DEGAM-Kongress

VERAH könnte Hausärzte noch stärker entlasten

Vor allem beim Case-Management chronisch kranker und multimorbider Patienten ist das Leistungspotenzial der VERAH noch nicht ausgeschöpft. Was möglich ist, wurde beim Allgemeinmedizin-Kongress in Hamburg diskutiert.

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Seit mehr als einem Jahr in Betrieb: Das VERAH-Mobil in der HzV in Baden-Württemberg.

Seit mehr als einem Jahr in Betrieb: Das VERAH-Mobil in der HzV in Baden-Württemberg.

© Thomas Wagner

HAMBURG. Die Potenziale der Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis (VERAH) sind trotz ihrer heute schon breiten und bewährten Einsatzfelder noch längst nicht ausgeschöpft.

Diesen noch "ungehobenen Schatz" gelte es nun zu weiter heben, erklärte Professor Wilhelm Niebling, Präsidiumsmitglied in der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), beim 48. Jahreskongress in Hamburg.

So habe zum Beispiel die jüngste zweite Evaluation der hausarztentrierten Versorgung (HzV) in Baden-Württemberg ergeben, dass die Verah noch überraschend selten bei Hausbesuchen eingesetzt werde.

"Ideales Bindeglied"

Nach Auswertung der Tätigkeit von 87 VERAHs in 81 Hausarztpraxen bei 3898 Patienten liegt der Anteil der Hausbesuche unter allen Verah-Tätigkeiten lediglich bei 15 Prozent, erläuterte Karola Mergenthal von Institut für Allgemeinmedizin in Frankfurt.

Dabei zahle sich deren Einsatz zu Hause besonders aus, da die Verah bei Hausbesuchen "mehr und länger dauernde Tätigkeiten bei durchschnittlich älteren und kränkeren Patienten" übernehmen.

So hatten Patienten, die zu Hause betreut werden, mehr Erkrankungen (im Schnitt 5,57) als die Patienten, die von der VERAH in der Praxis versorgt wurden (4 Krankheiten).

Sie nahmen auch deutlich mehr Medikamente (7,5) ein als der Patient in der Hausarztpraxis (4,4). 54 Prozent der besuchten Patienten seien pflegedürftig, während der Anteil Pflegebedürftiger in der Praxis lediglich bei 4,1 Prozent liegt.

Deshalb sieht Mergenthal künftig die Verah als "ideales Bindeglied zwischen Hausarzt und Pflege an", womit auch die bislang bestehende Schnittstellenprobleme überwunden werden könnten.

Auch Professor Joachim Szecsenyi, Leiter des Instituts für Allgemeinmedizin an der Universität Heidelberg, sieht die Rolle der VERAH künftig verstärkt im hausarztzentrierten Case Management für chronisch kranke Patienten (PraCMan).

"Über das Land ausgerollt"

Wie Szecsenyi der "Ärzte Zeitung" beim Hamburger DEGAM-Kongress sagte, ist PraCMan nun in Baden-Württemberg angelaufen und wird "über das ganze Land ausgerollt".

Ziel dabei sei es primär, multimorbide Patienten unter anderen durch ein Telefon-Monitoring engmaschiger zu betreuen und unnötige Krankenhauseinweisungen zu vermeiden und damit auch Kosten einzusparen.

Mit "PraCMan Cockpit" stehe der VERAH eine eigens dafür entwickelte Software zur Verfügung. Szecsenyi rechnet damit, dass 2015 gut 1000 Hausarztpraxen dieses neue Modul nutzen werden. Dafür erhalte ein Hausarzt eine zusätzliche Vergütung von 80 Euro pro Quartal.

Damit könne allein über PraCMan pro Jahr zusätzlich ein genauso hohes Honorar (320 Euro) generiert werden, wie ein Hausarzt pro Jahr im Schnitt für einen in den HzV-Vertrag eingeschriebenen Patienten erhält.

Um diese Leistungen auch qualitativ erbringen zu können, wird laut Szecsenyi, der auch Leiter des AQUA-Instituts in Göttingen ist, streng auf die Qualität geachtet.

So gebe es für PraCMan nicht nur eine Basisschulung für Hausärzte und die Verah, sondern ab 2015 auch zweimal pro Jahr Angebote für nachhaltige Qualitätskontrollen für jede VERAH. (ras)

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