Ärzte Zeitung, 21.04.2006
 

Deutsche grundsätzlich zu Organspende bereit

Zwischen Bereitschaft und Handeln klafft eine Lücke

LEIPZIG (eb). Wie steht die deutsche Bevölkerung zur postmortalen Organspende und zur Lebendspende? Eine repräsentative Umfrage bei 1000 Deutschen im Auftrag der Uni Leipzig gibt Antworten.

Zur Organspende grundsätzlich bereit wären 60 Prozent, 19 Prozent der Befragten lehnen die Spende grundsätzlich ab und 14 Prozent haben einen Organspendeausweis.

Zu möglichen gesetzlichen Regelungen der Organspende gab es bei Mehrfachnennung folgende Antworten: 87 Prozent der Befragten stimmten der bestehenden Regelung zu, 72 Prozent akzeptieren eine Spende, wenn der Verstorbene nicht widersprochen hatte und seine Angehörigen einverstanden sind.

59 Prozent der Befragten hielten auch einen Zwang zur Entscheidung für möglich: Mit Volljährigkeit soll im Personalausweis vermerkt werden, wie der Inhaber zur Organspende steht.

Vorschläge, die eine Organentnahme immer ermöglichen, fanden hingegen mit 40 Prozent weniger Anhänger. Knapp die Hälfte der Befragten fand es erwägenswert, jene Menschen, die bereit sind, Organe zu spenden, im Krankheitsfall bevorzugt mit Organen zu versorgen.

Unter den Befragten herrscht eine hohe Bereitschaft zur Lebendspende: 99 Prozent würden für die eigenen Kinder spenden, für den Lebenspartnern 96 , für die Eltern 94 und für gute Freunde 75 Prozent. Für gänzlich Unbekannte sind 33 Prozent bereit.

"Nur wenige lehnen die Organspende grundsätzlich ab", so der Psychologe Dr. Oliver Decker von der Uni Leipzig. Hier könne man ansetzen und über geeignete Regelungen die vorhandene Bereitschaft wirksam und lebensrettend werden lassen.

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