Gesundheitsstadt Berlin

Metamorphose zum Hotspot für E-Health

Berlin soll bei E-Health Flagge zeigen, fordern Politiker. Der Weg dorthin führt zwangsweise über mehr Investitionen und eine neue Sicht auf den Datenschutz.

Veröffentlicht: 15.04.2019, 18:00 Uhr

BERLIN. Berlin werde ein Hotspot für Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI) in Deutschland sein, kündigte Ulf Fink, Senator außer Dienst und Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins Gesundheitsstadt Berlin, auf einer Fachtagung seines Vereins an.

„Wir müssen aber auch etwas dafür tun, diesen Titel zu Recht tragen zu können.“ Dafür müsse der Digitalisierungsgrad der Berlin Kliniken weiter ausgebaut werden. Da Klinikinvestitionen Ländersache seien, werde es „einen starken regionalen Wettbewerb im Bereich Smart Hospitals geben“, so Fink.

Das Land Berlin ist Eigentümer der zwei größten Klinikanbieter der Stadt, der Charité und Vivantes. Dass die stationäre Versorgung zu mehr als 40 Prozent in öffentlicher Hand liege, sei eine Sondersituation, sagte Finanzsenator Mathias Kollatz. In beide Einrichtungen werde verstärkt investiert, pro Anbieter 100 Millionen Euro jährlich.

Für Fink erst der Anfang: „Wir brauchen mit dem nächsten Haushalt deutlichen Zuwachs an Investitionen in die Digitalisierung. Der Mehrwert für Patienten und Ärzte wäre erheblich.“ Hochgradig digitalisierte Kliniken gäben bis zu fünf Prozent ihres Umsatzes für die Digitalisierung aus, sagte der Chief Digital Officer der Charité, Dr. Peter Gocke.

"Wir haben Nachholbedarf"

In Deutschland bewege man sich zwischen einem und zweieinhalb Prozent. „Wir haben Nachholbedarf und werden das über Sonderfinanzierungen lösen müssen“, betonte Gocke.

Eine weitere Baustelle sei der Datenschutz. „Wenn wir in Berlin eine Modellregion für die Digitalisierung sein wollen, müssen wir ein neues Bewusstsein für Datenschutz und Datennutzung entwickeln“, forderte Finanzsenator Kollatz.

Als Beispiel nannte er die australische Patientenakte „My Health Record“, ein System mit Daten von insgesamt 6 Millionen Bürgern. Seit dessen Einführung habe man festgestellt, dass 220.000 Menschen unnötig ins Krankenhaus kamen, weil ihre Vorgeschichte nicht richtig dokumentiert war.

Deutschland habe ein anderes Verständnis von Datenschutz als andere Gesellschaften. Man liege zwar grundsätzlich richtig, „aber wir sollten auch am Fortschritt teilnehmen können“, so Kollatz.

Budget beträgt drei Millionen Euro

Eine Lösung, die Berlin in Sachen Klinik-Digitalisierung voranbringen soll, ist laut Vivantes-Geschäftsführerin Dr. Andrea Grebe in Planung. Charité und Vivantes würden derzeit über die Entwicklung einer gemeinsamen Interoperabilitäts-Plattform als Basis für den Datenaustausch zwischen beiden Häusern sprechen.

Langfristig sollen sich alle Leistungsträger Berlins und sogar Versicherte anschließen können. Der Zeithorizont des Projektes liege bei anderthalb Jahren, das nötige Budget bei drei Millionen Euro. (sjw)

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