Digital Health

Mit mehr Tempo in die Praxis

Digitale Lösungen versprechen auf vielen Gebieten der medizinischen Versorgung Fortschritte. Den oft langen Weg von der Forschung in die Praxis soll ein Projekt verkürzen helfen.

Von Angela MisslbeckAngela Misslbeck Veröffentlicht:
Bei E-Health-Lösungen handelt es sich teils um sehr komplexe Strukturen.

Bei E-Health-Lösungen handelt es sich teils um sehr komplexe Strukturen.

© wladimir1804 / stock.adobe.co

BERLIN. Der Digital Health Accelerator am Berlin Institute of Health (BIH) von Charité und Max-Delbrück-Centrum (MDC) will den Transfer von digitalen Lösungen in den Versorgungsalltag beschleunigen. Mit Hilfe des 2017 gestarteten Translationsprogramms könnte bereits 2020 ein digitales Frühwarnsystem für Intensivstationen auf den Markt kommen. Weitere Projekte sind in der Pipeline.

Die Idee für das Frühwarnsystem hatte der angehende Herzchirurg Dr. Alexander Meyer vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB). Eine Software führt sämtliche Messwerte aus der Überwachung eines Patienten zusammen und wertet sie gemeinsam aus. Wenn eine kritische Grenze überschritten wird, löst das System Alarm aus.

Das „Digital Health Accelerator“-Programm habe das Projekt aus dem rein wissenschaftlichen Kontext geholt und konkrete Wege zur Translation in die Klinik skizziert, berichtete Meyer anlässlich des Demo Day des Digital Health Accelerators.

Laut BIH könnte das System schon Anfang 2020 in Serie gehen. Meyer will aber laut BIH weiter als Herzchirurg arbeiten und nicht als Unternehmer. Daher hat ihm das Team vom Digital Health Accelerator nach eigenen Angaben auch dabei geholfen, einen Geschäftsführer für sein künftiges Start Up zu finden.

Mit dem Digital Health Accelerator-Programm fördert und coacht das BIH Nachwuchswissenschaftler bei Digital-Health-Projekten. Sie erhalten Mentoring und Platz in einem Coworking Space, um ihre digitalen Konzepte zu marktfähigen Produkte weiterzuentwickeln.

Prototypen mit Patientennutzen

„Das Pilotprogramm Digital Health Accelerator des BIH konzentriert sich auf die Überführung von technologischen Konzepten in Prototypen, die einen echten Patientennutzen zeigen und ein interessantes Geschäftsmodell aufweisen. Dabei stehen wir laufend mit Ärzten, Patienten sowie Partnern aus Forschung und Wirtschaft im Austausch“, so Programmleiter Klaus Nitschke.

Zudem hat das BIH begonnen, ein Netzwerk von „Entrepreneurs in Residence“ aufzubauen. „Dabei handelt es sich um Gründer, die bereits ein erstes Unternehmen gegründet und veräußert haben und daran interessiert sind, ein weiteres Start-up im Digital-Health-Umfeld zu gründen“, erklärt Nitschke.

Experiment ein „voller Erfolg“

Das BIH versteht den Digital Health Accelerator als Experiment. „Aus unserer Sicht ist dieses Experiment ein voller Erfolg“, so Rolf Zettl, Administrativer Vorstand des BIH knapp zwei Jahre nach Start.

Seinen Angaben zufolge gebe es für den dynamischen Bereich Digital Health anders als für die Bereiche Pharma und Medizintechnik noch keine etablierten Instrumente und Partnereinrichtungen, mit denen man die Translation voranbringen könne.

Das BIH-Programm sei damit eine Ausnahme. Nachwuchsforscher haben sechs verschiedene Digital-Health-Projekte vorgestellt.

Einige Beispiele sind:

  • Digitale Diagnose- und Therapieplanung für Herz-/Kreislaufpatienten
  • Monitoring-Plattform für die Überwachung von Rehabilitation nach Operationen
  • Methode, um die beste Zeit für die Medikamentengabe anhand der inneren Uhr zu bestimmen,
  • Transaktionsplattform für zugängliche, erschwingliche Gesundheitsversorgung in Entwicklungsländern

Das Programm wird seit seinem Start vom Bund gefördert. Der Accelerator zeige das enorme Potenzial der Digitalisierung des Gesundheitswesens, so der Berliner SPD-Bundestagsabgeordnete Swen Schulz.

„Für Berlin bieten Digital-Health-Lösungen wie am BIH mit dem Zusammenbringen einer lebendigen Start-up-Szene, leistungsfähiger Gesundheitswirtschaft und herausragenden Forschungseinrichtungen riesige Chancen“, so Schulz weiter.

Das Programm ist seinen Angaben zufolge nach dem Start inzwischen mit jährlich zwei Millionen Euro Förderung fest in die Haushaltsplanung des Bundes aufgenommen worden.

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