Direkt zum Inhaltsbereich

Künstliche Befruchtung

Trophektodermdiagnostik ist eine PID

Eine Trophektodermdiagnostik bedarf immer der Zustimmung einer Ethikkommission, so jetzt das Bundesverwaltungsgericht.

Veröffentlicht:

Leipzig. Bei einer künstlichen Befruchtung ist auch für die Trophektodermdiagnostik zur Auswahl einnistungsfähiger Embryonen eine Zustimmung der jeweiligen Ethikkommission erforderlich. Es handelt sich um eine Form der Präimplantationsdiagnostik, wie jetzt das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entschied. Denn die für das Chromosomen-Screening verwendeten Zellen seien dem noch nicht eingesetzten Embryo entnommen worden.

Im Streitfall hatte die Stadt München einem medizinischen Labor Trophektodermdiagnostiken untersagt, wenn nicht in jedem einzelnen Fall eine Zustimmung der Bayerischen Ethikkommission vorliegt. Solche Untersuchungen erfolgen meist dann, wenn sich bei ersten Befruchtungsversuchen der Embryo nicht in der Gebärmutter eingenistet hat.

Hier meinte der Laborbetreiber, eine Zustimmung der Ethikkommission sei nicht erforderlich. Die Untersuchung erfolge nur, um der Mutter Embryonen einsetzen zu können, die die Voraussetzungen für eine Einnistung in der Gebärmutter mitbringen. Andere Eigenschaften, etwa Behinderungen oder Geschlecht, würden nicht untersucht.

Zweck der Untersuchung spielt keine Rolle

Doch die Klage scheiterte durch alle Instanzen. Denn auch die Trophektodermdiagnostik sei eine Form der Präimplantationsdiagnostik, befand in oberster Instanz nun auch das Bundesverwaltungsgericht. Und für diese sei die Zustimmung der Ethikkommission immer erforderlich. Präimplantationsdiagnostik sei laut Embryonenschutzgesetz eine „genetische Untersuchung von Zellen eines Embryos in vitro vor seinem Transfer in die Gebärmutter“.

Genau dies sei hier der Fall. Denn untersucht würden Trophektodermzellen, die zuvor dem Embryo entnommen werden. „Murale Trophektodermzellen sind unabhängig vom Grad ihrer Ausdifferenzierung Zellen eines Embryos“, stellten die Leipziger Richter klar. Unerheblich sei insoweit, ob die jeweilige Blastozyste die Fähigkeit zur Nidation hat und auch, ob es sich um noch pluripotente Zellen handelt.

Auch handele es sich bei der Trophektodermdiagnostik um eine „genetische Untersuchung“. Hier wende das Labor zytogenetische Verfahren an, die der Feststellung chromosomaler Fehlverteilungen dienten. Zu welchem Zweck diese Untersuchung erfolge, sei laut Gesetz „ohne Bedeutung“. (mwo)

Bundesverwaltungsgericht, Az.: 3 C 6.19

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Pityriasis versicolor

© iStock / C5C

Kleienpilzflechte im Sommer

Pityriasis versicolor sicher erkennen und gezielt behandeln

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Ofatumumab-Konzentrationen in der Muttermilchh

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

Flexiblere Familienplanung durch kürzere Kontrazeptionszeit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Abb. 1: MS-Krankheitsdynamik: Patientinnen und Patienten bewegen sich von frühen Stadien über Phasen fokaler Entzündung in fortgeschrittene, meist irreversible Stadien

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [4]

Multiple Sklerose heute

Praxisrelevante Daten im Fokus

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Abb. 1: Symptome und Merkmale des hereditären Angioödems

© CSL Behring

Hereditäres Angioödem

Erfolgreiches Krankheitsmanagement in der Schwangerschaft

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: CSL Behring GmbH, Marburg
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Cholesterin

Intensive LDL-Senkung bei hohem Lp(a): Warum das schwierig werden kann

Lesetipps
Ausgestreckte Hand gegenüber einer Impfspritze.

© anyaivanova / Getty Images / iStock

Überprüft

5 Mythen übers Impfen im Faktencheck

Eine Frau in den Wechseljahren leidet unter Hitzewallungen.

© Diane Diederich / Getty Images / iStock

Über eine Million Datensätze

Wie die Menopause Körperprozesse beeinflusst