Kommentar

Verständlicher Ärzte-Frust

Hauke GerlofVon Hauke Gerlof Veröffentlicht:

Immer wieder Ärger mit der Plausibilitätsprüfung. Die Zeitvorgaben im EBM bringen gerade Ärzte mit hohen Fallzahlen - Stichwort "große Versorgerpraxis" - in die Bredouille.

Das zeigt auch der aktuelle Fall einer Ärztin aus Thüringen, die so viele Patienten behandelte, dass ihre Tagesarbeitszeit rein rechnerisch 24 Stunden überschritt.

Die Patienten aber akzeptieren offensichtlich die verkürzte Zuwendungszeit, sonst könnten sie ja zu einem anderen Arzt gehen. Und dafür sollen die betroffenen Ärzte mit fünf- oder sechsstelligen Regressen belegt werden?

Natürlich gibt es auch Ärzte, die es vielleicht nicht so genau damit nehmen, ob sie eine Leistung tatsächlich erbracht haben.

Doch gerade an den Plausizeiten zeigt sich, wie schwer sich Freiberufler eigentlich in ein Raster zwingen lassen - und es stellt sich zwangsläufig die Frage, ob die an vielen Stellen gedeckelten Vertragsärzte tatsächlich noch als Freiberufler bezeichnet werden können.

Die Logik von individueller Arbeit und Leistung ist eine andere als die der Abrechnung und die der Plausibilitätsprüfung.

So entstehen zwangsläufig Prüfergebnisse, die in vielen Fällen nicht gerecht sind. Der Frust der Ärzte über diese Drangsalierung ist nur zu verständlich.

Lesen Sie dazu auch: Ärztin arbeitet mehr, als die Polizei erlaubt

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

© KVNO

Schnell und sicher

Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

Anzeige | Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein
Kommentare
Dr. Zlatko Prister 22.03.201207:14 Uhr

Rechnerisch durchschnittlicher, ist ein schlechter Arzt

An dem Rechnerisch durchschnittlichen, also einem schlechten Arzt werden wir alle statistisch gemessen.
Das ist nichts neues.
Die guten Ärzte waren schon immer gegen die Zeitprofile.
Die Arbeit eines Arztes besteht aus medizinischer und nichtmedizinischer Arbeit. Die nichtmedizinische Arbeit macht zwischen 40 und 60 prozent der gesamten Arbeit aus und diese läßt sich automatisieren und an heutige Computeranlagen fast vollständig delegieren.
Der gute Arzt hat Erfahrung und ist gut organisiert.
Er braucht wesentlich weniger Zeit für ein hochwertiges Arbeitsergebnis als der rechnerisch durschnittliche Arzt aus der bütokratischen KV-Retorte.

Mit diesem System werden schlechte, langsame und schlecht organisierte ärzte gefördert.
Das war schon immer so.

Wir brauchen dringend eine ergebnisoffene Diskussion über die Effizienz und Qualität im ambulanten Sektor.
Die durschnittliche Effizienz einer KV-durchscnnittlichen (Haus)-arztpraxis landesweit ist eine nicht mehr hinzunehmende Katastrofe, die jeden Fortschritt behindert.
Die Hängemappe (Karteikarte, papiergebundene Patientenakte) ist eine Erfindung des ausgehenden 19. Jahrhunderts.
Sie ist leider immernoch die organisatorische Grundlage der meisten Arztpraxen in Deutschland.
Die Verpflichtung der online-Einreichung der Quartalsabrechnung ändert hier nichts.
Der nutzungsgrad von Computeranlagen in der durchschnittlichen Arztpraxis in unserem Lande ist jämmerlich niedrig geworden.

Wir brauchen einen gewaltigen Innovationsschub.
Das Geld ist da - im Überfluß.

Worauf warten wir noch?

* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Symposiums v.l.n.r.: Professor Karl Broich (BfArM), Dr. Jürgen Malzahn (AOK-Bundesverband), Dr. Christine Mundlos (ACHSE e.V.), Hauke Gerlof (Ärzte Zeitung), Dr. Johanna Callhoff (DRFZ), Professor Christoph Schöbel (Ruhrlandklinik, Universitätsmedizin Essen), Privatdozent Dr. Christoph Kowalski (Deutsche Krebsgesellschaft), Dr. Peter Kaskel (Idorsia)

© Thomas Kierok

ICD-11: Die Zeit ist reif für die Implementierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Idorsia Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Bei erfolgreich therapierter Sialorrhö ist Teilhabe wieder leichter möglich

© Olesia Bilkei / stock.adobe.com [Symbolbild]

Glycopyrroniumbromid bei schwerer Sialorrhö

Wirtschaftliche Verordnung durch bundesweite Praxisbesonderheit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Proveca GmbH, Düsseldorf
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Eine ältere Frau bekommt eine Impfung in den rechten Oberarm.

© David Pereiras / Stock.adobe.com

RCTs und Real-World-Evidenz

Wie gut die RSV-Impfung bei Erwachsenen wirkt – und ankommt