Nachhaltigkeitsfonds

Rendite mit gutem Gewissen

Gewinn und ein gutes Tun stehen nicht im Widerspruch: Global investierende Nachhaltigkeitsfonds schlagen im Fünf-Jahresvergleich klassische Aktienfonds, so eine Analyse.

Von Richard Haimann Veröffentlicht: 16.10.2018, 05:31 Uhr
Rendite mit gutem Gewissen

Aktienpakete, die ökologisch integre Geschäftsmodelle versammeln, haben Konjunktur.

© itestro / Fotolia

NEU-ISENBURG. Immer mehr Anleger wollen mit ihrem Geld nicht nur Rendite erzielen, sondern auch Gutes tun. Das zeigt eine neue Studie der Berliner Ratingagentur Scope. Danach haben deutsche Profi- und Privatinvestoren inzwischen knapp 158 Milliarden Euro in Fonds angelegt, die nur in Aktien und Anleihen nachhaltig agierender Unternehmen investieren.

Auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Fonds investieren in Wertpapiere von Unternehmen, die bei Produktion und Warentransport überdurchschnittlich auf den Umweltschutz achten, weltweit faire Löhne zahlen und keine Waffen herstellen. Dabei stehen diese Fonds zuweilen im Verdacht, ihren Anlegern zwar ein gutes Gewissen, aber auch eine schlechte Performance zu bieten. Das Gegenteil ist jedoch der Fall, wie die Scope-Analyse zeigt.

Die Ratingagentur hat über fünf Jahre hinweg die Performance nachhaltig investierender Fonds mit denen von Anlagevehikeln verglichen, die ihre Wertpapierauswahl ohne Berücksichtigung ethischer Kriterien tätigen. "Die nachhaltigen Fonds konnten dabei im betrachteten Zeitraum zum Teil leichte Performance-Vorteile aufweisen", sagt Analystin Sina Hartelt.

Bessere Performance mit Ethik

So erzielten global anlegende Fonds, die nach ethischen Kriterien investieren, in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt eine Rendite von 10,7 Prozent pro Jahr. Hingegen fuhren global investierende Aktienfonds ohne Nachhaltigkeitsbezug für ihre Anleger nur einen durchschnittlichen Jahresertrag von zehn Prozent ein.

Immer mehr Anleger praktizieren Impact Investing. Sie wollen Renditen erzielen und gleichzeitig dazu beitragen, ökologische und soziale Probleme zu lösen.

Dinah Köhler

Direktorin Global Sustainable Equities Team der UBS

Die etwas bessere Performance der Nachhaltigkeitsfonds könnte daran liegen, dass inzwischen sehr viele Sparer in diese Vehikel investieren. "Immer mehr Anleger praktizieren Impact Investing", versichert Dinah Köhler, Direktorin des auf nachhaltiges Investment spezialisierten Global Sustainable Equities Team der Schweizer Großbank UBS. "Sie wollen Renditen erzielen und gleichzeitig dazu beitragen, ökologische und soziale Probleme zu lösen."

Das habe die Börsennotierungen nachhaltig orientierter Unternehmen in den vergangenen Jahren überproportional steigen lassen, bestätigt Machiel Zwangenburg, Portfoliomanager bei der niederländischen Anlagegesellschaft Robeco. "Da immer mehr Anleger hohe Nachhaltigkeitsstandards erwarten, sehen sich Investmentmanager gefordert, Aspekte wie Umweltschutz und soziales Engagement ohne Abstriche beim Ertrag zu berücksichtigen."

Wie sehr Aktienkurse von einem ethisch orientierten Management profitieren können, zeigt das Beispiel Unilever. Der britisch-niederländische Konsumgüterhersteller wird von seinem Vorstandschef Paul Polman seit Jahren auf Nachhaltigkeit getrimmt. Der Konzern hat sich öffentlich verpflichtet, seine Mitarbeiter weltweit fair zu bezahlen, den Salz- und Zuckergehalt in seinen Nahrungsmitteln zu senken, Transfettsäuren zu eleminieren und will bis 2030 die Umweltbelastung durch seine Aktivitäten halbieren.

In den vergangenen drei Jahren ist der Kurs der Unilever-Aktie um 30 Prozent gestiegen. Die Börsennotierung des Mitbewerbers Nestlé hingegen hat in dieser Zeit nur 13 Prozent gewonnen. Menschenrechtsaktivisten kritisieren öffentlich den Konzern, weil dieser in Afrika Wasserrechte erworben hat und damit der Bevölkerung freien Zugang zum Grundwasser vorenthält. Umweltschützer beklagen, dass Nestlé Palmöl verwendet, für dessen Anbau Regenwälder gerodet werden.

Keine verbindliche Definition

Allerdings ist bislang nicht verbindlich definiert, in Wertpapiere welcher Unternehmen nachhaltige Fonds investieren dürfen. Einige Vehikel haben beispielsweise in ihrem Portfolio auch Aktien von Betreibern von Kernkraftwerken, weil diese kein Kohlendioxid emittieren. Andere Fonds schließen Nutzer von Atomenergie komplett aus.

Welcher Fonds persönliche ethische Kriterien erfüllt, müssen Anleger selbst herausfinden, in dem sie die im Internet veröffentlichten Investmentkriterien der einzelnen Vehikel vergleichen. "Die EU hat im Mai aber ein Gesetzespaket zur Förderung eines nachhaltigen Finanzsystems auf den Weg gebracht", berichtet Analystin Hartelt. Damit sei der Grundstein gelegt, für eine "einheitliche Klassifizierung nachhaltiger Unternehmensaktivitäten".

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