Qualitätsmanagement

Mauerblümchen im Praxisalltag?

Die sektorenübergreifende QM-Richtlinie des GBA ist seit einem Jahr in Kraft. In vielen Praxen schlummert noch großes Optimierungspotenzial, sind sich QM-Experten einig.

Von Anne-Christin GrögerAnne-Christin Gröger Veröffentlicht:
In vielen Praxen niedergelassener Ärzte steht die QM-Ampel noch nicht auf Grün, monieren QM-Fachleute.

In vielen Praxen niedergelassener Ärzte steht die QM-Ampel noch nicht auf Grün, monieren QM-Fachleute.

© Gerhard Seybert / Fotolia

BOCHUM. Die Umsetzung von Standards im Qualitätsmanagement und bei der Patientensicherheit scheitert bei niedergelassenen Ärzten oft am Widerstand oder Unwillen der Praxisführung. "Es gibt nicht wenige Praxen, wo es an Rückhalt durch den Chef fehlt", berichtet Dr. Kirstin Börchers, Gynäkologin und Inhaberin des auf Qualitätsmanagement spezialisierten Unternehmens QM Börchers Consulting+, am Freitag auf einer Veranstaltung des Verbandes medizinischer Fachberufe (VmF) in Bochum zum Qualitätsmanagement.

Eine zentrale Rolle bei der Implementierung entsprechender Maßnahmen spielten die Medizinischen Fachangestellten (MFA). "So sorgt die Strukturierung der Handlungsabläufe durch die MFA für weniger Zeitverluste und mehr Patientensicherheit im Praxisbetrieb." Einen Appell an die niedergelassenen Ärzte äußerte auch Hedwig François-Kettner, Vorsitzende im Aktionsbündnis Patientensicherheit. "Wenn der Rückhalt durch den Chef fehlt, laufen alle Qualitätsmanagementmaßnahmen ins Leere."

GBA-Richtlinie gibt Orientierung

Dabei ist die Umsetzung eines QM-Systems längst Gesetz. "Die aktuelle Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses verlangt von jeder Arztpraxis die Einführung eines solchen Systems", sagte Börchers. "Damit haben die Praxen eine gute und verbindliche Leitlinie, welche Anweisungen umgesetzt werden müssen." Ihrer Erfahrung nach setzten etwa ein Drittel der Praxisinhaber diese Vorgaben begeistert um und nehmen auch Geld dafür in die Hand. "Es ist aber noch viel Luft nach oben", sagte sie.

Dr. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, wies ebenfalls auf die wichtige Funktion der MFA bei diesem Thema hin. "Wir brauchen sie mit wachen Augen und offenen Ohren, die sehen, was wo passiert und wo Fehler vorkommen können." Der wichtigste Punkt sei hierbei die Kommunikation untereinander sowie eine entsprechende Unternehmenskultur in der Praxis. "Wir müssen Fehler offen und ohne Angst kommunizieren, damit sie nicht ein zweites Mal vorkommen", sagte er. "Werden Sie zu Anwälten Ihrer Patienten, setzen Sie sich notfalls an den entsprechenden Stellen wie den Kassenärztlichen Vereinigungen, dem Gesundheitsamt oder den Kassen dafür ein, dass Fehler nicht wiederholt werden", appellierte er an die MFA. Dabei gehe es nicht um Denunzierung, sondern darum, Verantwortung gegenüber dem Patienten zu zeigen.

QM-Investitionen lohnen sich

François-Kettner wies darauf hin, dass die Einführung eines solchen Systems die Praxis zunächst einmal Geld koste, dieses Geld aber später wieder eingespart werden könnte. "15 Prozent der Gesundheitsausgaben wären vermeidbar, wenn ein Patientensicherheitssystem in den Unternehmen etabliert werden würde", sagte sie. Brigitte März, Referatsleiterin MFA im VmF, wies darauf hin, dass es für die Implementation von QM-Systemen Fördermittel gebe, die Arztpraxen abfragen könnten.

Positiv werteten die Diskussionsteilnehmer die Tatsache, dass die Fehlermeldesysteme bei den niedergelassenen Fachärzten offen für alle Mitarbeiter sind und nicht wie in der Zahnmedizin nur den Zahnärzten vorbehalten sind.

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