Ärzte Zeitung, 31.07.2018

IQWiG-Vorbericht

B-Streptokokken-Test als universelles Screening bei Schwangeren?

KÖLN. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) untersucht derzeit, ob ein universelles Screening auf B-Streptokokken (Test-Strategie) im Vergleich zur bisherigen Risiko-Strategie (bei Risikofaktoren kurz vor der Geburt Antibiotika) für Neugeborene oder werdende Mütter Vorteile und damit einen Zusatznutzen bieten würde.

Die vorläufigen Ergebnisse liegen jetzt vor. Demnach könne diese Frage nicht beantwortet werden, weil es für den Vergleich keine aussagekräftigen Studien gebe, teil das IQWiG mit.

Streptokokken der serologischen Gruppe B sind ja weit verbreitete Bakterien, die aber meist unbemerkt bleiben.

Das gilt auch für die knapp 20 Prozent der Schwangeren, bei denen Vagina oder Anus besiedelt sind. Ein Risiko sind die Bakterien aber für die Babys: Stecken sie sich bei der Geburt an, kann das im schlimmsten Fall eine Sepsis oder eine Meningitis auslösen.

Um dem vorzubeugen, bekommen Schwangere, bei denen bestimmte Risikofaktoren vorliegen, kurz vor der Geburt Antibiotika (Risiko-Strategie), erinnert das IQWiG in seiner Mitteilung. Allerdings sei auch ein Test auf dem Markt, den man allen Schwangeren anbieten könnte (Test-Strategie).

Damit könnte man auch diejenigen Schwangeren finden, die keinen Risikofaktor, aber dennoch B-Streptokokken aufweisen.

Fachgesellschaft empfiehlt B-Streptokokken-Test

Etwa eines von 3000 Neugeborenen infiziert sich bei der Geburt mit B-Streptokokken, davon sterben 3,2 Prozent an den Folgen. Eine Antibiotika-Prophylaxe bekommen Schwangere zum Beispiel dann, wenn Fieber vorliegt, wenn eine Frühgeburt droht, oder wenn sich der Geburtsvorgang stark verzögert. Diese Risiko-Strategie kann bereits den größten Teil von Infektionen verhindern.

Dennoch setzen andere Länder auf eine mikrobiologische Untersuchung, die allen werdenden Müttern angeboten wird (universelles Screening),wie das IQWiG mitteilt. Auch die aktuelle Leitlinie der deutschen Fachgesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe empfehle einen solchen B-Streptokokken-Test generell gegen Ende der Schwangerschaft.

Bislang müssen die werdenden Mütter den rund zehn bis 30 Euro teuren Test allerdings häufig selbst bezahlen. Einige gesetzliche Krankenkassen bezahlen ihn zwar, Regelleistung ist er aber nur dann, wenn eine Frühgeburt droht.

Die IQWiG-Wissenschaftler suchten nach Studien, die die Test-Strategie mit der bisherigen Risiko-Strategie verglichen.

Von besonderem Interesse sind jene Schwangere, bei denen die beiden Strategien zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, was die Notwendigkeit von Antibiotika betrifft: Das sind zum einen Schwangere, die der Test als "prophylaxebedürftig" klassifiziert, die aber keine Risikofaktoren aufweisen.

Zum anderen sind es werdende Mütter, bei denen der Test keine B-Streptokokken anzeigt, bei denen aber besondere Risiken bestehen. Denn nur bei diesen beiden Gruppen könnten die beiden Strategien zu unterschiedlichen Ergebnissen führen, zum Beispiel zu einer niedrigeren Sepris-Rate bei den Babys.

Keine belastbaren Ergebnisse

Daher hat das Institut zusätzlich nach Studien gesucht, die bei diesen Schwangeren untersuchten, welche Konsequenzen es hat, wenn sie Antibiotika bekommen oder ein Placebo.

Allerdings habe sich keine Studie identifizieren lassen, die belastbare Ergebnisse hätte liefern können, schreibt das IQWiG.Zwar gebe es eine große Kohortenstudie, die beide Strategien miteinander vergleicht.

Auf sie beziehen sich sowohl die deutsche Fachgesellschaft als auch Länder, die den B-Streptokokken-Test regelhaft eingeführt haben. Das IQWiG habe sie allerdings nicht einbezogen, da die Ergebnisse nicht hinreichend belastbar seien, so das Kölner Institut.

Das liege vor allem daran, dass die Studie nicht prospektiv angelegt war. Das habe dazu geführt, dass sich die Gruppen nicht nur im Hinblick auf den Test, sondern auch in anderen Merkmalen deutlich unterschieden.

Frauen, die den B-Streptokokken-Test machten, erhielten generell mehr Vorsorgeleistungen, sodass die niedrigere Komplikationsrate in dieser Gruppe viele Gründe haben könne. Da diese Studie auch keine "dramatischen Effekte", also sehr große Unterschiede, zeigte, ließen sich aus ihr keine sicheren Aussagen ableiten, so das IQWiG. (eb)

Bis zum 24. August sind Stellungnahmen zum Vorbericht möglich: www.iqwig.de

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