Zweifel an Mehrwertsteuer-Regeln für Privatkliniken

Die Behandlung von Kassenpatienten muss von der Mehrwertsteuer befreit sein, entschied das Finanzgericht Münster in einem Eilverfahren.

Veröffentlicht:

MÜNSTER (mwo). Krankenhausbehandlungen für Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung müssen nach Überzeugung des Finanzgerichts (FG) Münster generell von der Umsatzsteuer befreit sein. Gegenteilige Bestimmungen verstoßen gegen EU-Recht, heißt es in einem jetzt veröffentlichten Beschluss. Damit setzte das FG im Eilverfahren den Vollzug eines Steuerbescheids gegen eine westfälische Privatklinik aus.

Das zum Jahresbeginn 2009 geänderte Umsatzsteuergesetz nennt verschiedene Kliniken, die von der Umsatzsteuer befreit sind. Das sind insbesondere öffentliche Krankenhäuser, die Vertragskliniken der gesetzlichen Krankenkassen und anderer Sozialträger sowie Kliniken, die in die Bedarfsplanung des jeweiligen Bundeslandes aufgenommen sind.

Zudem gibt es eine Bestandsschutzklausel für Kliniken, die 2008 nach den bis dahin gültigen Regeln umsatzsteuerfrei waren, weil sie zu mehr als 40 Prozent Kassenpatienten behandelt haben.

40-Prozent-Marke war im konkreten Fall zufällig überschritten

Die klagende Privatklinik, eine GmbH, erfüllte diese Voraussetzungen nicht. Immerhin sind aber regelmäßig über ein Drittel aller Patienten Kassenpatienten. Nach Überzeugung des FG muss zumindest deren Behandlung von der Mehrwertsteuer befreit sein. Andernfalls sei der Grundsatz verletzt, dass sich die Mehrwertsteuer neutral gegenüber der rechtlichen Organisationsform eines Unternehmens verhalten muss.

Zudem sei die Gleichbehandlung nicht gewahrt, weil hier die Klinik im Jahr 2008 die 40-Prozent-Marke nur eher zufällig nicht überschritten habe, wohl aber in anderen Jahren. Das FG wird sich der Streitfrage nun im Hauptverfahren zuwenden. Gegen den Eilbeschluss vom 18. April 2011 ließ es gleichzeitig wegen grundsätzlicher Bedeutung die Beschwerde zum Bundesfinanzhof zu.

Az.: 15 V 111/11 U

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Dr. med. Gerhard M. Sontheimer (ANregiomed, Region Ansbach) und Holger Baumann (Kliniken der Stadt Köln, v.l.) haben in der Praxis gute Erfahrungen mit Systempartnerschaften gemacht.

© Philips

Mehr Spielraum für moderne Prozesse in der Klinik

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Philips GmbH Market DACH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Wundheilung

Ulcus cruris venosum: Was für die Kompressionstherapie wichtig ist

Lesetipps
Rita Süssmuth steht in ihrem Büro im Deutschen Bundestag.

© Bernd von Jutrczenka/dpa

Nachruf

Rita Süssmuth: Kämpferin gegen Diskriminierung

Ein kleiner Piks muss sein - doch die Schmerzbelastung lässt sich reduzieren! Wichtig ist es die Familie mit einzubeziehen.

© APHP-COCHIN-VOISIN / PHANIE / Science Photo Library

Stressfreie Blutabnahme

So lassen sich Schmerzen durch Nadelstiche bei kleinen Kindern mindern

Ein Arzt klebt einem älteren Herrn ein Pflaster auf den Arm, wo der Mann geimpft wurde.

© anon / stock.adobe.com

Datenanalyse

Demenzschutz durch Zosterimpfung: Studie liefert erneut Hinweise