Sanierungsgutachten

Radikalkur für städtische Kliniken Münchens

Finanznot in München: Die Defizite der städtischen Kliniken wachsen weiter. Jetzt schlagen Berater einen massiven Bettenabbau vor. Kündigungen drohen.

Von Jürgen Stoschek Veröffentlicht:
Das Klinikum Bogenhausen soll als Maximalversorger erhalten bleiben und künftig fünf Zentren unterhalten.

Das Klinikum Bogenhausen soll als Maximalversorger erhalten bleiben und künftig fünf Zentren unterhalten.

© Ralph Peters / imago

MÜNCHEN. Die städtischen Kliniken Münchens stecken tief in der Krise. Die Defizite steigen weiter. Im Mai will die Stadt erneut 60 Millionen zuschießen.

Dennoch wird dies nach Berechnungen der Stadtkämmerei eine drohende Insolvenz der Klinikums-GmbH nur bis Mitte 2015 verzögern.

In einem Sanierungsgutachten der Boston Consulting Group schlagen die Berater daher jetzt eine Radikalkur vor: Demnach sollen die Bettenkapazitäten bis 2020 um 20 bis 30 Prozent reduziert werden.

Das würde bedeuten, dass etwa 800 Betten stillgelegt werden. Auch betriebsbedingte Kündigungen werden nicht mehr ausgeschlossen.

Nach dem Gutachten sollen Medienberichten zufolge 30 von insgesamt 69 Krankenhausabteilungen in den fünf über das Stadtgebiet verteilten Häusern zusammengelegt werden.

In Schwabing soll es demnach nur noch eine Poliklinik mit Notfallversorgung sowie ein Mutter-Kind-Zentrum geben. Die Zahl der Betten würde sich dadurch von derzeit 880 auf 200 bis 300 verringern.

Zwei Kliniken sollen Status als Maximalversorger verlieren

Auch im Klinikum Harlaching soll es künftig nur noch eine Poliklinik mit Notfall-Versorgung sowie ein Mutter-Kind-Zentrum geben. Dort soll außerdem das einzige Neurozentrum im Klinikverbund angesiedelt werden.

Ein weiterer Schwerpunkt in Harlaching soll die Altersmedizin sein. Die Bettenkapazität soll von heute 750 auf 400 bis 500 Betten sinken. Sowohl Schwabing wie auch Harlaching sollen ihren Status als Maximalversorger verlieren.

Demgegenüber soll die Kapazität in Bogenhausen von derzeit 985 auf 1100 Betten ausgebaut werden. Voraussetzung ist allerdings, dass das Klinikum zuvor komplett saniert wird.

Auch das Klinikum in Neuperlach, wo unter anderem ein Diabeteszentrum geplant ist, soll erweitert werden.

Die dermatologische Fachklinik in der Thalkirchner Straße mit 140 Betten soll nach den Vorstellungen der Gutachter komplett aufgelöst und ins Klinikum Neuperlach verlagert werden. Die Bettenzahl steigt dort von heute 520 auf 700 bis 800.

Münchens Oberbürgermeister Christian Ude betonte, es handele sich lediglich um Vorschläge von Beratern, Entscheidungen seien noch keine gefallen.

Ende des Monats soll eine ausführliche Fassung des Sanierungsgutachtens vorliegen. Im März sind in Bayern Kommunalwahlen und in München wir ein neuer Oberbürgermeister gewählt.

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