Arbeitsmedizin

Stress im Job hat nicht nur negativen Effekt

Arbeitnehmer wie auch Arbeitgeber versuchen aktiv, Maßnahmen zur Stressvermeidung in den Arbeitsalltag zu integrieren. Das bestätigt eine Studie.

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AUGSBURG. Mehr als 80 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland fühlen sich an ihrer aktuellen Arbeitsstätte wohl. Gleichzeitig sehen sich mehr als zwei Drittel einer hohen oder sehr hohen psychischen, immerhin knapp die Hälfte einer hohen oder sehr hohen physischen Belastung im Job ausgesetzt.

Das geht aus der Arbeitsmarktstudie 2016 des Personalberatungsunternehmens Orizon hervor. An der bevölkerungsrepräsentativen Online-Befragung nahmen nach Unternehmensangaben 2067 Arbeitnehmer und Arbeitsuchende in Deutschland teil.

Zu viele Aufgaben und zu wenig Personal führt mit einer Zustimmung von 72,7 Prozent bei den Arbeitnehmern die psychischen und körperlichen Stressfaktoren bei der Arbeit an. An zweiter Stelle rangiert mit 50,3 Prozent mit deutlichem Abstand der Ärger mit Vorgesetzten, mit 49 Prozent dicht gefolgt vom Ärger mit Kollegen. Lärm macht 40,7 Prozent der Beschäftigten zu schaffen. Die geforderte Erreichbarkeit auch außerhalb der Kernarbeitszeiten belasten 30,2 Prozent.

Aus betriebsmedizinischer Sicht bestätigt die Befragung offene Baustellen bei der Mitarbeitergesundheit in Deutschlands Unternehmen. Denn: Wie jüngst das Dekra Arbeitssicherheitsbarometer 2015/ 2016 ergeben hat, hat die Mehrheit der Unternehmen in Deutschland die psychische Gesundheit ihrer Mitarbeiter noch nicht ausreichend im Blick. Nur ein Viertel legt bei der gesetzlich vorgeschrieben, regelmäßigen Gefährdungsbeurteilung besonderes Augenmerk auf psychische Belastungen.

Firmen setzen auf flexible Zeiten

Hier sendet die Umfrage jedoch ein positives Signal an die Betriebsmediziner: Arbeitnehmer wie auch Arbeitgeber versuchen demnach aktiv, Maßnahmen zur Stressvermeidung in den Arbeitsalltag zu integrieren. Laut Studie dienen den Arbeitnehmern vor allem bewusste Entspannungs- und Erholungsphasen in ihrer Freizeit als Stresskiller Nummer eins. Über die Hälfte der Befragten gibt an, auf diese Weise die Belastung am Arbeitsplatz auszugleichen.

Gesunde Ernährung sowie ausreichend Bewegung und Sport sind für mehr als zwei Drittel ebenfalls von großer Bedeutung. Rund 40 Prozent suchen aber auch die direkte Kommunikation mit ihren Vorgesetzten, um entsprechende Probleme offen zu thematisieren.

Nach Einschätzung der Befragten seien flexible Arbeitszeitmodelle das oberste Mittel der Wahl ihres Arbeitgebers, um Stress am Arbeitsplatz zu verhindern. Auf dem zweiten und dritten Platz rangieren die Maßnahmen "ergonomische Arbeitsplätze und -geräte" sowie "Kontrollmechanismen zur Einhaltung von Arbeitszeiten und Pausen".

Doch knapp die Hälfte der Arbeitgeber ergreift aus Sicht der befragten Arbeitnehmer gar keine Maßnahmen, um Stress zu begrenzen. (maw)

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