Forschung und Praxis, 28.10.2004

Konsequente Alkoholkarenz ist entscheidend in der Therapie bei Pankreatitis

Entscheidend in der Therapie von Patienten mit Pankreatitis ist eine konsequente Alkoholkarenz. Sie reduziert zum Beispiel Frequenz und Heftigkeit von Schmerzschüben, und die Erkrankung schreitet langsamer voran, sagte Professor Peter Layer vom Israelitischen Krankenhaus in Hamburg.

Ist die Erkrankung bereits fortgeschritten, sei vor allem der Ausgleich von Störungen der Fettverdauung durch Ersatz der Verdauungsenzyme wichtig, so Layer bei einem Symposium von Solvay in Leipzig. Das Schlüsselenzym dabei ist die Lipase.

Zur Substitution der Lipase-Aktivität haben sich vor allem Mikro-Präparationen (etwa Kreon®) zu den Mahlzeiten bewährt. Dabei sei vor allem auf eine ausreichende Dosierung (25 000 bis 50 000 Einheiten pro Mahlzeit) zu achten, erinnerte Layer.

Ergebnisse einer Fall-Kontroll-Studie, die Layer vorstellte, machen deutlich, wie wichtig der Alkoholkonsum für die Entwicklung der Erkrankung ist. So haben Menschen, die bis zu 50 Gramm Alkohol pro Tag - das entspricht etwa einem Liter Bier oder einer halben Flasche Wein - zu sich nehmen, noch ein geringes Risiko, eine chronische Pankreatitis zu bekommen. Dieses Risiko ist allerdings bereits sechsfach erhöht bei Personen, die täglich 50 bis 100 Gramm konsumieren, - und es ist zwölfmal höher, wenn die Alkohol-Menge bei über 100 Gramm liegt.

Dabei scheint die kumulative Alkohol-Menge entscheidend für das Risiko einer chronischen Pankreatitis zu sein: Man könne im Laufe seines Lebens ohne erhöhtes Risiko bis zu 700 Liter reinen Alkohols - dies entspricht zwei Badewannen voll - trinken. Ab 700 Litern steige das Risiko allerdings drastisch, so Layer. Auch Rauchen könne die Entstehung begünstigen.

Wichtig für die Entwicklung der Krankheit sei aber vermutlich auch eine genetische Disposition, so Layer. 20 Prozent aller Patienten mit - dann idiopathischer - chronischer Pankreatitis hätten vor der Erkrankung keinen Alkohol getrunken.

Die Krankheit verläuft meist in mehreren Stadien: Zu Beginn sind Schmerzen und Pankreatitis-Schübe typisch, später kommt es zur exokrinen und endokrinen Insuffizienz. Nach 20 Jahren hat etwa jeder Zweite einen Insulinmangel-Diabetes.(otc)

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