Mitarbeiter an Klinik beteiligt

"Motivation zur Kostendisziplin ist höher"

Einzugsgebiet 40.000 Menschen, 134 Planbetten und 27 Ärzte: Das Krankenhaus Bad Doberan erprobt seit Jahren die Eigenregie als GmbH. Die "Ärzte Zeitung" hat den Leitenden Arzt Dr. Michael Arndt nach seinen Erfahrungen gefragt.

Von Christian BenekerChristian Beneker Veröffentlicht:
Dr. Michael Arndt.

Dr. Michael Arndt.

© Privat

Ärzte Zeitung: Herr Dr. Arndt, Ihr Haus wird in einer besonderen Betreiberkonstellation geführt, an der die Mitarbeiter beteiligt sind. Wie kam es zu dieser Entwicklung?

Dr. Michael Arndt: 1995 entschied der Kreistag sich für eine Privatisierung des Krankenhauses. Hintergrund waren befürchtete Verluste und ein möglicher Zuschuss aus dem Kreishaushalt. Als die Mitarbeiter über die Entscheidung informiert wurden, reagierten Sie wie vielerorts mit wenig Begeisterung. Aus einer anfänglichen Blockadehaltung entstand dann ein deutschlandweit einmaliges Projekt.

Wir konnten einen Berliner Unternehmer für unsere Idee gewinnen, das Krankenhaus unter unternehmerischer Mitverantwortung der Mitarbeiter zu führen.

Mit diesem Modell überzeugten wir den Kreistag und so entstanden vor 15 Jahren die Krankenhaus Bad Doberan GmbH als Betreiber und die Mitarbeiterbeteiligungsgesellschaft, die 20 Prozent der Anteile hält. Etwa 50 Mitarbeiter haben bei der Gründung Anteile erworben.

Seither sind Ärzte, Pflegepersonal, Verwaltungs- und Technikmitarbeiter beteiligt. Wann immer ein Mitarbeiter, der Anteile hält, ausscheidet, kann ein anderer Kollege nachrücken. Gibt es mehrere Interessenten, wird nach Betriebszugehörigkeit entschieden.

Bedeutet die Beteiligung der Mitarbeiter auch ein Mitspracherecht in der Unternehmensführung und die Partizipation am Erfolg?

Arndt: Eindeutig ja. Natürlich obliegt das operative Geschäft der Krankenhausleitung, in der Geschäftsführer, Chefärzte und Pflegedienstleitung partnerschaftlich zusammenarbeiten.

Strategische Fragen hingegen werden in der Gesellschafterversammlung gemeinsam zwischen unserem Berliner Partner und der Mitarbeiterbeteiligungsgesellschaft diskutiert.

Dies bezieht sich zum Beispiel auf die Änderung der Abteilungsstruktur oder den jährlichen Investitionsplan. Dabei sind wir froh, dass unser Haus regelmäßig ein positives Betriebsergebnis erreicht.

Wir nutzen dieses vor allem, um in neue Technik und die Verbesserung der Patientenversorgung zu investieren. Denn die gesetzlich vorgesehenen Investitionsmittel reichen nicht aus. Diese nachhaltige Unternehmensführung zahlt sich aus und es kommen immer mehr Patienten.

Davon profitieren wir heute und können regelmäßig Gewinne an unsere beteiligten Mitarbeiter - übrigens aus allen Berufsgruppen - ausschütten.

Der Landkreis befürchtete Verluste und privatisierte das Haus. Wie wurde die wirtschaftliche Lage stabilisiert?

Arndt: Einerseits haben wir frühzeitig moderne Behandlungsmethoden etabliert. Wir waren eines der ersten Häuser in Mecklenburg-Vorpommern, das routinemäßig minimal invasiv operierte oder auf Spinalanästhesien setzte.

Andererseits ist der unternehmerische Gedanke der Mitarbeiter wichtig. Wenn eine Schwester eine Idee zur Kosteneinsparung hat und sieht am Jahresende, dass das Unternehmensergebnis, an welchem sie beteiligt ist, dadurch besser wurde - ist die Motivation zur Kostendisziplin viel größer. Ich denke, wir haben unsere Kosten besser als andere im Griff.

Ziehen die Mitarbeiter wirklich mit?

Arndt: Allerdings. Wenn wir als Anästhesie mal nicht pünktlich zur Narkose kommen, telefoniert die OP-Schwester gleich hinterher und sagt: "Herr Chefarzt - sie wollen doch nicht, dass Überstunden entstehen, oder?"

In anderen Häusern wird vielleicht ein Kaffee getrunken und die Stunden werden einfach aufgeschrieben. Man merkt, dass bei uns berufsgruppenübergreifend wirtschaftlich gedacht wird.

Wirtschaftlichkeit entsteht auch durch die Behandlung der "finanziell interessanten" Patienten. Haben Sie bei der Versorgung selektiert?

Arndt: Nein. Wir schicken niemanden weg und erfüllen unseren Auftrag als Haus der Regelversorgung und gehen darüber hinaus, dafür kooperieren wir zum Beispiel bei der Teleradiologie und bei Herzkathetern mit der Universität. Daneben etablieren wir spezielle Angebote, etwa die Akutgeriatrie.

Hier entscheiden wir vor Ort, um neue Behandlungsformen schnell anzubieten. Wir warten auf keine Konzernvorgabe aus der Schweiz oder Hamburg.

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