Ärzte Zeitung, 23.11.2009

Kommentar

Mehr als eine Naturwissenschaft

Von Angela Mißlbeck

Frauen und Männer sind verschieden. Das ist banal. Aber in der Medizin findet diese Banalität bislang erstaunlich wenig Beachtung. Die größte europäische Uniklinik Charité Berlin hat entdeckt, dass es sich lohnt, dem kleinen Unterschied mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Sie hat deshalb ein Institute for Sex and Gender in Medicine eingerichtet.

In den Geisteswissenschaften sind Geschlechterunterschiede schon seit eh und je ein Thema. In die Medizin sickern sie nur langsam ein. Aber sie tun es. Das zeigt dreierlei: Zum einen ist die Medizin keine reine Naturwissenschaft. Wenn sie Geschlechterunterschiede nicht berücksichtigt, bleiben ihr wichtige Erkenntnisse vorenthalten. Zum anderen tat sich die Medizin aber lange schwer damit, dass sie nicht nur Naturwissenschaft ist.

Sonst hätte die Sex- und Gender-Forschung früher Einzug gehalten. Dass sie es nun langsam tut, markiert zum dritten aber auch eine historische Wende: Im 21. Jahrhundert ist das naturwissenschaftliche Fundament der Medizin so unbestritten, dass sich die Disziplin, die an der Charité auch gern zu den Humanwissenschaft gezählt wird, ohne Gefahr wieder ihrer geisteswissenschaftlichen Wurzeln besinnen kann. Davon profitieren alle: Frauen und Männer.

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Kleiner Unterschied spielt noch keine große Rolle

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