Ärzte Zeitung, 29.11.2004

Optische Reize so gut wie akustische

Um bei Tinnitus-Patienten die Aufmerksamkeit von den Ohrgeräuschen weg auf andere Inhalte zu lenken, eignen sich nicht nur akustische, sondern offenbar auch optische Reize. Das hat jetzt eine deutsche Studie ergeben.

Eine Arbeitsgruppe um Privatdozentin Dr. Katrin Eysel-Gosepath aus Mainz hat 40 Tinnitus-Patienten einer von zwei gleich großen Therapie-Gruppen zugeordnet (HNO 52, 2004, 431). Nach einer vierwöchigen Kontrollphase erhielten alle Studienteilnehmer zu Beginn des ebenfalls vierwöchigen Therapie-Programms Informationen über die Erkrankung und erlernten die progressive Muskelentspannung nach Jacobson.

Lesen Sie dazu auch:

Die Teilnehmer der Gruppe A erhielten entweder Rauschgeräte oder - wenn eine leichte Schwerhörigkeit vorlag - Hörgeräte. Diese Geräte sollten sie mindestens vier Stunden am Tag tragen und sich entweder auf das Rauschen oder die verstärkten Umgebungsgeräusche konzentrieren. Die Teilnehmer der Gruppe B wurden angewiesen, sich etwas Angenehmes vorzustellen, etwa sich in einem Liegestuhl in der Sonne zu räkeln.

Zu Beginn der Kontrollphase und auch zu Beginn der Therapie, sofort nach deren Ende sowie drei, sechs und zwölf Monate später sollten die Patienten den Tinnitus-Fragebogen nach Goebel & Hiller ausfüllen. Hiermit werden die kognitive und emotionale Belastung durch Ohrgeräusche sowie Folgeerscheinungen wie Schlafstörungen, Hörprobleme oder körperliche Beschwerden erfaßt.

Die Auswertung der Studiendaten ergab: Jede Therapieform vermindert signifikant und längerfristig die Beeinträchtigung durch Tinnitus.

Die Vorteile waren bei Gruppe A sogar noch etwas stärker ausgeprägt, weshalb die Wissenschaftler vermuten, daß die therapeutische Zuwendung wesentlich ist. Denn bei den Teilnehmern der Gruppe A war im Vergleich zu denen der Gruppe B der Zeitaufwand durch die Anpassung der Geräte höher, so daß sich auch mehr Gelegenheit bot, über Sorgen und Ängste der Patienten zu sprechen. (ars)

Lesen Sie dazu auch:
Patienten können lernen, mit Ohrgeräuschen zu leben

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Dicker Hals = dickes Risiko fürs Herz

Nicht nur ein dicker Bauch spricht Bände – der Halsumfang eignet sich ebenfalls, um das kardiovaskuläre Risiko abzuschätzen. mehr »

Junge Ärzte müssen etwas zur Versorgung auf dem Land beitragen!

Politik und Verbände mühen sich ab, um junge Ärzte für die Versorgung auf dem Land zu begeistern. Blogger Dr. Jonas Hofmann-Eifler sieht die Verantwortung ein Stück weit auch bei sich und seinen Kollegen. mehr »

MDK lehnt Pflegeanträge seltener ab

Kommen die Pflegereformen bei den Versicherten an? Neuen Zahlen zufolge fallen weniger Antragssteller durchs Raster und erhalten somit Leistungen. mehr »