Notfallmedizin

Rettungsdrohne hilft bei der Suche nach Verunglückten

Häufig schaffen sie es auf dem Luftweg schneller als der Notarzt zum Patienten oder finden diesen gar per Wärmebildkamera: Drohnen werden immer besser im Rettungseinsatz und könnten in Zukunft stärker ins Geschehen eingreifen.

Von Christian BenekerChristian Beneker Veröffentlicht:
Nico Rütershoff, Pilot bei Microdrones, mit dem Multikopter der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft

Nico Rütershoff, Pilot bei Microdrones, mit dem Multikopter der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft

© cben

HORNEBURG. Wenn es nach Achim Wiese von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) geht, dann werden Multikopter-Drohnen bald Ertrinkende aus der Elbe ziehen. Aber so weit ist es noch nicht. Das "Drohne" genannte Fluggerät der DLRG in Horneburg im Alten Land bei Hamburg hat vier horizontale Propeller und kann bisher gerade mal eine anderthalb Kilo schwere Wärmebild-Kamera transportieren.

Aber auch das ist für die Rettung von großem Nutzen, wie ein Feldversuch der DLRG, der Deutschen Telekom und der Deutschen Flugsicherung GmbH (DFS) jetzt belegt hat: Die Drohne kann tatsächlich Menschen retten. Per Wärmebild hat sie bei einer Übung ein vermisstes Kind im Uferschilf der Elbe lokalisiert und die Retter zu dem Jungen geführt.

Seit Kurzem sind Drohnenpiloten verpflichtet, ihr Fluggerät stets selber im Auge zu behalten, damit ihr Multikopter nicht verloren geht. So will es die neue Drohnenverordnung, die seit dem 7. April 2007 gilt. Das Forschungsprojekt der drei Partner erprobte nun, diese "Unmanned Aerial Vehicle (UAV) auch dort im bodennahen Luftraum einzusetzen, wo der Pilot sie nicht mehr sehen kann.

Das fliegende Smartphone

Dies gelang, indem die Techniker der DLRG-Drohne ein GPS-Ortungs-Gerät einbauten, das stets den Standort bestimmt, und eine Mobilfunkeinheit, die die Kommunikation per Mobilfunk-Netz zwischen Pilot und Drohne sicherstellt, erklärte Ralf Heidger von der DFS Anfang der Woche in Horneburg: "Salopp gesagt ist das System ein fliegendes Smartphone." Standort und Flugbahn des UAV können dann in Echtzeit auf einer elektronischen Landkarte abgebildet werden und die Einsatzkräfte wissen dann, wo sie suchen müssen. "Wir brauchen ein Gerät, das den Einsatzkräften weit vorausfliegt und zum Beispiel Vermisste mit der Kamera ortet. Dann können wir mit dem Boot oder dem Einsatzwagen hinterher", sagt Achim Wiese von der DLRG. Der Nutzen liegt auf der Hand: Der Drohneneinsatz ist dramatisch schneller als ein Hubschraubereinsatz. "Auspacken, Akku rein und los" – so schildert Jonas Reitz vom Hersteller der Drohnen "Microdrones" den Einsatzbeginn einer Rettungsdrohne. "Das ist in zwei Minuten gemacht." Selbst bei Starkwind, Regen und Schnee funktioniere das.

Auch die Deutsche Post DHL testete bereits einen Multikopter-Shuttle-Service, der Medikamente eigenständig anhand von GPS-Punkten vom Festland zur Apotheke der Nordseeinsel Juist flog – an Wochenenden und buchstäblich bei Nacht und Nebel. Die Agaplesion-Krankenhäuser in Frankfurt schicken zum Beispiel Blutproben ihrer Patienten von Krankenhaus zu Krankenhaus per Drohne auf die Reise.

Mit anderen Worten: Die Horneburger Drohne ist nicht die Einzige ihrer Art am Himmel. Die Telekom schätzt, dass bisher etwa 500.000 der Multikopter in Deutschland verkauft wurden. "Die Drohnen werden die Zahl der bemannten Flieger bald übertreffen", meint Heidger. Deshalb werden nicht nur Standort und Kommunikation über die Bordtechnik überwacht, sondern es soll in Zukunft die gesamte Luftlage auf dem Bildschirm der Bodencrew erscheinen – durch das sogenannte UAS-Air-Traffic-Management-System. Es analysiert die Positionsdaten aller gemeldeten Drohnen und stellt sie dar.

Drohne ortet Ertrunkenen

In Zukunft soll das System den Drohnen eigenständig zeigen, wo sie wann wohin fliegen dürfen. Und wie sie den großen Fliegern ausweichen können. Allerdings geht das nur mit "kooperativen" Drohnen, also solchen, die im System gemeldet und damit erkennbar sind, wie Heidger erklärt. Die nicht-kooperativen, also die vielen Multikopter der Privatleute, schwirren weiterhin unkontrolliert durch den Luftraum.

Als "fliegendes Auge" mit einer hoch auflösenden Kamera an Bord hat die DLRG bereits eine Drohne im Alltagseinsatz. Sie habe sich bewährt, berichtet Achim Wiese, aber auf traurige Weise. Die Drohne hatte einen Ertrunkenen geortet, den die Männer von der DLRG dann geborgen haben.

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