RLV: Statt Geldsegen gibt es sinkende Fallwerte

Wo ist das Honorarplus hin? Gingen die Fallwerte im ersten Quartal in den meisten KVen noch nach oben, zeigen die Pfeile in den meisten Regionen nun nach unten. Standesverteter vermuten die Neuregelung bei den Heimbesuchen als Ursache.

Rebekka HöhlVon Rebekka Höhl Veröffentlicht:
Das Geld für die höher bewerteten Besuche müssen Hausärzte aus ihrer eigenen Tasche - nämlich den Fallwerten - abzwacken.

Das Geld für die höher bewerteten Besuche müssen Hausärzte aus ihrer eigenen Tasche - nämlich den Fallwerten - abzwacken.

© Udo Kroener / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Verpufft das für dieses Jahr versprochene Honorarplus gerade wieder?

Es scheint fast so, denn nachdem im ersten Quartal noch in zwölf KVen bei den RLV-Fallwerten ein Trend nach oben zu erkennen war, müssen im dritten Quartal zehn von 15 KVen, die ihre Fallzahlen offengelegt haben, schon wieder ein Minus hinnehmen.

Und von sieben KVen mit Fallwerten über 40 Euro in 2/2011 sind nur noch vier übrig geblieben.

In diesem Quartal wird nun deutlich, was viele Hausärzte aber auch Standesvertreter befürchteten: Die seit April aufgewerteten Haus- und Heimbesuche gehen zulasten der RLV und benachteiligen nun Praxen mit wenigen Hausbesuchen.

Schleswig-Holstein: Von dem leichten Aufwärtstrend im ersten Quartal, als der Fallwert noch auf 37,68 Euro zulegte (4/2010: 36,65 Euro), ist in 3/2011 nichts mehr zu spüren. Nun sinkt der Fallwert von 37,09 Euro in 2/2011 auf 35,80 Euro. Schuld soll laut KV die Neuregelung bei den Besuchsziffern sein. Allerdings wurde die durchschnittliche Fallzahl von 773 im zweiten Quartal auf jetzt 801,5 angehoben.

Hamburg: Für Hamburgs Hausärzte - zumindest wenn sie nicht als Schwerpunktdiabetologen gelten - sieht es düster aus. Ihr Fallwert befindet sich im Dauersinkflug: Von 33,19 Euro (Fallzahl: 704) im ersten Quartal dieses Jahres, fiel er im zweiten Quartal auf 32,52 Euro (Fallzahl: 706) und liegt nun bei 31,84 Euro (Fallzahl: 707). Für Hausärzte mit Schwerpunkt Diabetologie beträgt der Fallwert im dritten Quartal 37,19 Euro bei einer durchschnittlichen Fallzahl von 918.

Niedersachsen: Ein Minus von rund acht Prozent gibt es im dritten Quartal für niedersächsische Hausärzte im Vergleich zum vorangegangenen Quartal. Ihr Fallwert verlässt wieder den 40-Euro-Bereich - im ersten Quartal erreichte er 41,83 Euro und im zweiten Quartal 40,84 Euro, nun sinkt er auf 37,72 Euro (Fallzahl: 913,54).

Bremen: Ein Miniplus verzeichnen Hausärzte in Bremen. Ihr Fallwert steigt von 35,90 Euro im zweiten Quartal auf nun 36,52 Euro. Und auch die Fallzahl wurde leicht angehoben: von 740 auf 749; in Bremerhaven liegt die durchschnittliche Fallzahl bei 1011.

Westfalen-Lippe: In Westfalen-Lippe ist weiterhin Stagnation bei den Fallwerten angesagt. Der Fallwert im dritten Quartal sinkt von 36,16 Euro in 2/2011 wieder auf das Niveau von 4/2010, nämlich auf 36,01 Euro (Fallzahl: 962).

Nordrhein: Kaum konnte Nordrhein bei den Fallwerten etwas zulegen und sich aus den Reihen der Schlusslichter in Sachen Fallwert befreien, macht sich auch schon wieder ein leichter Abwärtstrend bemerkbar. Der Fallwert der Hausärzte fällt von 38,17 Euro (Fallzahl: 798,4) im zweiten Quartal auf jetzt 37,05 Euro (Fallzahl: 807,43). Aber: In 4/2010 lag der Hausarzt-Fallwert bei nur 33,91 Euro.

Berlin: Auch in Berlin wird die magische 40-Euro-Marke im dritten Quartal - im zweiten Quartal 2011 lag der Fallwert bei 43,48 Euro - wieder verlassen. Der Fallwert rutscht um über zehn Prozent auf 39,27 Euro ab. Die Fallzahl bleibt allerdings konstant bei 900.

Brandenburg: Brandenburgs Hausärzte können sich weiter über einen Fallwert im 40-Euro-Bereich freuen. Statt glatte 40 Euro in 2/2011 (Fallzahl: 987) gibt es im dritten Quartal 40,05 Euro (Fallzahl: 994).

Sachsen: Ein kleines Minus, aber immer noch über 40 Euro, so lautet das Ergebnis für die sächsischen Hausärzte. Ihr Fallwert sinkt von 41,70 Euro im zweiten Quartal auf nun 41,15 Euro (Fallzahl: 953,69).

Sachsen-Anhalt: Wieder aufwärts geht es mit dem Fallwert in Sachsen-Anhalt. Er steigt von 34,83 Euro in 2/2011 auf 35,96 Euro im dritten Quartal. Und auch die Fallzahl wird von 1057 leicht angehoben auf 1080.

Thüringen: Für Thüringens Hausärzte bleibt es dabei, ihr Fallwert liegt deutlich über 40 Euro - und zwar ganz genau bei 45,61 Euro (Fallzahl 945) im dritten Quartal. In 2/2011 waren es 44,76 Euro (Fallzahl: 923). Und auch in 2010 wurden stets Werte über 40 Euro erzielt.

Saarland: Ein Minus von über acht Prozent gibt es auch im Saarland. Hier sinkt der Fallwert von 40,65 Euro im zweiten Quartal auf 37,48 Euro in 3/2011 (Fallwert: 876).

Rheinland-Pfalz: Der Hausarzt-Fallwert nähert sich nach mehreren Quartalen mit über 40 Euro mit nun 38,07 Euro wieder dem Niveau von 1/2010 (37,36 Euro) an. Im zweiten Quartal lag er noch bei 40,91 Euro. Dabei ist in den Werten die Auflösung von Rückstellungen enthalten.

Baden-Württemberg: Auch hier zeigt sich, die 40-Euro-Marke ist im dritten Quartal nicht zu halten. Der Fallwert beträgt nur noch 39,01 Euro (Fallzahl: 821), im zweiten Quartal waren es noch 42,88 Euro (Fallzahl: 802).

Bayern: Zwar gibt es nach wie vor mit 41,25 Euro (Fallzahl: 883) für Bayerns Hausärzte einen Fallwert über 40 Euro. Doch der leichte Abwärtstrend aus 2/2011, als der Fallwert von 44,01 Euro im ersten Quartal 2011 auf 42,80 Euro sank, setzt sich fort. Aus den KVen Hessens und Mecklenburg-Vorpommerns liegen leider keine Daten zu den Fallwerten vor.

Mehr zum Thema

Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetz

GVSG spaltet die Ärzteschaft weiter

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Richtig handeln bei Infektionen

Drei Mythen bei der Antibiotika-Therapie auf dem Prüfstand

Leitartikel zu Geheimpreisen für neue Arzneimittel

Kosten und Nutzen

Lesetipps
Professor Henrik Herrmann

© Sophie Schüler

DGIM-Kongress

Woher kommt das Geld für die ambulante Weiterbildung?

Fruktose-haltige Getränke

© Daxiao Productions / stockadobe.com

Klimawandel

Fruchtsaft schadet Nieren bei großer Hitze