Kliniken

Mit digitalen Neuerungen Fachkräfte einfangen

Qualifizierte Mitarbeiter zu finden und zu binden ist bereits heute für viele Kliniken schwer. Die Digitalisierung fordert Klinikmanager nicht nur bei der Personalakquise zum Umdenken.

Von Matthias WallenfelsMatthias Wallenfels Veröffentlicht:
Die Digitalisierung soll das starke Rückgrat der Versorgung werden – und zum Beispiel Pflegekräfte bei der Arbeit entlasten.

Die Digitalisierung soll das starke Rückgrat der Versorgung werden – und zum Beispiel Pflegekräfte bei der Arbeit entlasten.

© WavebreakMediaMicro / stock.a

HANNOVER. Die fortschreitende Digitalisierung und der Einzug der Künstlichen Intelligenz (KI) in den medizinischen Versorgungsalltag werden tradierten Hierarchiemodellen in Krankenhäusern den Garaus machen. Und: Das Management wird sich von den klassischen Top-Down-Strukturen auch in der Personalführung verabschieden müssen.

Das prognostiziert zumindest die unter anderem auf das Gesundheitswesen spezialisierte, unabhängige Personalberatung Rochus Mummert.

„In Zukunft wird es vielmehr darum gehen, die Mitarbeiter zu motivieren, für den digitalen Change-Prozess zu begeistern, auf Augenhöhe zu interagieren und nicht zuletzt alle Mitarbeiter aktiv einzubinden.

Darüber hinaus müssen alle Klinikangestellten hinreichend auf die Herausforderungen des digitalen Wandels vorbereitet, für die Sinnhaftigkeit sensibilisiert und entsprechend weitergebildet werden“, so die Personalberater anlässlich der Vorstellung der von ihnen antizipierten Trends für die Gesundheitswirtschaft.

Hintergrund ist, dass Ärzte und noch mehr Vertreter der Assistenzberufe wie Krankenschwestern und Pflegekräfte die Befürchtung hegen, KI solle sie im Arbeitsalltag nicht ergänzen, sondern – im Gegenteil – eingesetzt werden, um ihren Arbeitsplatz wegzurationalisieren.

Digitalisierung nicht zum Nulltarif

Um das Klinikpersonal fitzuhalten in ihren durch die digitalisierten Arbeitsprozesse teils anspruchsvoller werdenden Tätigkeiten, bedarf es laut Rochus Mummert auf Arbeitnehmerseite grundlegender Kenntnisse in IT und Digitalisierung.

Diese sollten „einen festen Bestandteil der medizinischen, pflegerischen und kaufmännischen Ausbildung darstellen“, fordern die Berater mit Blick auf eine ihrer Studien.

Digitalisierung und KI im Gesundheitswesen gibt es indes nicht zum Nulltarif, wie die Berater ergänzend warnen. Im Gegenteil: Kliniken, Praxen und Pflegeeinrichtungen müssten investieren – nicht nur in die technische Infrastruktur, sondern auch in die digitale Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter.

„Das hat auch Auswirkung auf das Recruiting und die eigene Arbeitgeberattraktivität. Nur Einrichtungen, die sich als innovative, für digitale Neuerungen offene Arbeitgeber positionieren, werden künftig in der Lage sein, die besten Fachkräfte zu gewinnen und zu halten“, prognostizieren die Personaler.

Sie mahnen Klinikmanager auch dazu an, den KI-Trend nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. „Die Frage, welche Rolle die KI künftig spielen wird, rührt an dem Selbstverständnis der Ärzte, der Pfleger, aber auch der Klinikleitungen.

Denn im Kontext der zunehmenden Automatisierung verschiebt der Vormarsch der KI die Grenzen der bislang ausschließlich menschlichen Domäne strategischer Entscheidungen“, heißt es.

Mehr zum Thema

Institut für Digitale Allgemeinmedizin

Seltene Krankheiten: Mit Künstlicher Intelligenz fixer zur Diagnose

Digitalisierung in der Onkologie

Digitale Organ-Zwillinge kommen noch in der Dekade

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Vision Zero e.V.
Das könnte Sie auch interessieren
Digitalisierung? „Muss für Ärzte einen Mehrwert bieten!“

© [M] Scherer: Tabea Marten | Spöhrer: privat

„EvidenzUpdate“-Podcast

Digitalisierung? „Muss für Ärzte einen Mehrwert bieten!“

Digitalisierung und Datenschutz pandemiekonform: SVR-Vorsitzender Professor Ferdinand Gerlach (li.) am 24. März in Berlin bei der Vorstellung des Ratsgutachtens und der Bundesdatenschutzbeauftragte Professor Ulrich Kelber (re.) einen Tag später bei der Vorlage seines Tätigkeitsberichts.

© [M] Gerlach: Wolfgang Kumm / dpa | Kelber: Bernd von Jutrczenka / dpa

„ÄrzteTag“-Podcast

„Wir verlangen Digitalisierung mit Gehirnschmalz!“ (Streitgespräch Teil 1)

Thorsten Kaatze, kaufmännischer Direktor am Uniklinikum Essen

© UK Essen

„ÄrzteTag“-Podcast

Ein „Kochrezept“ für die Digitalisierung einer Uniklinik

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Gekommen, um zu bleiben: Videosprechstunden sind erst mit Beginn der Pandemie von Vertragsärzten häufiger genutzt worden. Seither hat sich die Anzahl abgerechneter Videosprechstunden auf niedrigem bis mittlerem sechsstelligem Niveau im Monat eingependelt.

© Monika Skolimowska / dpa / pictu

Aktuelle Zi-Zahlen

Videosprechstunden auch 2021 auf erhöhtem Niveau

Adipositas ist inzwischen als chronische Krankheit anerkannt, aber die Therapie ist in der Regel (noch) keine GKV-Leistung.

© motortion / stock.adobe.com

Herbsttagung von DDG und DAG

Diabetes und Adipositas: „Licht am Ende des Tunnels“

Bei der Knie-Totalendoprothese gibt es einiges zu beachten, mahnt ein Orthopäde.

© peterschreiber.media / stock.adobe.com

Appell des BVOU

Mehr Zurückhaltung bei der Indikation zu Knieendoprothesen!