CES Las Vegas 2020

Vom Gadget zum Medizinprodukt

Fans des Analysierens kommen bei der US-Technikmesse CES voll auf ihre Kosten: Sie ist weltweit der größte Marktplatz für tragbare Sensorik.

Von Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht: 09.01.2020, 15:21 Uhr

Las Vegas. Das niederländische Unternehmen NightWatch will dafür sorgen, dass es keine nächtlichen Todesfälle mehr wegen epileptischer Anfälle gibt. An einem SUDEP („sudden unexpected death in epilepsy“) stirbt eines von 5000 Kindern und einer von 1000 Erwachsenen mit Epilepsie pro Jahr. Manche Patienten nutzen Matratzen, die anhand der Bewegungen des Schläfers Warnmeldungen erzeugen, sobald sie registrieren, dass ein Anfall droht.

NightWatch arbeitet dagegen mit einem Armband. Das misst zum einen Bewegungsmuster, zum anderen die Herzschlagvariabilität. Auf dem Nachttisch steht eine per schnurloser Kommunikation angeschlossene Box, die bei Verdacht auf Krampfanfall je nach Konfiguration bei Kindern einen Alarm auslöst und bei alleinlebenden Erwachsenen einen Angehörigen anruft. Optional gibt es auch ein Online-Portal, zum Beispiel für den Einsatz im betreuten Wohnen.

Die Niederländer haben ihr Wearable in klinischen Studien überprüft, unter anderem im Vergleich zur nächtlichen Beobachtung durch eine Epilepsie-Krankenschwester. Demnach alarmierte das System in 86 Prozent aller Krampfanfälle, die von der Krankenschwester notiert worden waren. Und statistisch gab es lediglich 0,03 Fehlalarme pro Nacht. (Arends J et al. Neurology 2018; 91:1-10) Das sei deutlich besser als bei Matratzen, betont NightWatch Geschäftsführer Jeroen van den Hout.

86% Sicherheit ermittelte der Hersteller NightWatch in einer klinischen Studie für sein Digitalarmband, das vor epileptischen Anfällen im Schlaf warnen soll.

Ebenfalls auf den klinischen Einsatz und eine Evaluierung in klinischen Studien setzt das italienische Unternehmen Sensoria Health. Mit seinen sensorgestützten Orthesen kann nach Kniegelenkersatz die Rehabilitation überwacht werden. Das Besondere an dem System, das auch bei Sprunggelenkverletzungen und bei der Ganganalyse von Parkinson-Patienten genutzt wird, ist das Monitoring in neun Achsen. In dem von der EU geförderten Kooperationsprojekt „YourKnee“ kommt das telemedizinische Rehabilitationssystem demnächst in einer weiteren Studie zum Einsatz. Bei YourKnee kooperiert Sensoria mit Rejoint, einem Hersteller personalisierter Kniegelenksprothesen. Ziel ist eine individualisiertere chirurgische und rehabilitative Versorgung. (gvg)

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