Ärzte Zeitung, 20.01.2015

Twist1

Transkriptionsfaktor reguliert das Zellwachstum

NEUHERBERG. Der Transkriptionsfaktor Twist1 ist entscheidend für die Plastizität von Zellen. Je nach Aktivität des Faktors besitzen die Zellen mehr oder weniger Stammzelleigenschaften.

Somit steuert Twist1 das Entwicklungs- und Wachstumspotential von Zellen und ist so an einer Reihe normaler, aber auch krankhafter Prozesse, wie beispielsweise dem Tumorwachstum, beteiligt, meldet das Helmholtz Zentrum München.

Diese komplexen, teils konträren Eigenschaften von Twist1 konnten Forscher nun aufdecken (Cell Reports 2015; 10: 131-139). "Ist Twist1 vorübergehend aktiv und anschließend wieder deaktiviert, fördert dies Stammzell-ähnliche Eigenschaften einer Zelle und deren Plastizität.

Eine kontinuierliche, chronische Faktoraktivität dagegen unterdrückt die Stammzelleigenschaften in den Zellen", fasst Studienleiterin Christina Scheel die Ergebnisse in einer Mitteilung des Helmholtz Zentrums zusammen.

"Über den Einfluss von Twist1 auf das Entwicklungspotential von Zellen gab es bislang viele, teils widersprüchliche Forschungsergebnisse - unsere Daten konnten wichtige Zusammenhänge aufdecken und Klärung schaffen.

Die Wissenschaftler des Instituts für Stammzellforschung und des Instituts für Experimentelle Genetik am Helmholtz Zentrum München (HMGU) untersuchten, wie Zellen des Brustgewebes auf die Aktivität von Twist1 reagierten.

Dabei konnten sie nachweisen, dass der Aktivitätsgrad und die Dauer der Aktivität von Twist1 ein entscheidender Faktor für die Plastizität und das Wachstum der Zellen ist, heißt es in der Mitteilung.Eine hohe Plastizität bedeutet ein hohes Entwicklungs- und Regenerationspotential bei den Zellen — ähnlich den Stammzellen.

Dies machen sich allerdings auch Tumorzellen zunutze, indem sie Twist1 für ein aggressives und streuendes Wachstum einsetzen. Das Team um Christina Scheel, Johanna Schmidt und Elena Panzilius vom HMGU konnte mit seinen Untersuchungen zeigen, welch komplexe Schlüsselrolle Twist1 beim Zellwachstum zukommt.

"Unsere Ergebnisse liefern wichtige Erkenntnisse, um die Regeneration und das Wachstum von gesunden Zellen und Tumorzellen weiter zu erforschen und künftig sogar beeinflussen zu können", wird Erstautorin Johanna Schmidt zitiert.

"Diese spezifischen Wirkungen von Twist1 könnten als Grundlage für therapeutische Ansätze sowohl bei der Regeneration von Gewebe als auch bei der Tumorbehandlung genutzt werden" ergänzt Co-Autorin Elena Panzilius. (eb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

"Telemedizin ist für uns Landärzte die Zukunft"

Geringes Honorar, hoher Aufwand und auf bestimmte Diagnosen begrenzt – trotzdem setzen einige Ärzte auf die Videosprechstunde. Und das aus vielerlei Gründen. mehr »

Was 100-Jährige von anderen unterscheidet

100-Jährige sind oft weniger krank als die Jüngeren. Worauf es ankommt, haben Forscher anhand von Daten von AOK-Versicherten herausgefunden. mehr »

Lauterbach will Erstkontakte extra vergüten

"Erstkontakte sollen sich lohnen": Mit einem Sonderbudget für Erstkontakte bei Fachärzten will der SPD-Gesundheitspolitiker Professor Karl Lauterbach Ungerechtigkeiten bei der Terminvergabe beseitigen. mehr »