Klinik-Management

Nachwuchsarbeit beginnt schon im Kreißsaal

Endlich wieder gute Nachrichten von Hannover 96. Der seit Monaten durch den Suizid seines Torwarts und der anschließenden sportlichen Talfahrt gebeutelte Verein versucht, Neugeborene schon bei der Geburt zu begeistern.

Von Christian BenekerChristian Beneker Veröffentlicht:

HANNOVER. Der Fußballbundesligist Hannover 96 will angesichts der gegenwärtigen Tabellensituation -nach dem 29. Spieltag an 17. Stelle, also stark abstiegsgefährdet - noch einmal ganz vor vorn anfangen. Der Verein plant Nachwuchsarbeit von der Pike auf: Im Krankenhaus Friederikenstift, in dem sonst seine Millionentruppe verarztet wird, wurde jetzt einer der vier Kreißsäle in Fanshop-Manier hergerichtet.

Der Präsident von Hannover 96, Martin Kind, präsentiert im Kreißsaal einen Strampler in den Vereinsfarben. © Steffen / dpa

Der Präsident von Hannover 96, Martin Kind, präsentiert im Kreißsaal einen Strampler in den Vereinsfarben. © Steffen / dpa

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In dem 24 Quadratmeter großen Raum baumeln Söckchen und Stutzen in den Vereinsfarben Grün/ Weiß/Schwarz von der Decke herab, dazu winzige Fußbälle. Die gleichen Farben schmücken Tapeten und Vorhänge. "Wir hoffen, dass durch diese Idee die Geburtenrate steigt und wir zusätzliche Fans bekommen", sagte Martin Kind, der Präsident des Fußballclubs, am Mittwoch bei der Vorstellung des Raumes.

Einer der jüngsten Fans des Vereins heißt Ben und ist am 2. März zur Fußballwelt gekommen. Bereits kurz nach seiner Geburt im neu gestalteten Kreißsaal boten die Vereinschefs seinen Eltern Kerstin Grönemeier und Peter Keller eine kostenlose Jahresmitgliedschaft für ihren Nachwuchs an - und einen gras-grünen Strampler im 96er-Look. Der kleine Ben trägt sozusagen die Nummer zehn in der Reihe der Kinder, die im Kicker-Kreißsaal geboren wurden.

Der neue Kreißsaal des Friederikenstifts ist ganz in den Vereinsfarben von Hannover 96 gestaltet. © Steffen / dpa

Der neue Kreißsaal des Friederikenstifts ist ganz in den Vereinsfarben von Hannover 96 gestaltet. © Steffen / dpa

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"Die erste U1-Elf ist also fast komplett", ulkte der Verein auf seiner Homepage. Allerdings seien alle Kinder infiziert, wie es hieß, und zwar mit dem "96-Virus". Er scheint um sich zu greifen in der Stadt: Inzwischen hätten sich bereits weitere Mütter angemeldet, die ihr Kind in dem Raum zur Welt bringen wollen, sagte Achim Balkhoff von der Presseabteilung der Diakonischen Dienste Hannover, zu denen das Friederikenstift gehört. Gebären die Frauen jetzt also in Hannover-96-Bettwäsche? "Natürlich nicht, es ist ja kein richtiger Fanshop, sondern wir sind immer noch in einer Klinik", versichert Balkhoff, "alles ist viel dezenter. Man darf im Übrigen eine kirchliche Einrichtung nicht in ein Fußballmuseum verwandeln."

Die Idee hatten fußballbegeisterte Hebammen des Friederikenstiftes, wie die leitende Hebamme Reinhild Mikolajewski erklärte: "Wir haben immer die Fans im nahe gelegenen Stadion gehört und waren sofort von der Sache begeistert." Auch Bens Mutter Kerstin zeigte sich beim Kickoff des Projektes angetan: "Auch wenn man am Tag der Entbindung andere Sorgen hat und die Umgebung zur Nebensache wird, unterstützen wir diese tolle Idee gerne." Wer lieber Golf spielt oder radelt, kann auf einen der anderen "normal" gestalteten Kreißsäle ausweichen, teilte das Friederikenstift mit.

Der kleine Neu-96er Ben indes kann noch nicht realisieren, dass seine Manschaft in dieser Saison voll im Abstiegsstrudel steckt. Vielleicht wird er dennoch in einigen Jahren auf der Tribüne stehen und mit den Fans das Lieder der 96er singen:

"Wir sind die Macht aus Niedersachsen Schluss jetzt mit den Faxen Hannover, Hannover! Da reicht ein kurzer Satz: Ihr zieht enttäuscht vom Platz. Wir sind da."

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