Wilke-Wurst

Ministerin bittet zum Rapport

Wer in der Kritik steht, spricht besser darüber, was er alles richtig gemacht hat. Hessens Gesundheitsministerin und der Landkreis Waldeck-Frankenberg beherzigten diese Maxime am Mittwoch gleichermaßen.

Von Christoph Winnat Veröffentlicht: 16.10.2019, 16:17 Uhr
Ministerin bittet zum Rapport

Animation an nordhessischem Straßenrand: Drei Tote bringt das Robert-Koch- Institut mit Listerien-verseuchter Wilke-Wurst in Verbindung.

© picture alliance/dpa

Wiesbaden. Im Gammelfleischskandal um den Anfang Oktober behördlich geschlossenen Wursthersteller Wilke schießt sich nicht nur die Opposition im Hessischen Landtag auf die grüne Umwelt- und Verbraucherschutzministerin Priska Hinz ein.

Im Anschluss an eine Sitzung des Umweltausschusses am Mittwoch, bei der Hinz Antworten geben sollte, wurde auch aus Koalitionskreisen Kritik an der Ministerin laut. „Warum wurde die Produktion nicht sofort geschlossen und die Verbraucher umgehend über den Vorfall informiert?“, so Sebastian Sommer, Vorsitzender der Jungen Union Hessen.

Lückenlose Aufklärung gefordert

Das Umweltministerium soll bereits seit Mitte August Hinweise gegen Wilke und seit Mitte September gesichert von dem Listerien-Befall gewusst haben. Von der Landesregierung fordert Sommer nun „lückenlose Aufklärung“.

Dass es die am Mittwoch jedenfalls nicht gegeben habe, betont die FDP. „Jede Antwort der Ministerin verursacht neue Fragen“. Hinz solle „in der nächsten Plenarrunde eine Regierungserklärung zu den Vorfällen und dem aktuellen Sachstand halten“. Ansonsten, so die Oppositionspartei, sehe man sich „gezwungen, über die Einrichtung eines Untersuchungsausschusses nachzudenken“.

Die Ministerin erklärte, der Rückruf der Wilke-Produkte verlaufe „erfolgreich“. „Dass wir den Betrieb geschlossen haben, war richtig“. Die von Foodwatch wiederholt geforderte Auskunft über belieferte Verkaufsstellen und Gastronomiebetriebe könne es behördlicherseits nicht geben. „Wir können schlicht nicht nachvollziehen, in welchem Supermarkt und in welcher Kantine die Wilke-Wurst verkauft wurde.“

Am Bericht wird „mit Hochdruck“ gearbeitet

Dem Landkreis Waldeck-Frankenberg wirft Hinz unterdessen vor, das Regierungspräsidium Kassel „unzureichend“ über Mängel unterrichtet zu haben, die bei einer Wilke-Betriebsbegehung Anfang September von Vertretern des Landkreises festgestellt worden waren. Bis 25. Oktober solle der Landkreis „über noch offene Fragen berichten“. Von Interesse seien insbesondere „Ergebnisse der Kontrollen vor der Schließung des Betriebs“.

Der Landkreis sicherte zu, „mit Hochdruck“ an dem geforderten Bericht zu arbeiten. Nach Ansicht von Landrat Dr. Reinhard Kubat jedoch haben „die zuständigen Mitarbeiter der Kreisverwaltung nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt und einen guten Job gemacht“. Die Zusammenarbeit mit dem Ministerium, der landeseigenen „Task Force Lebensmittelsicherheit“ und dem Regierungspräsidium „war jederzeit gut, eng und vertrauensvoll“.

Foodwatch spottete am Mittwoch, die hessischen Behörden würden zwar Schwangeren, die zurückgerufene Wilke-Produkte gegessen haben, auch ohne Symptome empfehlen, einen Arzt aufzusuchen. Gleichzeitig hielten sie aber „genau jene Informationen zurück, mit denen Schwangere prüfen können, ob sie die betroffenen Produkte verzehrt haben“.

Ministerin Hinz müsse „im Detail darlegen“, was ihr Haus „seit dem 12. August getan hat und warum es dann noch bis 2. Oktober dauerte, bis Wilke-Produkte zurückgerufen wurden und die Öffentlichkeit gewarnt wurde“.

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