Ernährung, 16.04.2009

Risikogene für Diabetes Typ 2

Läuft der Fettstoffwechsel nicht optimal, steigt das Risiko für Altersdiabetes. Kieler Wissenschaftler untersuchten, welche Rolle die Gene dabei spielen.

Von Kerstin Nees

Wie Gene im Zusammenspiel mit Ernährungs- und Lebensstilfaktoren die Entstehung von Übergewicht mit bedingen, wird weltweit intensiv erforscht. 200 Risikogene für Adipositas und Folgekrankheiten wie Hypertonie, Hyperlipidämie und Diabetes mellitus Typ 2 wurden bereits identifiziert.

Welche Folgen im Fettstoffwechsel durch Genveränderungen auftreten und was sie bewirken, untersuchten Ernährungsphysiologen, Mediziner, Epidemiologen und Humangenetiker der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und des Max Rubner-Instituts (Standort Kiel) in einem siebenjährigen Verbundprojekt, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wurde. Bei einem Symposium in Kiel zum Abschluss des Projekts stellten sie ihre Ergebnisse vor.

Im Zentrum der Forschung stand unter anderem ein Gen, das je nach Fettangebot in der Nahrung mehr oder weniger aktiv ist. Es produziert Acyl-CoA-bindendes Protein (ACBP), das in nahezu allen menschlichen Zellen vorkommt und vielfältige Funktionen hat.

"Das ACBP-Gen gehört zu den zentralen und auch streng regulierten Zellkomponenten, die notwendig sind, damit die unterschiedlichen Nahrungsfette für körpereigene Stoffwechselleistungen genutzt werden können und nicht zur Zellschädigung führen", berichtet Professor Frank Döring, der die Arbeitsgruppe Molekulare Prävention leitet. Die Aktivität des Gens richte sich nach dem Bedarf, der durch Anteil und Art des Fettes in der Nahrung festgelegt werde, wie Studien im Rahmen des BMBF-Projektes ergeben hätten.

"Dieses Regulationsprinzip erklärt, warum wir im Normalfall mit einer variablen Menge an Fett umgehen können, ohne dass dadurch der Stoffwechsel beeinträchtigt wird", so Döring. Bei Menschen mit Altersdiabetes ist die Regulation dieser Genaktivität offensichtlich gestört, wie die Kieler Wissenschaftler festgestellt haben.

Aber warum sollte gerade eine Störung im Fettstoffwechsel mit der Zuckerkrankheit zusammenhängen? Döring: "Diabetes mellitus Typ 2 ist dadurch gekennzeichnet, dass Muskel- und auch Fettzellen gegenüber Insulin resistent sind. Wir wissen heute, dass die Insulinresistenz durch Fettsäuren mit verursacht wird." Und hier kommt ACBP ins Spiel, da es stoffwechselaktive Fettsäuren besonders wirksam bindet. Wenn die Regulation des Moleküls normal funktioniert, bleibt die Fettsäurekonzentration in der Zelle niedrig. Falls nicht, so die Annahme, verbleiben viele Fettsäuren in der Zelle, die den Insulinrezeptor angreifen und schädigen können.

Insulinresistenz wird durch Fettsäuren mit verursacht

Auch bei einem weiteren Gen, das für den Fettstoffwechsel wichtig ist, fanden sie Veränderungen, die bei Typ 2 Diabetikern häufiger auftreten: Das FABP2-Gen. Das Fettsäurebindungsprotein 2 (FABP2) sorgt dafür, dass Fettsäuren aus der Nahrung zunächst im Dünndarm zurückgehalten werden. Dadurch kommt es zu einem langsamen und dosiertem Einstrom der den Stoffwechsel belastenden Fettsäuren in das Blut. Diese Schutzfunktion scheint bei Patienten mit Diabetes nicht richtig zu funktionieren.

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