Uni Göttingen

MRT erlaubt Echtzeit-Blick auf das Herz

Veröffentlicht: 23.03.2015, 15:06 Uhr

GÖTTINGEN. Die Universitätsmedizin Göttingen hat am Freitag ein weltweit einzigartiges Gerät für die Echtzeit-Magnetresonanztomographie (MRT) in Betrieb genommen.

Mit der neuen Technologie ist es möglich, ein schlagendes Herz mit einer zeitlichen Auflösung von 30 Millisekunden aufzunehmen.

Die Aufnahmegeschwindigkeit ist so hoch, dass sich auch bei unregelmäßigem Herzschlag Bilder in Echtzeit aufnehmen lassen.

"Wir können damit jeden einzelnen Herzschlag abbilden und zusehen, wie das Herz pumpt", sagte Professor Joachim Lotz, Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, anlässlich der Einweihung eines neuen Spezialgebäudes, das eigens für die neue MRT-Technologie gebaut wurde.

Insgesamt haben der Neubau und die MRT-Geräte rund sieben Millionen Euro gekostet.

Das Echtzeit-MRT ist das weltweit einzige Gerät dieser Art, das in der klinischen Anwendung eingesetzt wird. Es ermöglicht ganz neue einzigartige Möglichkeiten für die Diagnostik und Behandlung von Herzpatienten. So können die Mediziner beispielsweise den Blutfluss im menschlichen Kreislauf in Echtzeit messen und Herzrhythmusstörungen sehr viel genauer analysieren.

Krankhafte Veränderungen des Herzmuskels werden entdeckt

Bereits in naher Zukunft wollen die Forscher die erste Herzkatheteruntersuchung am Menschen ohne Röntgenstrahlung vornehmen, hieß es.

Mit Hilfe der neuen Bildgebung könne man außerdem auch an kritischen Stellen gezielte Gewebeentnahmen von krankhaften Veränderungen des Herzmuskels vornehmen, sagte der Vorsitzende des Herzforschungszentrums Göttingen, Professor Gerd Hasenfuß.

Das neue Bildgebungsverfahren ist eine Göttinger Erfindung: Eine Forschergruppe um Professor Jens Frahm vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen hat die mathematischen Verfahren für die Bildgebung entwickelt. Frahm ist einer der Pioniere auf dem Gebiet der MRT-Technologie.

Er hatte vor 30 Jahren die so genannte "FLASH"-Technik entwickelt, mit der sich die sehr langen Messzeiten - ursprünglich dauerten die Aufnahmen einzelner Bilder mehrere Minuten - erheblich verkürzen ließen.

Die FLASH-Technik brachte damals den Durchbruch für die Anwendung der Magnetresonanz-Tomografie in der Medizin. Das jetzt entwickelte Bildgebungsverfahren stellt nun die nächste "Revolution" auf diesem Gebiet dar. (pid)

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