Unternehmen

Sportaktien setzen zum Hochsprung an

Sportliche Großereignisse beflügeln regelmäßig die Aktien von Sportausrüstern. Dieses Jahr ziehen Olympische Spiele und Fußball- Europameisterschaften die Blicke der Weltöffentlichkeit an. Von Adidas & Co erwarten Anlageexperten daher noch mehr.

Von Richard Haimann Veröffentlicht:
Wenn das Publikum jubelt, klingelt oft auch bei Sportausrüstern die Kasse.

Wenn das Publikum jubelt, klingelt oft auch bei Sportausrüstern die Kasse.

© Sergey Nivens / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Seit Dezember geht es an den Börsen abwärts. Doch die Aktien großer Sportartikelhersteller konnten sich dem Sog größtenteils widersetzen. Während der deutsche Leitindex Dax in den vergangenen drei Monaten in der Spitze mehr als 18 Prozent verlor, legte die Aktie des Herzogenauracher Sportkonzerns Adidas gegen den Trend um mehr als sechs Prozent zu. Das Papier des deutschen Mitbewerbers Puma verbuchte mit einem Minus von knapp 13 Prozent einen um 28 Prozent geringeren Verlust als der breite Markt.

Der Grund dafür: Professionelle Anleger erwarten, dass diese Unternehmen kräftig an den großen Sportereignissen dieses Jahres verdienen werden und haben deshalb im jüngsten Abschwung größtenteils an diesen Werten festgehalten oder gar zugekauft. Frank Wieser, Geschäftsführer von PMP Vermögensmanagement in Düsseldorf, sieht deshalb kurzfristig nur noch geringes Kurssteigerungspotenzial: "Wer jetzt noch einsteigt, läuft dem Markt hinterher."

Meinungen sind geteilt

Dennoch seien Aktien von Sportartikelherstellern eine gute Depot-Beimischung. "Diese Unternehmen sind in einem weltweiten Wachstumsmarkt tätig", sagt Wieser. Immer mehr Menschen würden in ihrer Freizeit Sport treiben, um sich fit zu halten.

Hingegen sehen etliche Analysten bei den Branchenwerten noch deutliches Kurspotenzial. Adrian Rott von der Deutschen Bank hat Adidas mit "Kaufen" eingestuft. "Die jüngsten Geschäftszahlen von Adidas haben positiv überrascht." Sein Kursziel von 108 Euro liegt mehr als zehn Prozent über dem gegenwärtigen Kurs.

Robert Drbul vom japanischen Analysehaus Nomura hat das Papier des US-Sportkonzerns Nike mit "Kaufen" eingestuft und erwartet einen Kursgewinn von mehr als 35 Prozent in den kommenden zwölf Monaten.

Allerdings lässt sich nie genau vorhersagen, welcher Hersteller am Ende tatsächlich von einem Mega-Sportevent profitiert. "Als die deutsche Nationalmannschaft 2014 die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien gewann, konnte ihr Ausrüster Adidas drei Millionen Deutschland-Trikots verkaufen und damit doppelt so viel wie bei der Heim-WM 2006", sagt Michael Heimrich, Portfoliomanager bei der Starnberger Top Vermögen AG.

Deutlich geringere Absatzzahlen verbuchten vor zwei Jahren dagegen die Ausstatter jener Mannschaften, die keinen Erfolg im Turnier hatten.

Nachfragemacht Breitensport

Heimrich rät langfristig orientierten Anlegern deshalb, auf Aktien von Herstellern zu setzen, die vom allgemeinen Fitness-Trend profitieren. Ein Beispiel dafür sei der japanische Fahrrad-Komponentenspezialist Shimano, dem die wachsende Radsportbegeisterung stetig wachsende Umsätze beschert. "Allein in Deutschland geben Freizeitradsportler jedes Jahr 7,6 Milliarden Euro aus", sagt Heimrich.

Die Shimano-Aktie hat seit Anfang Dezember nur knapp vier Prozent verloren, während der japanische Topindex Nikkei mehr als 17 Prozent eingebüßt hat. Interessant sei auch die Aktie der finnischen Sportsholding Amer Sports, die Marken wie den Bergsportausrüster Arc'teryx oder den Langlauf- und Trailrunningspezialist Salomon vereint, sagt Heimrich.

"Zudem profitieren auch Pharmaunternehmen wie Teva Pharmaceutical mit ihrer deutschen Tochter Ratiopharm als Hersteller von Mineralien und Vitaminen vom Fitnesstrend."

Zwar gibt es keine Fonds, die ausschließlich auf Sportaktien setzen. Dennoch müssen Anleger nicht zwangsläufig in Einzeltitel investieren. "Im Top Sport Index sind Aktien von internationalen Sportartikelherstellern und Branchen-TV-Sendern zusammengefasst", sagt Andreas Görler, Vermögensmanager bei Wellinvest - Pruschke & Kalm in Berlin. Die Commerzbank hat auf den Index ein endlos Zertifikat (WKN: CZ35ND) begeben.

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