Versicherung

Nachhaltigkeit: Policen mit grünem Fußabdruck im Trend

Ab 10. März müssen Versicherungsvermittler die Kunden darüber informieren, wie nachhaltig ihre Lebenspolicen sind. Für die meisten Makler ist das allerdings noch absolutes Neuland.

Von Friederike Krieger Veröffentlicht:
Der grüne Fußabdruck ist zu einem Symbol für Nachhaltigkeit geworden. Nun wollen Versicherer auch Kunden gewinnen für grüne Fonds.

Der grüne Fußabdruck ist zu einem Symbol für Nachhaltigkeit geworden. Nun wollen Versicherer auch Kunden gewinnen für grüne Fonds.

© eteimaging / stock.adobe.com

Köln. Im Supermarkt wimmelt es von Produkten, die sich mit dem Label „bio“ schmücken oder sich als besonders umweltfreundlich und nachhaltig darstellen. „Grün“ und „umweltfreundlich“ zu sein ist „in“. Produkte dagegen, in denen umweltschädliche Stoffe verarbeitet sind, werden vom Verbraucher geschmäht.

Was in der Drogerie und im Supermarkt längst Alltag ist, hat jetzt auch die Versicherungswirtschaft erkannt: Immer mehr Versicherer folgen diesem Beispiel. So haben Digitalversicherer wie Friday oder Wefox Insurance, ehemals One Insurance, Kfz-Policen auf den Markt gebracht, mit denen die Autofahrer ihren CO2-Fußabdruck kompensieren können.

Die Munich Re-Tochter Ergo bietet seit kurzem mit ihrer „Eco-Rente Chance“ eine fondsgebundene Rentenpolice an, über die Kunden in 28 Nachhaltigkeitsfonds investieren können.

Verbesserung der Reputation

Dass die Versicherer sich so intensiv darum bemühen, nachhaltig zu erscheinen, hat vor allem mit Druck von außen zu tun. „Die Treiber sind eine Verbesserung der Reputation, die steigende gesellschaftliche Bedeutung von Nachhaltigkeit und regulatorische Anforderungen“, sagt Reiner Will, Chef der Kölner Ratingagentur Assekurata.

So müssen Versicherungsvermittler ab 10. März darüber informieren, wie nachhaltig die Lebenspolicen sind, die sie verkaufen. Es gibt zwar einige Makler, die sich auf nachhaltige Produkte spezialisiert haben, wie Greensurance oder „Grün Vorsorgen“. Für die meisten Vermittler ist das aber noch Neuland.

Wenn es um Lebensversicherungen geht, gilt es vor allem auf die Kapitalanlage zu achten. Da die Gesellschaften viele Milliarden an Kundengeldern verwalten, ist das der entscheidende Hebel, über den sie Nachhaltigkeit erreichen können. „Versicherer sind riesige Kapitalsammelbecken“, sagt Roland Räcker, Fachverantwortlicher Nachhaltigkeit bei dem Versicherer Concordia Oeco. „Das bietet vielfältige Möglichkeiten, Geldströme zu lenken und wirtschaftliche Veränderungen anzustoßen.“

Zu den No-Gos zählen Rüstungs-, Atom- und Luftfahrtindustrie

Die Concordia Oeco zählt neben der Stuttgarter und Pangaea Life zu den wenigen Gesellschaften, die schon seit mehreren Jahren nachhaltige Lebens- und Rentenversicherungen anbieten. Sie ist schon seit 25 Jahren am Markt. Zunächst hatte Concordia Oeco vor allem klassische Lebenspolicen mit Garantieverzinsung im Programm, bei denen der Versicherer das Kapital selbst anhand von Nachhaltigkeitskriterien anlegt.

Dabei entscheidet ein externer Nachhaltigkeitsbeirat, in welche Branchen investiert wird und in welche nicht. Zu den No-Gos zählen die Rüstungs-, Atom- und Luftfahrtindustrie. Er definiert auch, welchen Kriterien wünschenswerte Investments genügen müssen – etwa, dass in Biogasanlagen nur Abfall und kein Mais verbrannt werden darf.

Wie die meisten Lebensversicherer bietet Concordia Oeco inzwischen vor allem fondsgebundene Policen an. Dabei fließen Kundengelder in extern gemanagte Fonds, das Risiko der Kapitalanlage trägt der Kunde. Die Auswahl bei der Concordia Oeco ist mit sechs Fonds eher überschaubar. Die Stuttgarter mit ihrer „Grünen Rente“, die sie seit 2013 anbietet, hat dagegen über 20 externe Nachhaltigkeitsfonds im Programm.

Eigenen Fonds aufgelegt

Pangaea Life, benannt nach dem Urkontinent, bietet dagegen nur einen einzigen Fonds an. Die Besonderheit: Es ist kein externer Fonds, sondern der Versicherer hat ihn selbst aufgelegt. Mit dem Geld der Kunden und Kapital der Muttergesellschaft, die Bayerische, insgesamt inzwischen 244 Millionen Euro, hat der Versicherer Windparks, Photovoltaikanlagen und Wasserkraftwerke in Dänemark, Norwegen, Spanien und Portugal gekauft.

„Wir wollten die Kapitalanlage sehr transparent gestalten“, erklärte Geschäftsführer Daniel Regensburger. Zudem sei der Fonds relativ schwankungsarm, weil der Versicherer langfristige Verträge für die Abnahme des Stroms aus den Anlagen geschlossen hat. Aus Sicht von Volkmar Haegele, Inhaber des Maklerunternehmens „Grün Vorsorgen“, sollten Kunden beim Abschluss einer nachhaltigen Police berücksichtigen, welche Investmentfonds zur Verfügung stehen und wie positiv diese auf die Umwelt wirken.

Auch die Kosten sollten Kunden nicht aus den Augen verlieren. Bei fondsgebundenen Policen müssen nicht nur die Kosten der Fonds zahlen, sondern auch den Versicherungsmantel. Verbraucherschützer raten dazu, Kapitalaufbau und Risikovorsorge zu trennen und in der Ansparphase lieber selbst in ETF-Fonds zu investieren.

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