mehrverdienst könnte eventuell auch bitter nötig sein, um den anhaltenden Exodus der MFA in den aus deren Sicht wesentlich besser entlohnten stationären Bereich unter den Tarifmantel des öffentlichen Dienstes einzudämmen.

So abgedroschen es übrigens auch klingen mag, so wahr ist es doch, dass in jeder Krise wie der gegenwärtigen Pandemie auch eine Chance für Praxen steckt – die Chance auf das innovative, teils digital gestützte Umkrempeln der Praxisorganisation inklusive neuer Rollen für das Personal.

Das sollte den Weg ebnen für neue Patientenströme und Erlösquellen, aus denen sich trotz in der Vergangenheit stets gestiegener Praxiskosten der monatliche Mehraufwand für MFA locker refinanzieren lassen würde.

Schreiben Sie dem Autor: matthias.wallenfels@springer.com

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