Praxisbarometer Digitalisierung

Mehrheit der Ärzte hofft auf E-Medikationsplan

Eine Mehrheit der Ärzte sieht einen ausgeprägten medizinischen Nutzen in der Digitalisierung. Als störend werden Sicherheitslücken und Fehleranfälligkeiten der IT empfunden.

Veröffentlicht: 24.10.2018, 07:44 Uhr

BERLIN. Mehrheitlich erwarten Ärzte einen Nutzen für die Versorgung ihrer Patienten durch den fortschreitenden Digitalisierungsprozess. Zweifel bestehen allerdings, ob die Praxen dadurch entlastet werden können.

Dies geht aus dem erstmals vom IGES-Institut in Berlin erhobenen "Praxisbarometer Digitalisierung" hervor, das die KBV am Dienstag vorgestellt hat. Die Erhebung, an der 1764 Praxen teilgenommen haben, soll regelmäßig fortgeführt werden.

Einen sehr oder eher hohen Nutzen erwarten die Befragten insbesondere durch einen elektronischen Medikationsplan: 63 Prozent sehen einen Nutzen. Mit 56 Prozent etwas niedriger wird der Nutzen eines digitalen Notfalldatensatzes eingeschätzt. Knapp 50 Prozent der Ärzte und Psychotherapeuten rechnen mit Vorteilen durch digitale Verordnungen, Überweisungen und Bescheinigungen sowie durch eine einrichtungsübergreifende digitale Patientenakte.

Hingegen wird der Nutzen von Online-Sprechstunden und Gesundheits-Apps eher gering eingeschätzt: Hier erwarten nur etwa 18 Prozent der Praxisinhaber Vorteile. 36 Prozent der Ärzte – bei den Psychotherapeuten sind es nur 27 Prozent – wünschen sich deshalb den Ausbau der Digitalisierung zur Erstellung und Pflege eines elektronischen Medikationsplans. 35 Prozent fordern den Ausbau digitaler Verordnungen, Überweisungen und Bescheinigungen.

Starke Verbesserungen erwarten 57 Prozent fürs Praxismanagement und die Qualität der Kommunikation mit anderen Praxen und Kliniken. Gerade bei der externen Kommunikation ist der Digitalisierungsgrad aufgrund fehlender Interoperabilität aber noch sehr gering.

Umstritten ist, ob zusätzliche digitale Angebote für Patienten die Praxen entlasten können. 44 Prozent der Ärzte und Psychotherapeuten sind der Meinung, dass digitale Angebote dazu keinen wesentlichen Beitrag leisten können. Am stärksten sind die Zweifel der Inhaber von Einzelpraxen. Am optimistischsten sehen dies größere Praxen mit fünf und mehr Ärzten, von denen ein Viertel eine Entlastung für realistisch hält und nur 29 Prozent meinen, dass es zu keiner Entlastung kommt.

KBV-Chef Andreas Gassen zieht daraus dieses Fazit: "Digitalisierung darf kein Selbstzweck sein. Sie macht die Welt nicht automatisch besser." Die KBV werde sich für solche Angebote engagieren, die aus Sicht der Vertragsärzte einen klaren Nutzen für die Versorgung bringen, etwa den E-Medikationsplan oder den E-Arztbrief. Kleine Praxen dürften nicht abgehängt werden, denn Digitalisierung nütze nur, wenn sie flächendeckend erfolgt und der Nutzen den Aufwand überwiegt. (HL)

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