Auch wenn Selbstverwaltung noch bremst

MVZ werden hoffähig

In der Versorgungsrealität angekommen: Die Politik kann sich die ambulante Versorgung nicht mehr ohne MVZ vorstellen. Nur die ärztliche Selbstverwaltung hat nach wie vor Probleme mit den Kooperationen.

Angela MisslbeckVon Angela Misslbeck Veröffentlicht:
Neuer Pfeiler der Versorgungslandschaft: Medizinische Versorgungszentren.

Neuer Pfeiler der Versorgungslandschaft: Medizinische Versorgungszentren.

© Tiberius Gracchus / fotolia.com

BERLIN. Die Akzeptanz von Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) steigt zusehends. Das betonte Gesundheitsstaatssekretär Lutz Stroppe beim Praktikerkongress des Bundesverbands MVZ (BMVZ) am Mittwoch in Berlin.

Auch in der Gesundheitspolitik der Union habe sich ein Sinneswandel vollzogen: "Die Diskussion in der Union hat sich mit Blick auf die MVZ ganz erheblich verändert", sagte Stroppe.

Man habe gesehen, dass MVZ neue Möglichkeiten der Patientenversorgung schaffen. Das sei eine sehr erfreuliche Entwicklung.

"Kooperation und Koordination auf unterschiedlichen Ebenen über Fach- und Sektorengrenzen hinweg sind Schlüssel, um die medizinische Versorgung zu verbessern", zeigte sich Stroppe überzeugt.

Die Koalition habe mit dem Versorgungsstärkungsgesetz versucht, die Möglichkeiten für MVZ zu erweitern und die Voraussetzungen für eine weitere positive Entwicklung zu schaffen.

Als "wichtige Weiterentwicklung" bewertete der Staatssekretär die Möglichkeit zur Gründung fachgleicher MVZ. "Ein Schritt, um das Instrument weiter in die Fläche zu bringen" seien die Möglichkeiten für Kommunen, MVZ zu gründen.

Köhler: MVZ-Zunahme "dramatische Veränderung"

Einen gewandelten Blickwinkel auf MVZ nimmt auch der frühere Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und jetzige Ehrenvorsitzende des Spitzenverbands der Fachärzte Dr. Andreas Köhler ein.

Die Zunahme von MVZ und angestellten Ärzten in der ambulanten Medizin bezeichnete Köhler als "dramatische Veränderung".

Vor fünf Jahren waren nach seinen Angaben 1100 Ärzte angestellt ambulant tätig. Ende 2014 seien es bereits 24.560 gewesen. "Dieser Trend ist spürbar, und dem muss man sich stellen", sagte der Ex-Funktionär mit Seitenhieb auf das KV-System.

Köhler forderte die ärztliche Selbstverwaltung auf, ein neues Verständnis von ärztlicher Freiberuflichkeit zu entwickeln. "Wir dürfen das nicht mehr mit wirtschaftlicher Selbstständigkeit gleichsetzen", sagte Köhler.

Seine "ganz persönlichen" Appelle an die verfasste Ärzteschaft: "Wir müssen die Strukturen für die nachwachsende Generation aufbauen. Dazu gehört auch, dass wir MVZ als eine Form der Kooperation akzeptieren müssen. So weit ist das KV-System noch nicht."

Den KVen empfahl er, MVZ besser zu integrieren. "Sie werden zu viele, als dass ich nicht Sorge hätte, dass sie sich irgendwann eine andere Interessenvertretung suchen", so Köhler.

Ruf nach MVZ-Repräsentanten in der ärztlichen Selbstverwaltung

BMVZ-Vorsitzender Dr. Bernd Köppl ruft indes Ärzte in MVZ und Gemeinschaftspraxen auf, für die KV-Wahlen 2016 eigene Listen aufzustellen, die speziell die Interessen von Kooperationen vertreten - wie die Liste "Kooperation ist Zukunft", die in der Vertreterversammlung der Berliner KV drittstärkste Kraft ist.

"Die angestellten Ärzte in der ambulanten Versorgung haben bislang keine Repräsentanten in der ärztlichen Selbstverwaltung. Das ist aus demokratischer Sicht ein großes Problem", so Köppl.

Angestellte Ärzte müssten in die Selbstverwaltung, damit dort das Verständnis für ihre Probleme wachse. Der BMVZ will Listengründungen für die KV-Wahlen beratend unterstützen, plant aber keine eigene Verbands-Liste.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Angestellte Ärzte in die KVen!

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