Bedarfsplanung

Versorgungslücken auf der Spur

Wo genau fehlen bei uns die Ärzte? Das wollen die Berliner Bezirke Lichtenberg und Neukölln herausfinden. Sie haben deshalb eine Studie in Auftrag gegeben, die das Auffinden potenzieller Versorgungslücken ermöglichen soll.

Julia FrischVon Julia Frisch Veröffentlicht:

BERLIN. Rein rechnerisch ist Berlin mit Vertragsärzten überversorgt. Das heißt jedoch nicht, dass es nicht auch in der Hauptstadt stellenweise Ärztemangel gibt. Zu den Bezirken, in denen vergleichsweise wenige Mediziner zu finden sind, gehören Neukölln und Lichtenberg. Während in Charlottenburg 198 Menschen auf einen Arzt kommen, sind es in Lichtenberg 505 und in Neukölln 592.

Schuld daran ist nach Ansicht von Falko Liecke, Stadtrat für Gesundheit und Jugend im Bezirk Neukölln, dass Berlin seit 2004 als einheitliche Planungsregion behandelt wird mit der Folge, "dass eine gleichmäßige Verteilung der Arztsitze innerhalb Berlins nicht mehr Gegenstand der Bedarfsplanung ist".

Kleinräumiger denken

Seit dem Jahr 2013 wird zwar versucht, mit einem Konzept der Versorgungssteuerung auf der Ebene der zwölf Berliner Verwaltungsbezirke eine weitere Verdichtung in bestimmten Gebieten der Stadt zu verhindern. Doch den Bezirken Neukölln und Lichtenberg geht dies nicht weit genug.

Es reiche nicht, den Wegzug von Arztgruppen aus unterversorgten Bezirken zu verhindern. Es sei auch wichtig, die "tatsächliche Unterversorgung beschreiben und benennen zu können", sagt Liecke. Dafür müsse es eine differenzierte, kleinräumigere Versorgungssteuerung geben, die stärker als bisher "die innerbezirkliche Perspektive" einbeziehe.

Dafür soll nun die Studie, die beim IGES Institut in Auftrag gegeben wurde, die Basis schaffen. Anhand der Identifikation von Verbesserungspotenzialen sollen Versorgungslücken aufgedeckt und Handlungsempfehlungen aufgestellt werden.

Grundversorgung schnell zugänglich?

Zunächst wird das IGES die datenbasierten und analytischen Grundlagen erarbeiten, um die Versorgungssituation in Neukölln und Lichtenberg differenziert darstellen und beurteilen zu können. Die Bezirke wollen wissen, wo es in ihrem Bereich Defizite im Versorgungsangebot gibt. Im Fokus der Analyse stehen dabei ausgewählte Arztgruppen wie Hausärzte und Fachärzte der Grundversorgung. Von Interesse sind ihre Verteilung und Erreichbarkeit innerhalb der Bezirke. Ebenso wird das Institut den Versorgungsbedarf anhand demografischer, morbiditätsbezogener und sozialer Faktoren untersuchen.

Die Bewertungen sollen dann mit der Kassenärztlichen Vereinigung und den Krankenhäusern in einem Workshop diskutiert werden. Ziel ist es, Handlungsempfehlungen zu formulieren, um "dem zukünftig zu erwartenden ärztlichen Versorgungsbedarf in den Bezirken zu entsprechen", so Liecke. Die Veröffentlichung der Studienergebnisse ist im ersten Halbjahr 2017 geplant.

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