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Kinderleicht in Form bleiben

Dieses Ziel wollen 24 Modellvorhaben erreichen. Fest steht schon jetzt: Um Übergewicht bei Kindern vorzubeugen, müssen Eltern, Erzieher und Ärzte an einem Strang ziehen.

Angela MisslbeckVon Angela Misslbeck Veröffentlicht:

Karottenstifte statt Schokoladenriegel - da greifen nur wenige Kinder appetitvoll zu. Die Folgen sind deutlich sichtbar. Immer mehr Kinder bringen bereits bei der Einschulungsuntersuchung zu viele Kilos auf die Waage. Rund 15 Prozent aller Kinder und Jugendlichen sind nach Angaben des Bundesernährungsministeriums übergewichtig oder fettleibig. Die Bundesregierung will schon bei den Kleinsten gegensteuern und hat dazu die Kampagne "Besser Essen. Mehr bewegen. Kinderleicht" gestartet. Bei einem Kongress zur Zwischenbilanz zeigte sich jetzt: Ärzte spielen eine zentrale Rolle bei der Prävention von Übergewicht.

"Die Ärzte sind schon direkt nach der Geburt ganz wichtig. Sie müssen eingebunden sein, weil sie großen Einfluss haben", sagt die Pädiaterin Dr. Gabriele Trost-Brinkhues, Leiterin des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes in Aachen und Obfrau des Berufsverbands der Kinderärzte. Sie ist eine der Projektverantwortlichen für das Förderprojekt AGIL in Aachen. AGIL steht für "aktiver, gesünder is(s)t leichter". Wie alle Kinderleicht-Projekte spricht AGIL speziell sozial benachteiligte Kinder und Kinder aus Migrantenfamilien an. Das Projekt setzt auf Ernährungserziehung und Bewegungsangebote in Kitas und auf Elternarbeit. Dabei kommen speziell geschulte Moderatorinnen zum Einsatz, die den Müttern und Erzieherinnen nicht nur das Wissen um gesunde Ernährung vermitteln, sondern sie auch zur Umsetzung im Alltag anregen.

Ärzte waren bei diesem Projekt von Anfang an dabei. Schon die Idee hat Trost-Brinkhues gemeinsam mit ihren niedergelassenen Fachkollegen vor Ort entwickelt. Auch bei der Konzeption der Maßnahmen haben sie mitgewirkt. "Die Kinderärzte sind die ersten Ansprechpartner für die Eltern", sagt Trost-Brinkhues. Das Konzept scheint auszugehen. Das legen die Ergebnisse einer Befragung von 64 beteiligten Eltern nahe. Je ein Drittel antwortete, das Projekt habe ihnen ziemlich viele oder sehr viele neue Kenntnisse über die Wichtigkeit gesunden Essens vermittelt. Fast drei Viertel der Eltern gaben an, dass es ihnen regelmäßig oder oft gelungen sei, dieses Wissen im Familienalltag umzusetzen.

Die wichtige Rolle der Ärzte bestätigt auch die Begleitforschung für die Kinderleicht-Regionen durch das Max-Rubner-Institut (MRI). Ein erstes Zwischenergebnis zeigt nach Angaben von Corinna Willhöft vom MRI Erfolgsfaktoren für die Arbeit mit den Eltern. Dazu zählt, dass die Eltern persönlich angesprochen werden und zwar am besten in bekannten und akzeptierten Einrichtungen wie zum Beispiel der Kinderarztpraxis.

STICHWORT

Projekt "Besser essen. Mehr bewegen. Kinderleicht"

Unter dem Titel "Kinderleicht" hat das Bundesernährungsministerium 2006 einen Projekt-Wettbewerb gegen Übergewicht bei Kindern gestartet. 24 Modellregionen werden seitdem gefördert und bis Ende 2009 wissenschaftlich erforscht. In einer Anfangs- und einer End- untersuchung werden dazu Daten von 10 600 Kindern erhoben.

Ziel aller Projekte ist es, Übergewicht bei Kindern zwischen null und sechs Jahren zu vermeiden. In den Modellregionen finden zusammen mehr als 500 Ernährungs- und Bewegungs-Projekte statt, die insgesamt 180 000 Kinder erreichen. Die Bundesregierung hat "Kinderleicht" nachträglich in ihre im vergangenen Jahr gestartete Kampagne "In Form" integriert.

www.in-form.de, www.besseressenmehrbewegen.de

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