Ärzte Zeitung, 27.03.2007

Östrogene bei Belastungsinkontinenz

Zäpfchen und Cremes müssen nur zwei- bis dreimal pro Woche angewandt werden

DÜSSELDORF (ars). Eine lokale Östrogentherapie erhalten derzeit nur sechs Prozent der Patientinnen mit Belastungsinkontinenz. In deutschen und internationalen Leitlinien wird die Therapie für Frauen, bei denen gleichzeitig ein Östrogenmangel vorliegt, empfohlen. Nach den Erfahrungen von Dr. Rainer Lange aus Alzey sind die Resultate gut.

Eine lokale Östrogentherapie kommt vor allem für Frauen in der Postmenopause infrage. Aber auch jüngere Frauen können, wenn sie Kontrazeptiva nehmen, einen relativen Östrogenmangel haben. Daran hat Lange beim Fortbildungskongress der Frauenärztlichen Bundesakademie in Düsseldorf erinnert.

Das Hormon und seine Metabolite stimulieren die Östrogen-Rezeptoren im Urethra-Epithel und sensibilisieren so die Alpha-Rezeptoren. Dadurch erhöht sich der Harnröhrentonus. Zudem fördern Östrogene den Aufbau des Epithels in der Urethra. Deshalb sind sie als Scheidencremes oder -zäpfchen in Kombination mit Medikamenten oder Beckenbodentraining für die Inkontinenztherapie sinnvoll. Dazu rät auch die International Consultation on Incontinence.

Weil Östrogene bei dieser Applikation die Leberpassage umgehen, ist die Wirkung vier- bis fünfmal so stark wie bei oraler Einnahme, gab Lange auf einer Veranstaltung des Unternehmens Lilly zu bedenken. Deshalb genüge gerade bei älteren Patientinnen eine Anwendung zwei- bis dreimal pro Woche. Zwar sei die Auswirkung der topischen Therapie auf die Brustkrebsrate nicht untersucht, dennoch hält der Urogynäkologe sie bei Frauen mit Mammakarzinom für kontraindiziert. Auch über eine Zunahme des Thrombose- oder Embolierisikos sei nichts bekannt.

Allerdings sei es ratsam, vor der Verordnung von Östrogenzäpfchen oder -cremes den Blutdruck der Frauen zu überprüfen, so Lange. Denn durch Östrogene könne er leicht erhöht werden. Liege der Blutdruck jedoch bei Hypertonikerinnen durch eine blutdrucksenkende Therapie im Idealbereich, bestünden gegen die Hormone keine Bedenken.

STICHWORT

Belastungs- Inkontinenz

Bei Belastungsinkontinenz, auch Stressinkontinenz, führt körperliche Belastung zu unfreiwilligem Urinverlust. Der Verschlussmechanismus der Urethra versagt, etwa als Folge von Hormonmangel oder Insuffizienz der Beckenbodenmuskulatur. Es gibt drei Schweregrade: Harnverlust bei schwerer Belastung wie Husten oder Niesen (Grad I); Harnverlust bei leichter Belastung wie Aufstehen (Grad II) und Harnverlust in Ruhe (Grad III). (cin)

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