Direkt zum Inhaltsbereich

Nach Transplantation ist Krebsrisiko offenbar mit Sirolimus geringer

MÜNCHEN (wst). Das Immunsuppressivum Sirolimus scheint deutlich geringere krebsfördernde Wirkungen zu haben als andere Immunsuppressiva. Die Substanz verfügt sogar über antitumorale Effekte.

Veröffentlicht:

Auswertungen eines großen australisch-neuseeländischen Transplantationsregisters bestätigen: Das Risiko, innerhalb von 30 Jahren nach einer Organtransplantation ein Malignom zu bekommen, liegt zwischen 50 und 80 Prozent. Die meisten mit Immunsuppressiva assoziierten Krebserkrankungen betreffen die Haut, so Privatdozent Christian Graeb von der Chirurgischen Uniklinik München-Großhadern.

Mehrere Faktoren tragen zur erhöhten Krebsrate bei immunsupprimierten Patienten bei: Das unterdrückte Immunsystem begünstigt Ausbreitung und Aktivität potenziell onkogener Viren - etwa Epstein-Barr- und andere Herpes-Viren oder Papilloma-Viren. Bedeutsamer ist aber wohl, dass unter Immunsuppression endogene antitumorale Kontrollmechanismen eingeschränkt sind. Dazu gehören die Zellreparatur, der programmierte Zelltod und die Funktion spezifischer Abwehrzellen.

Inwieweit etablierte Immunsuppressiva - vor allem Calcineurin-Hemmer - selbst tumorauslösend sind, ist noch nicht abschließend geklärt. Aktuelle Daten lassen dies offen, so Graeb auf der von Wyeth unterstützten Veranstaltung bei der Jahrestagung der Deutschen Transplantationsgesellschaft in München.

Es gebe allerdings Befunde, wonach Calcineurin-Hemmer die Synthese des Wachstumsfaktors VEGF (vascular endothelial growth factor) stimulieren. Das könnte die für das Tumorwachstum notwendige Gefäßneubildung fördern. Der mTOR-Hemmer Sirolimus (Rapamune®) unterdrückt dagegen die Angiogenese. Diese Eigenschaft von Sirolimus wird als ein wesentlicher Grund dafür gewertet, dass Patienten mit Sirolimus weitaus seltener Karzinome haben als bei Therapie mit anderen Immunsuppressiva.

Viele experimentelle Daten und erste klinische Ergebnisse weisen darauf hin: Das Tumorrisiko ist deutlich reduziert, wenn für die Immunsuppression Sirolimus allein oder zusätzlich zu Calcineurin-Hemmern gegeben wird, hat Privatdozent Markus Guba aus München gesagt. Sirolimus könne daher nach Organverpflanzung möglicherweise besonders dann angezeigt sein, wenn bei Patienten ein überdurchschnittliches Krebsrisiko vermutet wird.

Das ist etwa bei gesicherten Präkanzerosen - zum Beispiel der Haut - der Fall, hat Guba erinnert. Bei allen anderen Patienten solle spätestens dann eine Umstellung auf Sirolimus erwogen werden, sobald unter einer konventionellen immunsuppressiven Therapie ein Malignom auftrete, so Guba.

Mehr zum Thema

Rasche Mobilisation entscheidend

Fraktur im Alter: An Delir und Osteoporose denken!

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Aktuelle explorative Ad-hoc-Analysen der Studien SPOTLIGHT und GLOW: mOS vor und nach Zensierung†

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

CLDN18.2+, HER2− Adenokarzinom des Magens/gastroösophagealen Übergangs

Mit optimiertem Therapiemanagement den Behandlungserfolg mit Zolbetuximab unterstützen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Astellas Pharma GmbH, München

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Motivierende Gesprächsführung

Wie motiviere ich Patienten mit Depression zu Sport?

Hantavirus und Ebolavirus

Was Patienten brauchen, die Sorge vor einem neuen Virusausbruch haben

Von DiGA bis Chatbot

Wie KI hilft, die rheumatologische Versorgung zu verbessern

Lesetipps
Ein Stapel mit vielen Büchern

© Frank Rumpenhorst/dpa

State-of-the-Art

Was in den Praxisempfehlungen und Leitlinien der DDG neu ist

Blick über die Schulter eines Trompeters, der ein Konzert spielt.

© Kitreel / Stock.adobe.com

Vielfalt der Musikermedizin

Ihr Patient ist Musiker? Was dann relevant werden könnte