Ärzte Zeitung, 11.11.2005

KOMMENTAR

Zeit zum Handeln

Von Peter Leiner

Schon seit langem ist die gefährliche Resistenzlage bei Bakterien in Deutschland bekannt. Als Ursache diskutiert wird der unreflektierte Gebrauch von Antibiotika.

So ist der Anteil der MRSA-Keime (Methicillin-resistente Staphylococcus aureus) in Deutschland zwischen 1995 und 2003 von etwa 8 Prozent auf 20 bis 30 Prozent aller Staphylokokken gestiegen. In anderen Ländern, zum Beispiel in Dänemark, blieb dagegen der Anteil dieser resistenten Bakterien bei unter zwei Prozent.

Die Entwicklung in Deutschland könnte sich noch einmal durch den vor wenigen Jahren aufgetauchten MRSA-Keim verschärfen, der besonders gefährlich ist: Er produziert ein Gift und gefährdet auch Menschen ohne besonderes Risiko, nicht nur Menschen, die stationär behandelt werden. Und wieder könnte einer der Hauptgründe für die Selektion dieses Keims die übermäßige Anwendung eines Antibiotikums sein.

Das neue Bakterium trägt nämlich als Markenzeichen eine Fusidinsäure-Resistenz. Spätestens jetzt ist es an der Zeit, die Indikation für eine Antibiotika-Therapie noch strenger zu stellen und dafür zu sorgen, daß die Mittel regelrecht eingenommen werden. Denn auch eine unsachgemäße Anwendung züchtet bekanntermaßen resistente Keime.

Lesen Sie dazu auch:
Neuer resistenter Keim aufgetaucht

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Herpes-Viren unter Alzheimerverdacht

Die Virus-Hypothese erhält neue Nahrung: Herpesviren könnten mit einer Alzheimererkrankung zusammenhängen. Eine Reaktivierung der Viren könnte die Krankheit befeuern. mehr »

Das alles muss das Verarbeitungsverzeichnis enthalten

Zur Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung müssen Arztpraxen ein "Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten" anlegen. Was darin alles aufgeführt werden muss, fassen zwei Medizinrechtler zusammen. mehr »

Übermüdete Teens oft adipös und hyperton

Sowohl zu kurzer als auch schlechter Schlaf erhöht bei Jugendlichen das kardiometabolische Risiko. In der bisher größten Studie zum Thema wirkten sich entsprechende Defizite negativ auf Taillenumfang, Blutdruck und Lipide aus. mehr »