Direkt zum Inhaltsbereich

DEGAM-Kongress

Rassismus in der Praxis: Das haben Ärztinnen und Ärzte erlebt – und diese Tipps geben sie Kollegen

Diskriminierende Beleidigungen machen auch vor Praxen und Universitäten nicht halt. Welche Erfahrungen Ärzte und Lehrende diesbezüglich machen, berichteten sie bei einem Workshop auf dem DEGAM-Kongress.

Kathrin HandschuhVon Kathrin Handschuh Veröffentlicht:
Rassismus in der Praxis: Das haben Ärztinnen und Ärzte erlebt – und diese Tipps geben sie Kollegen

© Daniel Coulmann / stock.adobe.com

Göttingen. Wie sollte man reagieren, wenn das Praxispersonal rassistisch beleidigt wird? Welche Anworten gibt man Studierenden, die in Vorlesungen diskriminierende Bemerkungen machen? Mit diesen Fragestellungen befasste sich ein Workshop beim DEGAM-Kongress.

Vorab stellten die Workshop-Leiter klar: Generell ist es nicht so einfach, bestimmte Wählergruppen von einer Behandlung auszuschließen. Das geht beispielsweise nur, wenn diese sich im Wartezimmer oder gegenüber dem Praxispersonal rassistisch beleidigend äußern.

Wer also etwa grundsätzlich Patienten mit bestimmten Einstellungen, etwa AfD-Wähler, ausschließen wolle, könne dies nicht ohne Weiteres tun.

Patient mit Hakenkreuz-Tattoo

Ein Großteil der Teilnehmer hat diskriminierende Situationen im Praxisalltag erlebt: So berichtete ein Hausarzt, dass einmal ein Patient mit einem Hakenkreuz-Tattoo auf dem Oberschenkel in der Praxis erschienen war. „Wir wussten nicht, was wir tun sollten“, erzählte er.

Darf man Anzeige erstatten, da es sich um ein verfassungsfeindliches Symbol handelt oder fällt das unter die ärztliche Schweigepflicht? Kahina Toutaoui vom Hausärztinnen- und Hausärzteverband verwies an dieser Stelle auf einen Leitfaden der Charité, der sich mit Rassismus im Gesundheitswesen und den rechtlichen Rahmenbedingungen befasst.

Noch keine Erfahrungen mit Rassismus hat ein Hausarzt aus Wuppertal, in dessen Praxis eine MFA mit Migrationshintergund angestellt ist. „Ich frage mich schon, wie ich reagieren würde, wenn mir so etwas bekannt wird“, sagte er. Nicht immer bekomme man mit, was die Patientinnen und Patienten zum Personal sagten. „Wichtig ist aber, dass bei uns eine Atmosphäre herrscht, in der sich die Mitarbeiterinnen uns Ärzten anvertrauen können“, sagte er.

Lesen sie auch

Arzte sollten Haltung zeigen

Damit sich alle Patienten in einer Praxis wohl fühlen, müsse man als Ärztin oder Arzt Haltung zeigen, darin waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einig. Personal mit Migrationhintergund anzustellen, reiche dafür nicht aus, betonte Kahina Toutaoui. Eine Hausärztin aus Neuruppin beispielsweise hat in ihrer Praxis ein Plakat aufgehängt mit der Aufschrift „Wir sind bunt“.

Eine andere empfahl, kleine „Eyecatcher“ auszulegen, zum Beispiel Stifte in Regenbogenfarben. Ein Indiz für die Offenheit einer Praxis kann ein Blick ins Wartezimmer sein: „Sitzen dort Menschen mit unterschiedlicher Hautfarbe, erkennt man die Einstellung der Ärzte“, hieß es.

Lesen sie auch

Diskriminierung auch in der Lehre

Auch in der Lehre kommt das Thema Diskriminierung immer wieder vor. Eine Dozentin, die an einer Pflegeschule arbeitet, berichtete von rassistischen Bemerkungen, die während eines Unterrichts gefallen waren. Sie habe gespürt, dass die Schülerinnen und Schüler von ihr eine Lösung erwarteten. Gemeinsam habe man den Vorfall diskutiert, die „Übeltäterin“ habe sie leider aus Zeitgründen nicht zur Rede stellen können.

Die Workshop-Teilnehmer kamen zu dem Schluss, dass man zu Beginn eines Unterrichts einen Verhaltenskodex aufstellen könnte, auf den sich im Zweifelsfall beziehen lasse. Und wenn diskriminierende Bemerkungen bei Vorlesungen gemacht werden, sollte man das schriftlich festhalten und der Universitätsleitung zur Kenntnis bringen.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Diskriminierung

Rassismus in der Hausarztpraxis: Warum Hinschauen die Versorgung verbessert

Das könnte Sie auch interessieren
An der Frankfurt School of Finance & Management im Norden der Mainmetropole wird auch in diesem Jahr der Tag der Privatmedizin 2026 ausgerichtet. Die Veranstaltung ist für den 21. November angesetzt. (Archivbild)

© Frankfurt School of Finance & Management

Update

Praxiswissen und Innovation

Privatmedizin: Anregungen für die Praxis in Frankfurt am 21. November

Logo Cardisio

© Cardisio

Cardisio

Cardisiographie mit LVEF-Erkennung

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

Übersicht

Eine Agenda für Seltene Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband forschender Pharma-Unternehmen (vfa)
Shared Decision Making ist gerade bei der Diagnostik und Therapie seltener Erkrankungen ein wichtiges Versorgungsprinzip. (Symbolbild mit Fotomodellen)

© Pixel-Shot / stock.adobe.com

Seltene Erkrankungen

Was auch Patienten tun können

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband forschender Pharma-Unternehmen (vfa)
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Risikopatienten identifizieren

Osteoporose: So verhindern Sie die (nächste) Fraktur

Lesetipps
Group of people over vintage colors background smiling with hands on chest with closed eyes and grateful gesture on face. Health concept.

© Krakenimages.com / stock.adobe.com

Diskriminierung

Rassismus in der Hausarztpraxis: Warum Hinschauen die Versorgung verbessert

Schematische Darstellung der Lunge mit Bakterienbesiedlung.

© Working Moments / stock.adobe.com

Mikrobiomforschung

Atemwegs-Dysbiose befeuert Lungenerkrankungen