Umfrage

Massive Mängel in der Weiterbildung

Eine Mitgliederumfrage des Marburger Bundes offenbart Defizite in der Facharzt-Weiterbildung. Viele angehende Ärzte müssen demnach die Lerninhalte außerhalb der regulären Arbeitszeit absolvieren oder werden von Ärzten angeleitet, die selbst noch in der Weiterbildung sind.

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Skeptischer Blick nach unten: Viele junge Ärzte sehen Defizite bei der Weiterbildung.

Skeptischer Blick nach unten: Viele junge Ärzte sehen Defizite bei der Weiterbildung.

© Davorin Wagner / Chirurgie im Bild

BERLIN. Mehr als die Hälfte der Jungmediziner ist der Auffassung, dass die geforderten Weiterbildungsinhalte während der alltäglichen klinischen Arbeit nicht ausreichend vermittelt werden. Lediglich 15 Prozent erhalten von ihrem Weiterbilder einen strukturierten Ausbildungsplan.

Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Online-Mitgliederumfrage des Marburger Bundes (MB), an der sich 1118 angestellte Ärzte in Weiterbildung zum Facharzt in der Zeit vom 20. Januar bis 24. Februar dieses Jahres beteiligten. Das Institut für Qualitätsmessung und Evaluation (IQME) führte die Befragung im Auftrag des MB durch.

Weit mehr als die Hälfte der befragten Ärzte (58 Prozent) gab an, die vorgeschriebenen Weiterbildungsinhalte außerhalb der regulären Arbeitszeit absolvieren zu müssen. Diese Angabe bestätigt Trends aus zurückliegenden Mitgliederbefragungen des MB.

Zudem erhalten der Umfrage zufolge lediglich neun Prozent ein regelmäßiges Feedback. 47 Prozent der Befragten bekommen keinerlei Rückmeldungen von ihrer Weiterbildungsstätte.

Auch die Dokumentation der Weiterbildung zeigt offensichtliche Mängel: Zwei Drittel der Ärzte (67 Prozent) verneinen die Frage, ob in ihrer Weiterbildungsstätte mit Logbüchern gearbeitet wird, um Leistungen zu erfassen.

Mehrheit will im Krankenhaus bleiben

"Die Häuser sind augenscheinlich aufgrund ihrer finanziellen Situation nicht in der Lage, eine gute Weiterbildung zu gewährleisten", unterstrich Rudolf Henke bei der Vorstellung der Ergebnisse in Berlin. Von einer vernünftigen Weiterbildung sei man noch weit entfernt, so der Vorsitzende des MB.

Die aktuellen Arbeitsbedingungen in vielen Kliniken scheinen auch die Struktur der Weiterbildung zu beeinflussen. So sieht die ärztliche Weiterbildungsordnung vor, dass diese unter Anleitung befugter Ärzte in praktischer Tätigkeit und theoretischer Unterweisung zu erfolgen hat.

In der Umfrage gibt jedoch fast jeder Vierte an, überwiegend von Kollegen angeleitet zu werden, die sich selbst noch in der Weiterbildung befinden. 53 Prozent werden von Oberärzten angeleitet, 18 Prozent von Fachärzten und lediglich drei Prozent von Chefärzten.

Trotz der offensichtlichen Defizite während der Facharzt-Weiterbildung will die Mehrheit (52 Prozent) der jungen Ärzte im Krankenhaus tätig bleiben, bei den Männern bejahen dies sogar 59 Prozent.

Erfreulich ist Henke zufolge, dass sich der Befragung nach 39 Prozent der Ärztinnen im Anschluss an ihre Facharzt-Weiterbildung eine Zukunft im ambulanten Versorgungsbereich vorstellen können. "Diese Aussage macht Hoffnung, dass sich innerhalb der jungen Generation noch Ärzte für den ambulanten Bereich finden", so der MB-Vorsitzende. (mam)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Tiefe Kluft zwischen Wunsch und Realität

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