Rechenschaftsbericht

PKV-Verband gegen Steuerlast bei betrieblichen Zusatzpolicen

Immer mehr Unternehmen bieten Mitarbeitern eine betriebliche Zusatzpolice zur GKV an. Die Pläne des Finanzministeriums, diese Versicherungen steuerlich mehr zu belasten, stoßen in der Branche auf Kritik. Das zeigt der Rechenschaftsbericht des PKV-Verbands.

Von Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht: 17.06.2019, 17:36 Uhr
PKV-Verband gegen Steuerlast bei betrieblichen Zusatzpolicen

Mitarbeiter profitieren bei Zusatzpolicen auch von Steuervorteilen – das könnte sich ändern.

© Coloures-pic / stock.adobe.com

BERLIN. Policen zur betrieblichen Krankenversicherung erfreuen sich steigender Beliebtheit. Die Zahl der Betriebe, die ihren Mitarbeitern eine Zusatzversicherung zur gesetzlichen Krankenversicherung bieten, hat sich in nur drei Jahren auf rund 7700 mehr als verdoppelt, berichtete der scheidende Vorsitzende des Verbands der privaten Krankenversicherung (PKV) Uwe Laue auf der Jahrestagung in Berlin.

„Mehr als 750.000 Arbeitnehmer kommen dadurch bereits in den Genuss spezieller Gesundheitsleistungen.“ Hinzu kommen die Mitarbeiter, die zwar selbst die Prämien für die Policen zahlen, aber von günstigeren Prämien und besseren Annahmebedingungen profitieren.

Leider gebe es zum Thema schlechte Nachrichten aus dem Bundesfinanzministerium zu verkünden, sagte Laue. „Nach dem Entwurf für das Jahressteuergesetz sollen Beiträge des Arbeitgebers zu Leistungen der Zukunftssicherung als steuerpflichtiger ‚Barlohn‘ eingeordnet werden.“ Damit wolle das Ministerium mehrere Urteile des Bundesfinanzhofs aushebeln, der solche Policen als steuerlich begünstigten „Sachlohn“ einstuft.

Verband fordert Umdenken

Für Tankgutscheine würden dagegen weiter Steuervorteile gelten, kritisierte Laue. „Es ist nicht nachvollziehbar und auch nicht akzeptabel, wenn betriebliche Leistungen zugunsten der Gesundheit der Mitarbeiter steuerlich belastet werden, gleichzeitig aber die Ausgabe von Tankgutscheinen steuerlich gefördert wird.“

Der Finanzminister wolle also klimaschädliche Leistungen begünstigen und gesundheitsfördernde Leistungen belasten. Das könne nicht sein Ernst ein, kritisierte Laue. „Wir fordern hier dringend ein Umdenken in Richtung betriebliche Krankenversicherung.“

Mit rund 750.000 arbeitgeberfinanzierten Policen ist die betriebliche Krankenversicherung im Geschäft der PKV noch ein zartes Pflänzchen. Die Branche hatte laut Rechenschaftsbericht 2018/19 zum Jahresende 2018 insgesamt 26 Millionen Zusatzversicherungen im Bestand. Mit ihnen generierten die Versicherer Prämieneinnahmen in Höhe von 8,8 Milliarden Euro, 2,7 Prozent mehr als im Jahr 2017.

Insgesamt kam die Branche auf Prämieneinnahmen von 39,8 Milliarden Euro, 1,8 Prozent mehr als 2017. Im Hauptgeschäftsfeld Vollversicherung konnte ein Plus von 2,1 Prozent auf 27,7 Milliarden Euro verzeichnet werden. Eine Krankheitskostenvollversicherung hatten nach dem Bericht Ende vergangenen Jahres insgesamt 8,7 Millionen Menschen. Das waren 0,2 Prozent weniger als noch Ende 2017.

Der Bestand in der Vollversicherung bröckelt demnach weiter – wenn auch nur leicht. Rund die Hälfte der Vollversicherten sind Beihilfeberechtigte.

Mit 132.400 gingen im Jahr 2018 mehr Menschen von einer gesetzlichen Krankenkasse zu einem PKV-Anbieter als in die umgekehrte Richtung (130.300). Damit lag der sogenannte Wanderungssaldo erstmals seit Jahren aus Sicht der PKV wieder im positiven Bereich.

Stärkerer Anstieg der Leistungen

In einem der Sozialtarife der Branche waren im vergangenen Jahr 2,1 Prozent aller Privatversicherten. Dabei zählte der Basistarif 31.900 Versicherte, ein Plus von 1,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Im Standardtarif wurden 51.300 Versicherte verzeichnet, 2,2 Prozent mehr als 2017. Weniger Versicherte als 2017 gingen wegen einer vorübergehenden Zahlungsunfähigkeit in den Notlagentarif. Ihre Zahl sank um 3,4 Prozent auf 102.200.

Die Versicherungsleistungen der PKV-Unternehmen indessen stiegen mit fünf Prozent deutlich stärker als die Prämieneinnahmen und summierten sich auf 28,6 Milliarden Euro. Die von Versicherten angesparten Alterungsrückstellungen beliefen sich Ende 2018 auf stolze 255 Milliarden Euro, 3,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

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