Anlagenkolumne

Pharma fährt weiter ganz vorne mit

Viele der weltweit agierenden Pharmakonzerne haben ihr Geschäftsmodell neu definiert und so den Wachstumsmotor wieder angeworfen. Das bringt auch Anleger in Fahrt.

Von Hanno Kühn Veröffentlicht:

Was machen Ferrari, McLaren und Mercedes, wenn klar wird, dass ihr Top-Rennfahrer so langsam in die Jahre kommt? Sie sehen sich rechtzeitig nach einem Nachfolger um.

Das haben auch die Pharmakonzerne getan - schließlich war absehbar, dass die Patente ihrer Blockbuster-Medikamente - das sind die Arzneimittel mit einem Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde US-Dollar - ablaufen und sie dann Probleme haben würden, weiter zu wachsen.

Die Pharmaunternehmen mussten erkennen: Die Zeit der großen Blockbuster-Medikamente, mit denen Volkskrankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck behandelt werden können, ist vorbei. Für das Gros dieser Krankheitsbilder sind bereits Medikamente auf dem Markt.

Und bei den noch nicht behandelbaren Volkskrankheiten, wie etwa Krebs, geht der Trend hin zu einer individualisierten Medizin - trotz sehr hoher Preise mit geringerem Umsatzpotenzial pro Medikament. Nachfolger sind daher nicht in Sicht, ergo eher trübe Aussichten für das künftige Umsatz- und Gewinnwachstum. Hinzu kommt ein zunehmender Regulierungsdruck in einigen großen Märkten wie Deutschland.

Boxenstopp für diversifizierte Geschäftsmodelle

Deshalb: Boxenstopp. Neuorientierung der großen Arzneimittelproduzenten. Das Ergebnis: diversifizierte Geschäftsmodelle als neuer Antrieb.

Sanofi etwa kaufte den Generika-Hersteller Zentiva sowie Genzyme, ein Biotechnologieunternehmen mit dem Schwerpunkt Orphan Drugs, also Arzneimitteln für seltene Erkrankungen.

Novartis erwarb Alcon, einen Spezialisten für Augenheilkunde, der neben Medikamenten auch Pflegemittel und chirurgische Geräte vertreibt.

So sind stabilere und trotzdem wachstumsorientierte Pharmakonzerne entstanden, die nun unabhängiger von ihren Blockbustern agieren können.

Doch das Rennen läuft auch noch aus anderen Gründen gut für die Pharmariesen: Sie profitieren wie kaum eine andere Branche vom demografischen Wandel.

Die steigende Lebenserwartung ist die wichtigste und stabilste Unterstützung für das Wachstum der Arzneimittelhersteller - oder einfacher gesagt: Je älter die Bevölkerung, desto mehr Kunden hat die Gesundheitsbranche.

Und die Häufung von Krankheiten, die früher nur selten auftraten, lässt das Geschäft der Hersteller noch einmal rasant wachsen.

Schwellenländer haben mehr Geld für Gesundheit

Wachstumsfördernd wirkt auch die geografische Expansion in die Schwellenländer, vor allem Richtung China. Nicht nur das Potenzial von über einer Milliarde Menschen lässt dort die Absatzzahlen der Arzneimittelproduzenten steigen, sondern auch die generelle Vorliebe der chinesischen Bevölkerung für westliche Produkte.

Galt China in den vergangenen Jahrzehnten als "verlängerte Werkbank" der Industrienationen, sorgen die Lohnerhöhungen heute für steigende Kaufkraft. Und der Markt bietet weiteres Potenzial, da die traditionelle chinesische Medizin mit zwei Dritteln noch immer einen hohen Anteil an den Behandlungen hat.

In anderen asiatischen Ländern erwarten die Konzerne eine ähnliche Marktentwicklung; auch hier stehen ihre Chancen also gut.

Die Aussichten für Investoren im Segment Pharma sind also derzeit exzellent: Die Umsatzrisiken sind auch dank der Umbauten in den Konzernen gesunken, und die Zahlungsströme der weltweit tätigen Konzerne werden sich voraussichtlich weiterhin positiv entwickeln; damit dürften die Gewinne und Dividenden gesichert sein.

Anleger, die unterwegs sind, um stabile Renditen einzufahren und auf steigende Aktienkurse setzen, sollten ihre Depots also unbedingt mit hochwertigen und weltweit gut positionierten Arzneimittelherstellern optimieren.

Zur Person: Dr. Hanno Kühn ist Chief Investment Officer bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank

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