Unternehmen

Pharmaunternehmen entpuppen sich als Stabilitätsanker

Die Arzneimittelhersteller in Deutschland haben in der Wirtschaftskrise auf dem heimischen Markt leicht verloren. Trotzdem behaupteten sie sich als Jobmotor und wichtiger Partner anderer Branchen.

Veröffentlicht: 30.03.2010, 05:00 Uhr

WIESBADEN (shl). Die deutsche Pharmaindustrie hat sich angesichts der Wirtschaftskrise im vergangenen Jahr als Stabilitätsanker erwiesen. Mit einem Umsatzplus in der Eurozone von 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr ließ die Branche das Verarbeitende Gewerbe (-  19,4  Prozent) weit hinter sich. Im Inland fiel der Gesamtumsatz allerdings leicht um rund drei Prozent. Diese neuen Zahlen präsentierte Michael Hüther, Leiter des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln, anlässlich der "Wiesbadener Gespräche" des Arbeitgeberverbandes HessenChemie. Der Verband hatte das Institut mit der Studie zur Zukunft der Pharmaindustrie in Deutschland und Hessen beauftragt.

Die Branche sieht sich vor allem als Jobmotor: Insgesamt haben 2008 über 270 000 Menschen im Pharmabereich gearbeitet. Innerhalb von zehn Jahren bedeutet das einen Anstieg von über 16 Prozent. Hessen liegt mit knapp 34 000 Mitarbeitern und einem Beschäftigungsplus von 17,5 Prozent seit 1999 sogar über dem Trend. Auch mit einem Umsatzwachstum von über 60 Prozent zwischen 2002 und 2008 (Deutschland: 52,4 Prozent) ist das Bundesland überproportional vertreten. Dies unterstreiche die Bedeutung des Pharmabereiches für den Industriestandort Hessen, so der Hüther.

Darüber hinaus sind die pharmazeutischen Unternehmen ein wichtiger Auftraggeber auch für andere Branchen wie Bauindustrie und Unternehmensdienste. Auf zwei Erwerbstätige in der Pharmaindustrie kommt im Schnitt ein weiterer Arbeitnehmer in Vorleistungsbranchen. "Die beschäftigungspolitische Bedeutung ist deutlich höher, als in der amtlichen Statistik ausgewiesen", betonte der IW-Chef.

Ob sich die Gesundheitsbranche auch zukünftig erfolgreich entwickelt, hänge zum einen von der Ausgestaltung des GKV-Systems ab. Eine gelungene Reform wirke sich auch positiv für die Absatzchancen am Standort Deutschland aus. Der IW-Chef spricht sich offen dafür aus, dass Patienten ein "Mehr an Freiheit zur Kostenbeteiligung am Mehrnutzen gegenüber anerkannten Medikationen" gewährt werde.

Zum anderen müsse Deutschland beim technischen Fortschritt international anschlussfähig bleiben. Ansonsten drohe der Pharmastandort seine Weltmarktposition weiter zu verlieren. Noch 2003 auf Platz drei im Pharmabereich, wurde das Land fünf Jahre später von Frankreich überholt. Zugleich läuft der Patentschutz vieler Blockbuster bis 2013 aus. Hüther fordert, Investitionen in Forschung und Entwicklung steuerlich stärker zu fördern und Spitzenclusterwettbewerbe zu forcieren.

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