Telemedizin

Projekt soll Parkinson-Patienten helfen

Das häusliche Trainingsprogramm "Telecura Parkinson" in Brandenburg zeigt Erfolge. Jetzt soll es weiter ausgebaut werden.

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POTSDAM. Drei Patienten der Parkinson-Klinik Beelitz nutzten seit September während der Pilotphase ein telemedizinisches Angebot zum Sprach- und Bewegungstraining bei Parkinson. Dafür bekamen sie ein Tablet mit nach Hause, über das sie sich für Videokonferenzen mit Ärzten oder Therapeuten der Klinik anmelden konnten. Diese Gespräche per Livestream umfassten jeweils auch 45-minütige Trainingseinheiten. Zehnmal in fünf Wochen wurden Bewegungen und Sprache geübt und die Einheiten für das weitere selbstständige Training zu Hause aufgezeichnet.

Initiiert wurde das telemedizinische Projekt von Professor Georg Ebersbach, Chefarzt des Neurologischen Fachkrankenhauses für Bewegungsstörungen und Parkinson in Beelitz. Bei der Entwicklung halfen das Fraunhofer Institut und die AOK Nordost. "Telecura Parkinson" ist nun ein weiterer Baustein im Parkinson-Beratungsangebot der Krankenkasse.

Das Ziel des neuen Projektes: Parkinson-Patienten sollen die Trainingsfortschritte bei Sprache und Bewegung, die sie während eines Klinikaufenthaltes erzielt haben, zu Hause weiter ausbauen. Telecura soll dabei auch für die nötige Motivation sorgen. Parkinson-Patienten bräuchten oft einen "Stups von außen", sagt Georg Ebersbach. Den "Stups", das zeigen Auswertungen nach der gerade beendeten Pilotphase, kann "Telecura" geben.

Mit dem telemedizinischen Ansatz könnten Patienten im Anschluss an den Klinikaufenthalt die Unterstützung der ihnen vertrauten Therapeuten "mit nach Hause nehmen". "Dieser Weg ist optimal dazu geeignet, die Nachhaltigkeit der Therapieerfolge und damit die Lebensqualität unserer Patienten zu verbessern", so Ebersbach. Ein häusliches Trainingsprogramm könne langfristig die Motivation und Übungskompetenz der Betroffenen verbessern, sagt auch Marina Otte, Unternehmensbereichsleiterin Rehabilitation der AOK Nordost. Bei Parkinson-Patient Peter Dietrich, der seit sieben Jahren von seiner Krankheit weiß, hat das Programm geholfen. Seine Sprache sei schon sehr reduziert gewesen. Jetzt könne er fast wieder in normaler Lautstärke reden, berichtet er.

Erkenntnisse aus der Pilotphase werden jetzt ausgewertet, um die Nutzbarkeit des Programms "noch komfortabler zu gestalten", so die AOK Nordost. Die Software werde entsprechend aktualisiert. "In Kürze" sollen dann weitere Patienten der Beelitzer Parkinson-Klinik an dem Telecura-Programm teilnehmen, wie es heißt. (juk)

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